Die Headbanger im Tierreich

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum Tauben auf der Straße und Hühner auf dem Hof so einen komischen Laufstil (neben die Eier) an den Tag legen? Ihr beständiges Nicken mit dem Kopf ist nicht zum Balzen gedacht, sondern hat zwei physikalisch und visuell sehr sinnvolle Gründe.

Den physikalischen Grund nutzen auch wir Menschen in abgewandelter Form: So wie wir beim Gehen mit den Armen schlenkern, macht es im Prinzip auch die "armlose" Taube: Durch das Kopfnicken wahrt sie zum einen das Gleichgewicht und zum anderen speichert sie den Schwung, was sehr viel Energie beim Laufen einspart.


Den zweiten Grund können Menschen nicht nachvollziehen. Da bei Tauben (sowie Hühnern und anderen Vögeln ähnlicher Bauart) die Augen an den Seiten des Kopfes sitzen, haben sie zwar eine bessere Rundumsicht, aber ein schlechtes räumliches Wahrnehmungsvermögen. Sie können nicht wie wir die Bilder der beiden Augen im Gehirn zu einem dreidimensionalen Bild zusammenfügen, da sich die Blickfelder einfach nicht genügend überschneiden.

Deshalb benutzen sie den Nick-Trick: Die Bilder, die kurz hintereinander vor und nach dem Nicken entstanden sind, werden im Kopf übereinandergelegt und zu einer 3D-Abbildung der Umwelt umgewandelt. So können die Flugtiere sowohl in fast alle Richtungen nach Feinden Ausschau halten und gleichzeitig deren Entfernung einschätzen.