App-Check

Die Freiburger Uni hat eine App zur Europawahl entwickelt, die wie Tinder funktioniert

Julia Stulberg

Am Freitag wurde in der Uni Freiburg die App "Vote-Swiper" vorgestellt – eine Wahlhilfe für die anstehende Europawahl Ende Mai. fudder erklärt, wie die App funktioniert – und warum sie Ähnlichkeiten mit Tinder hat.

Bundestags-, Landtags-, Europawahlen – vielen Wahlbeteiligten fällt es vor Wahlen schwer, eine passende Partei zu finden. Bei den kommenden Europawahlen vom 23. bis zum 26. Mai stehen Themen wie die Beibehaltung des Euros als gemeinsame Währung oder ein europaweites Verbot von Glyphosat auf der Tagesordnung.


Doch wem gibt man seine Stimme? Vor allem jüngere Wähler greifen auf Wahlhilfen zurück. Auch für die kommenden Europawahlen steht eine Online-Wahlhilfe in Form der App "Vote-Swiper", oder "Wahl-Swiper" auf Deutsch, zur Verfügung. In dieser werden, ganz nach Tinder-Manier, durch einen Wisch nach links oder rechts Fragen rund um die Themen der Europawahlen beantwortet, um so eine passende Partei zu finden.

"Man wählt ein gemeinsames Parlament, also sollte es auch ein gemeinsames Tool geben" Matthias Bannert

Die Freiburger Universität als Initiator

Aus einer Zusammenarbeit von Prof. Dr. Uwe Wagschal vom Seminar für Wissenschaft und Politik der Universität Freiburg und Matthias Banner aus der Berliner Agentur Movact ist die Idee für die europaweit nutzbare App entstanden. Schon bei den Bundestagswahlen 2017 wurde die App als "WahlSwiper" entwickelt und bei nachfolgenden Landtagswahlen genutzt. "Man wählt ein gemeinsames Parlament, also sollte es auch ein gemeinsames Tool geben", erklärt Matthias Bannert, als es um den Grundgedanken der erweiterten Nutzung der Online-Wahlhilfe auf europäischer Ebene geht.

Die Entwicklung der App ist ein Abbild von Europa selbst. Denn Teams aus fünf verschiedenen Zeitzonen haben bei der Suche nach allgemeinen und länderspezifischen Fragen die Initiatoren unterstützt. Zu Beginn der Planungsphase entstanden bei Brainstorming 80 Fragen rund um das Thema Europa. Für den Online-Wahlhelfer wurde diese dann auf einen Korpus von 35 Fragen reduziert. "Sollte die EU das Plastikverbot auf andere Einwegprodukte ausweiten?" ist eines der möglichen Themen, die in dem Korpus zu finden sind.

Während zu Beginn des Fragebogens Themen rund um die politischen Verhältnisse in Europa gestellt werden, basieren die letzten fünf Fragen auf länderspezifischen, aber europarelevante Gegebenheiten. Als Antwortmöglichkeiten wurden bewusst nur Ja oder Nein gewählt, denn nicht nur die Nutzer, sondern auch die Parteien sollten sich klar positionieren.

"Es ist ein wunderbares Tool für kleine Parteien"
Matthias Bannert

Die Auswertung

Wenn alle 35 Fragen beantwortet wurden, werden die gewischten Antworten mit den Antworten aller teilnehmenden Parteien verglichen. Für die deutsche Version der App haben 28 Parteien die aufgeführten Fragen beantwortet. Prozentual wird angezeigt, mit welcher Partei die höchste Übereinstimmung besteht. Im Vergleich zu anderen Online-Wahlhelfern, bei denen selbst die zu vergleichenden Parteien ausgewählt werden, werden hier jedoch alle Teilnehmenden miteingebunden. "Es ist ein wunderbares Tool für kleine Parteien", so Matthias Bannert. Dies bietet die Möglichkeit, zusätzliche Informationen über kleinere Parteien zu erhalten. Wer es genauer wissen möchte, kann die einzelnen Antworten zu jeder gestellten Frage einsehen und deren Begründung nachlesen.

Die Nutzung der App ist anonym und komplett DSGVO-konform – die Ergebnisse transparent. Denn durch die prozentuale Angabe der Übereinstimmung können die Werte theoretisch nachgerechnet werden.



Die Online-Wahlhilfe kann vor den Europawahlen in 13 Ländern als Hilfestellung genutzt werden. In Deutschland und Österreich steht es als App für IOS, Android und Apple-TV, sowie als Browserversion seit heute zur Verfügung. Ausstehende EU-Länder wie unter anderem Frankreich, Schweden, Finnland und Italien, werden am 9. Mai folgen.
Link zum Online-Wahlhelfer: voteswiper.org

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