Die Handy-Ticket-App: Das Smartphone als Fahrscheinautomat

Manuel Lorenz

"Willkommen im 21. Jahrhundert, liebe Fahrkarte" steht auf dem Smartphone-Display, wenn man die Anwendung Handy-Ticket startet. Das klingt verheißungsvoll. Und tatsächlich knüpft die Applikation an die große Verheißung des Computerzeitalters an, nach und nach jeden Lebensbereich zu digitalisieren.



Kein Kleingeld zur Hand? Der Weg zum Fahrscheinautomaten versperrt? Mit dem Handy-Ticket liegt die Fahrkarte nur wenige Bildschirmberührungen entfernt. Vorausgesetzt, man besitzt ein I-Phone, einen Blackberry oder ein Android-Handy.


„Für uns ist das eine Investition in die Zukunft“, sagt Martin Runkel, der sich um den Tarif und Vertrieb des Regio-VerkehrsVerbund Freiburgs (RVF) kümmert. Das sogenannte Electronic Ticketing ist bundesweit noch eine Marktnische. Und in Freiburg finden sowieso 90 Prozent der Fahrten mit der Regiokarte statt. „Aufs Handy-Ticket greifen vor allem Gelegenheitsnutzer zurück“, sagt Runkel. „Kurzfristig wollen wir darüber ein Prozent unseres Fahrscheinabsatzes in den relevanten Ticketbereichen abwickeln. Und da sind wir auf einem guten Weg.“ Relevant sind Einzelfahrscheine, Regio-24-Tickets und Welcome-Karten. Andere Fahrscheine werden von der Anwendung noch nicht angeboten.

Da das Handy-Ticket personalisiert ist, muss man sich beim Anmelden zwischen drei „Kontrollmedientypen“ entscheiden: Personalausweis, EU-Reisepass oder Kreditkarte. Mit der EC-Karte kann man sich bislang nicht ausweisen, der RVF erwägt aber, bald auch das zu ermöglichen. Außerdem muss man zwischen drei Bezahlverfahren wählen: Lastschrift, Kreditkarte oder Prepaid-Konto. Dann bekommt man per SMS eine vierstellige PIN-Nummer zugeschickt und kann loslegen. Ticket, von, nach, kaufen, fertig. Sobald die Gültigkeit des Tickets erlischt, graut es aus und erhält den Hinweis: „Dieses Ticket ist nicht mehr gültig.“

Praktisch: Die Anwendung enthält eine Fahrplanauskunft, von der aus man unmittelbar zum richtigen Fahrschein weitergeleitet wird. Sowohl einzelne Fahrten als auch Fahrplanauskünfte kann man als Favoriten speichern und so bei erneuter Abfrage direkt abrufen. Und: Die App beinhaltet noch dreizehn weitere deutsche Nahverkehrsregionen – von Nürnberg bis Hamburg, von Aachen bis Dresden.

Was aber, wenn das Smartphone während der Fahrt seinen Geist aufgibt oder man seinen Personalausweis vergessen hat? „Solche Fälle sind uns nicht bekannt,“ sagt Runkel. „Notfalls könnten wir aber im System nachschauen, ob tatsächlich ein Handy-Ticket gekauft worden ist.“
Beim leeren Akku wäre die RVF wahrscheinlich kulant; wer aber sein Kontrollmedium vergisst, gilt als Schwarzfahrer.

Noch prüfen die Fahrscheinkontrolleure das Handy-Ticket per Sicht. Das heißt: Sie schauen schlicht auf den Smartphone-Bildschirm und überprüfen die Daten – so wie beim Papierticket. Bald schon – Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres – werden sie aber ein Gerät mit sich führen, das den Barcode des Handy-Tickets erfasst und so dessen Gültigkeit prüft. Ob damit die Fahrscheinautomaten abgeschafft werden? „Davon gehen wir nicht aus“, sagt Runkel. „Das Handy-Ticket ist derzeit lediglich ein Zusatzangebot.“