Die Freiburger Band Otto Normal probte zehn Tage lang öffentlich

Sophia Hesser

Die Freiburger Band Otto Normal probte zehn Tage lang neue und alte Songs und jeder durfte zuschauen – doch es kamen nur wenige.

Die Stimme ist schon etwas heiser – kein Wunder. Wer zehn Tage am Stück probt und das bis zu sechs Stunden am Tag, dem geht schon mal die Puste aus. Feuer steckt aber immer noch in Frontmann Peter Stöcklin, den die anderen Pete nennen. Er brennt für die Musik und für seine Freiburger Band. Pete ist die Stimme von Otto Normal. Und die machen Urban Pop, also Pop mit Rap und einem starken Beat, wie sie selbst ihre Musik beschreiben.


Die letzten Tage waren anstrengend. Die Augen der Musiker wirken etwas klein, wenn sie denn nicht hinter dunklen Sonnenbrillen versteckt sind. Zehn Tage lang wurde im Südufer in Freiburg geprobt, an den Songs gefeilt, an der Lichtshow getüftelt, alles aufgenommen, angehört, analysiert und gleich verbessert. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Song für Song.

Ein Konzert nur für Freunde und Musikerkollegen

Und am Samstag soll es dann nach all der Ackerei obendrauf auch noch ein Konzert geben. Warum? Pete Stöcklin erklärt es: "Wenn du wochenlang jemanden datest, soll es doch auch zum Kuss kommen. Sonst war ja alles umsonst." Und es bleibt intim: Das Konzert ist nur für Freunde und Musikkollegen.

Dass bei den "Dates" der Band im Südufer auch mal Fremde dabei sind und zuhören, war anfangs gewöhnungsbedürftig, aber gewollt. Auf Facebook haben die Musiker für offene Proben geworben. Jeder konnte vorbeikommen. "Die Leute sollen sehen, dass Proben harte Arbeit ist", erklärt Pianist Lukas Oberascher.

Der erste Versuch öffentliche Proben zu machen

Es war ein erster Versuch, den die Band gemeinsam mit dem Freiburger Verein Multicore und dem E-Werk unternommen hat. Proben öffentlich zu machen, um sich zu zeigen. "Bandsein ist nämlich nicht nur Show", erklärt auch Richard Ettwein von Multicore. Und das sollen die Leute sehen. Es kamen nur wenige. "Die meisten waren Freunde von uns", gibt Pete Stöcklin zu.

Letztlich kam nur eine Hand voll Fremde. Warum, kann der Sänger nur vermuten. "Da gibt es bestimmt eine gewisse Hemmschwelle." Otto Normal hatte sich das ganz easy vorgestellt: Freunde schnappen, sich einen schönen Abend machen, zuhören. Auch einen Austausch mit anderen Bands aus Freiburg hatten sich die Musiker, die mit dem Label Reposit Entertainment aus Karlsruhe zusammenarbeiten, erhofft.

Keine Probe in Boxershorts

Dass die Besucher bei den Proben dann auch mitbekommen, dass ein Song zum x-ten Mal abgebrochen und nochmal angespielt wird, dass Sänger Pete, wie er selbst sagt, seine "fünf Minuten" hat und durchdreht, finden die Musiker nicht schlimm. Sie hatten sich vorgenommen, ihr Ding zu machen, wie immer eben. Vielleicht mit einer Einschränkung: "In unserem Proberaum, im Sportstudio in der Wiehre, sitzen wir bei Hitze auch schon mal in Boxershorts da. Hier ziehen wir die Hosen natürlich wieder hoch", gesteht Sänger Pete.

In ihren neuen Songs aber lassen die Musiker ihre Hosen durchaus runter. Viele Liebeslieder gibt es da. "Wir können nämlich sehr viel Liebe geben und haben viel Liebe verloren", erklärt Lukas Oberascher. Ihre Erfahrungen spiegeln sich in den Songs wider. Und da gibt es ein weiteres Thema, dass den Musikern unter den Nägeln brennt: Mit Texten wie "NSU Attentat, Dönermord, Baklava" im Song "In Flammen" hinterfragen sie die Haltung ihrer Fans zum Weltgeschehen.

Keine musikalischen Kompromisse

Den Jungs ist vor allem wichtig, authentisch zu sein: "Wir können keine musikalischen Kompromisse eingehen und stehen zu unserer Musik", erklärt der Sänger. Deshalb soll das dritte Album "Wieder wir" heißen. Die Lieder haben sie bereits eingespielt. Wann das Album veröffentlicht wird, ist noch nicht klar.

Am Samstag heißt es zunächst aber nicht nur "wir", sondern auch "ihr": Otto Normal wollte jungen Bands, die Möglichkeit geben, als Vorband aufzutreten. Eine einzige Bewerbung kam. Von der Freiburger Hip-Hop-Formation Endless Story. Dass es wohl auch hier eine Hemmschwelle gab, finden die Jungs von Otto Normal schade. Doch sie haben Lust auf weitere öffentliche Dates – dann vielleicht mit mehr Mutigen.

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