Die Glasflaschen-Guerilla

Corinna Wölm

Aus alten Glasflaschen machen Dragan, Kai und Dominik aus Freiburg Olivenschalen und Shotgläser. Sie sind Upcycler - ihr Projekt ist gleichzeitig der Kampf gegen Verschwendung und Ressourcenverbrauch. Ihr Kampfname: Schwarzwald-Guerilla.



Wenn Dragan Filipovic, Kai Flöther und Dominik Meutzner eine Hausparty veranstalten, dann freuen sie sich vor allem auf den Tag danach. Dann stapeln sich Bier- und Schnaps-, Wein und Sektflaschen in ihren Zimmern. Und mit diesen Flaschen fängt es an.


Dragan (33), Kai (34) und Dominik (34) sind Upcycler. Ihr Rohstoff: Glasflaschen. Diese veredeln und verarbeiten die Jungs; zu Teelichtern, Shotgläsern, Olivenschalen. Aus etwas Nutzlosem machen sie etwas Wertvolles, sie führen ein Upgrade durch.

Damit liegen die Jungs im Trend. Upcycling ist nicht nur im öko-bewussten Freiburg ein Thema, überall in Deutschland verwerten kleine Unternehmen Müll und machen daraus neue Gegenstände. Die Upcaycler führen einen Kampf: gegen die Wegwerfgesellschaft und gegen exzessiven Ressourcenverbrauch. Der Gegner, das sind die Supermärkte und Fabriken, die riesigen Unternehmen und auch der Großteil der verschwenderischen Bevölkerung. Der Gegner ist übermächtig, aber einschüchtern lassen sich Dominik, Dragan und Kai nicht. Um das zu zeigen, haben sie sich Schwarzwald Guerilla genannt.

Laut Dominik fasst dieser Name verschiedene Aspekte zusammen: Zum einen ist da die Begeisterung für Che Guevara, der Guerillakrieger war und sich ebenso einem überlegenen Gegner gegenüber sah. Zu anderen ist da der Schwarzwald. „Uns liegen die Region und die Natur am Herzen. Bei uns sind das nicht nur seelenlose Werbefloskeln – wir sind von hier, produzieren hier und schaffen nachhaltige Produkte", sagt Dominik.

Er und die Kollegen Kai und Dragan haben das Label Schwarzwald-Guerilla 2013 gegründet. Die Idee der drei Jungunternehmer stammt ursprünglich aus Kuba. Aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Glaswaren werden hier Trinkgläser aus Einwegflaschen geschnitten. „So kann man abseits der Touristenpfade, in einer traditionellen kubanischen Bar seinen "Cuba libre" stilecht aus einem Glas trinken, das in vorher eine "Havana-Club" Flasche gewesen ist“, sagt Dominik.

Um ein solches Glas selbst produzieren zu können, brauchen die Guerilla-Jungs vor allem eines: leere Glasflaschen. Schaut man sich in Dominiks Arbeitszimmer um, könnte man fast meinen, die drei Jungs veranstalten jedes Wochenende wilde Partys, um genügend Material für ihre Produkte zu haben. „Unser Einkaufsverhalten hat sich natürlich dahingehend verändert, dass wir uns längere Zeit in den Getränkeabteilungen aufhalten und viele der verwendeten Flaschen selbst einkaufen und leertrinken. Da wir aber nur gemäßigte Alkoholiker sind, können wir natürlich nicht für ausreichend Nachschub an leeren Alkoholflaschen sorgen.“



Stattdessen nutzen Dominik und Co. ihre guten Kontakte zur Freiburger Gastronomie - und gehen auf Flohmärkte. Aus den Flaschen sägen und feilen sie dann ihre Produkte. Neben normalen Trinkgläsern sind das auch Shotgläser. Dafür köpfen sie die Glasflasche ganz oben, feilen und putzen das kleine Ende und drehen es um. Daneben verkaufen sie vor allem Windlichter, für deren Sockel auch schon mal Beton angerührt wird.

Neben Glasflaschen werden auch andere Dinge verwertet: „Neben den Flaschen machen wir auch viel aus Palettenholz, es gibt aber auch Stücke aus LP’s, Konservendosen, altem Besteck, Benzinkanistern und diversen Fundstücken“, sagt Dominik.

Ein Windlicht kostet um die 20 Euro, ein Shotglas drei, die olivenschale 16 Euro.

Verkauft wird übers Internet. Noch. Zukünftig wollen Dominik, Kai und Dragan Kooperationen mit Behindertenwerkstätten eingehen um größere Aufträge stemmen zu können. Irgendwann soll es dann auch einen eigenen kleinen Shop geben, der zugleich als Plattform für Workshops und dem Austausch von Ideen dienen soll.

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