Die Freiburger Football-Mannschaft "Sacristans" kämpft am Sonntag gegen den Abstieg

Jonas Volkert

Während der SC am Sonntag das erste Spiel hat, kämpfen die Freiburger Sacristans einige Meter entfernt gegen den Abstieg. Unser Autor wird auch auf dem Spielfeld stehen – hier erzählt er, mit welchen Problemen die Mannschaft zu kämpfen hat.

Am kommenden Sonntag steht für mich das spannendste Spiel meiner Karriere an: Es geht um den Abstieg. Seit inzwischen vier Jahren spiele ich für die "Sacristans", die Freiburger American-Football Mannschaft. Doch die bisherige Saison ist alles andere als optimal verlaufen: In bislang neun Spielen konnten wir erst einmal siegreich vom Platz gehen.


Das ist aber aus verschiedenen Gründen eigentlich nicht weiter verwunderlich. Letztes Jahr haben wir noch in der Oberliga gespielt, der vierthöchsten deutschen Liga. Nach einer ordentlichen Saison sind wir als Tabellendritter durch eine Umstrukturierung des Ligensystems in die Regionalliga aufgestiegen. Wir sind dort also der krasse Underdog.

Außerdem haben wir mit einer hohen Spielerrotation zu kämpfen. Viele kommen fürs Studium nach Freiburg und spielen dann während ihres Studiums. Manche werden zu Leistungsträgern und wenn sie nach Abschluss des Studiums die Stadt dann wieder verlassen, hinterlassen sie Löcher in der Mannschaft. Die müssen dann durch neue Spieler geschlossen werden. In diesem Jahr haben wir besonders viele talentierte und junge, dadurch aber auch unerfahrene Spieler dazugewonnen.

Unsere Gegner verstärken ihr Team mit US-Spielern

Viele Mannschaften in der Regionalliga (und in höheren Ligen) verstärken sich auf den wichtigsten Positionen außerdem mit Spielern aus dem Ausland. Vor allem ehemalige Spieler von US-Colleges spielen dann als sogenannte "Importspieler" eine wichtige Rolle in den Mannschaften und entscheiden Spiele häufig nahezu im Alleingang. Dafür bekommen sie meist Kost und Logis sowie die Flüge nach Deutschland gezahlt. In Freiburg haben wir seit drei Jahren keine Importspieler mehr.

In den US- Profiteams gibt es für jede Positionsgruppe gleich mehrere Trainer. In Freiburg haben wir dagegen de-facto nur einen reinen Coach, unseren Athletiktrainer. In Freiburg gibt es also praktisch kaum Coaches, schon gar keine Hauptberuflichen.

Die Spieler sind bei den Sacristans gleichzeitig Trainer

Wie wird der ganze Spielerkader dann zusammengehalten und organisiert? Die Antwort: Durch Spielertrainer. Üblicherweise hat ein Footballteam –das ist in den USA genauso wie in Deutschland – einen hauptverantwortlichen Trainer, den Head Coach. Bei uns in Freiburg gibt es so einen klassischen Head Coach nicht. Stattdessen teilen sich zwei Spieler den Posten und organisieren so Woche für Woche den Spielablauf.

Dennis Oppermann ist einer der beiden Head Coaches – und unsere Geheimwaffe beim Spiel am Sonntag. Als eigentlich gelernter Verteidiger sprang er auf Grund einer Verletzung eines Spielers bereits im letzten Spiel als Quarterback ein. Der erste Pass seiner Karriere war – wie sollte es auch anders sein – ein Touchdown-Pass über 40 Meter. Zusätzlich erlief er im Spiel noch selbst einen Touchdown. Jetzt führt Dennis uns in das wichtigste Spiel der Saison. Bei einem Sieg halten wir die Liga, bei einer Niederlage geht’s runter in die vierte Liga.
Wie funktioniert Football?

Beim American Football geht es darum, am Ende des Spiels mehr Punkte auf dem Konto zu haben als der Gegner. Jedes Team hat dafür eine Offensive, die Punkte erzielen soll und eine Defensive, die Punkte des Gegners verhindern soll. Gespielt werden insgesamt vier Viertel, die in Deutschland jeweils 12 Minuten dauern. Durch die vielen Unterbrechungen dauert ein Spiel aber selten unter zwei Stunden.

Das Spielfeld ist insgesamt 100 Yards (1 Yard= 0,91 Meter) lang. Die Offensive hat insgesamt vier Versuche um 10 Yards weit zu kommen. Schafft sie es, erhält sie weitere vier Versuche für weitere 10 Yards; schafft sie es nicht, erhält das gegnerische Team den Ball. Dabei hat die Offensive die Möglichkeit, den Ball entweder durch einen Laufspielzug oder durch einen Passspielzug voranzubringen.

Schafft es die Offensive entweder durch Lauf oder Pass in die gegnerische Endzone, erhält sie sechs Punkte – ein sogenannter Touchdown. Danach gibt es noch die Möglichkeit, einen weiteren Punkt zu erzielen, wenn es der Kicker schafft, den Ball durch zwei Torstangen zu kicken. Gelingt ihm dieses Kunststück aus dem Spiel heraus, erhält sein Team sogar drei Punkte.

Was: Spiel der Freiburger Sacristans gegen die Heilbronn Salt Miners
Wann: Sonntag, 20. August, Spielbeginn 15 Uhr
Wo: FT Sportpark, Schwarzwaldstraße 181
Eintritt: 5 Euro (3 Euro ermäßigt)