Die Konkurrenz ist zu groß: Der Bahn-Fernbus fährt nicht mehr nach München

Julia Littmann

20 Monate lang ist der IC-Bus von Freiburg nach München gefahren. Doch damit ist ab Dezember Schluss. Mit dem Fahrplanwechsel stellt die Bahn den Busverkehr in die bayerische Hauptstadt ein.



Seit Wochen plakatiert die Deutsche Bahn spaßig: "Endlich Schluss mit den Fernbussis". Zum Fahrplanwechsel im Dezember wird die Bahn mit dieser Ankündigung Ernst machen. Dann nämlich wird die IC-Bus-Strecke Freiburg-München der Deutschen Bahn nach 20 Monaten eingestellt. Sie habe sich nicht rentiert, heißt es von Seiten der Bahn. Und das ist aus etlichen Gründen auch gar nicht verwunderlich.


Grund eins hat die Bahn selber vor drei Jahren geliefert. Damals legte sie – ohne Erfolg – Einspruch ein gegen den Plan von "MeinFernbus", eine Busstrecke Freiburg-München ins Leben zu rufen. Das Argument der Bahn: Es bestünde kein ausreichendes Verkehrsbedürfnis auf der Strecke und das wenige Bestehende werde mit dem Schienenverkehr befriedigt. Dennoch konnte MeinFernbus im April 2012 – vor der Marktliberalisierung 2013 – mit der Busstrecke Freiburg-München sein Unternehmen starten und ohne Umsteigen Passagiere zwischen den beiden Städten befördern. Mit Erfolg.

Zunehmende Konkurrenz

Auch andere Unternehmen schickten nun Busse auf diese Strecke: DeinBus, Flixbus und auch der IC-Bus. An manchen Tagen sind es bis zu 15 Busse in jeder Richtung, das entspricht etwa 1000 Plätzen. Dazu kommt inzwischen auch eine durchgehende Zugverbindung pro Tag mit weiteren 500 Plätzen. Grund zwei dafür, dass sich die Busfahrten für die Bahn zwischen Freiburg und München nicht lohnen, ist, dass es keine 1500 Passagiere gibt, die täglich hin und her befördert werden wollen.

Daraus folgt Grund drei für das Scheitern dieser IC-Bus-Linie: Preisdumping. Bahnsprecher Werner Graf: "Der hochaggressive Preiswettbewerb hat uns zu dem Schritt bewogen, diese Strecke einzustellen." Tatsächlich liegen die Buspreise deutlich unter den Bahnpreisen – und bei vier Mitbewerbern auf dieser Strecke verteilen sich die Fahrgäste auch über den Fahrpreis. Dumping bedeutet: erstaunliche Billigfahrten. Dass bei einem solchen Überangebot kein Geld zu verdienen ist, weiß auch Siegfried Klausmann, Inhaber des Bahn- und Busreisebüros Gleisnost: "Selbst wenn man die Tickets verschenken würde, gäbe es die Passagiere gar nicht in dieser Zahl, die von hier nach da fahren würden."

Andere Verbindungen werden ausgebaut

Für Gregor Hinz, Pressesprecher von MeinFernbus, ist mit dem Ende der IC-Bus-Verbindung Freiburg-München klar: "Wir haben uns hier durchgesetzt!" Das freut ihn umso mehr, als das giftgrüne Fernbusunternehmen in Freiburg seinen "Geburtsort" hatte, so Hinz. Für Bahnsprecher Werner Graf hingegen ist das Ende der IC-Busse zwischen Freiburg und München normales kaufmännisches Handeln: "Man platziert ein Produkt am Markt, wenn man sich davon Erfolg verspricht. Wenn das dann nicht funktioniert, nimmt man es wieder vom Markt."

Die freiwerdenden Doppelstockbusse werde die Bahn auf Linien einsetzen, die gut laufen und die entsprechend ausgebaut werden, wie die Strecke Nürnberg-Prag, die seit einem Jahr in Mannheim startet – und ab Dezember in Straßburg. Auslastungszahlen für die Strecke Freiburg-München nennt Graf genauso wenig wie die Erfolgsbilanz der Superstrecken: Geschäftsgeheimnis.

Nur das bleibt nicht geheim: Dass der durchgehende Badenexpresszug nach München erhalten bleibt, so Werner Graf.

Busse und Preise

Als Momentaufnahme ohne Extras wie Bahncard oder Frühbucherrabatte hier die Preise, die am Freitag für eine Fahrt von Freiburg nach München am heutigen Montagmittag verlangt wurden:
DeinBus (11.15 Uhr): 25 Euro
IC-Bus (13.05 Uhr): 19 Euro
Meinfernbus (11 Uhr):14 Euro
Flixbus (15.05 Uhr): 9 Euro

Eine Liste der günstigsten Verbindungen gibt’s unter http://www.fernbusse.de

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[Foto: Michael Bamberger]