Uni Freiburg

Die Fachschaft Jura fordert in einer Petition mehr Sitzplätze in der UB

Jana Luck

Seit dem Umzug des Juridicums vom KG II in die Universitätsbibliothek vor zwei Jahren haben die Studierenden statt 695 Sitzplätzen noch 365. Das regt die Studierenden auf.

"Wir wollen keine Sonderbehandlung", sagt Adrian Koch, Fachschaftsmitglied und Petitionsstarter. "Aber wir sind einfach darauf angewiesen in unserem Studium, in der UB arbeiten zu können." Der 19-Jährige studiert im 4. Fachsemester Jura und sagt er wisse, dass auch Studierende anderer Fachrichtungen gerade in der Klausurenphase Probleme haben, einen Sitzplatz zu finden.


"Gerade wir Jura-Studierende mit einem großen Anteil an Selbststudium müssen aber einfach Platz in der Bibliothek finden." Ausreichend Plätze und Zugang zur Fachliteratur sei für Studium und Erarbeiten von vielen Hausarbeiten unerlässlich, schreiben die Fachschaftsmitglieder in ihrer Petition.

In der neuen UB habe sich die Situation verschlechtert

Seit die UB im Sommer 2015 geöffnet hat, pocht die Fachschaft auf mehr Sitzplätze. "Wir haben eine Umfrage unter den Studierenden gestartet und basierend darauf eine erste Evaluation erstellt, die wir an die Leitung der UB gesendet haben." Es sei aber nichts bis wenig passiert, der Unmut der Studierenden bleibt. Die Petition soll nun ein stärkeres Zeichen setzen.

In ihr heißt es: "Im Rahmen der Umsiedelung wurde ein Integrationskonzept gemeinsam mit der Leitung der UB und der Fakultät erarbeitet. Hier wurde das Ziel gesetzt, die Literatur- und Informationsversorgung der Angehörigen der rechtswissenschaftlichen Fakultät zu verbessern. Allerdings konnte dieses Ziel seit der Eröffnung nicht befriedigend erreicht werden. Auf konkrete Vorschläge der Fachschaft und der Fakultät wurde nicht hinreichend eingegangen."

Was die Studierenden besonders aufregt: Dass die Situation sich mit der neuen UB verschlechtert statt verbessert habe. "Der neue Bau ist weniger funktionabel als der alte", sagt Leonie Wittenstein, 20 Jahre und ebenfalls im vierten Fachsemester. "Der Raum in der UB ist einfach nicht effektiv genutzt."

Studierende fordern ein neues Platzkonzept

Mehr Stühle an die vorhandenen Tische zu stellen, wie bereits geschehen, sei aber nicht genug. "Es gibt dann nicht genug Steckdosen und Lampen", sagt die Fachschaftlerin. Der Vorschlag stattdessen: ein neues Platzkonzept, das den Raum effektiver nutzt. Das heißt konkret, Tische umzustellen und zu verlängern und die runden durch gewöhnliche Tische zu ersetzen, die hintereinander gereiht den Platz besser nutzen könnten. Weniger optische Vorteile gegen mehr Platz.

Einige Verbesserungen hat es schon gegeben

Ein paar kleine Verbesserung habe es schon gegeben, sagt Adrian: Einige zusätzliche Plätze und der Fachschaft sei ein digitales schwarzes Brett versprochen worden. Ein wichtiger Punkt für die Studierenden, meint Leonie Wittenstein. Noch ist das Informationsboard aber nicht angekommen.

Man stehe mit allen Beteiligten in einem regelmäßigen Dialog, sagt Rudolf-Werner Dreier, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek. So habe die Direktion der UB Anfang März gemeinsam mit dem Rektor, dem Kanzler und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Situation im Juridicum vereinbart: etwa eine "Erhöhung der Kapazität an Nutzerarbeitsplätzen unter Berücksichtigung baurechtlicher Vorgaben" wie Fluchtwegen und "eine Verbesserung der Beschilderung und die Einrichtung von zusätzlichen Informationsmonitoren" – einem so genannten "digitalen schwarzem Brett".

Das Amt Freiburg, Vermögen und Bau arbeite außerdem an einem Konzept zur Verbesserung der akustischen Situation.

Eine weitere Forderung: "Juristisches Seminar" statt Juridicum

Adrian Koch und Leonie Wittenstein bemängeln bei alldem vor allem, dass Verbesserungen "einfach sehr langsam" passieren. "Wir wollen Veränderungen aber so schnell es geht erreichen und nicht erst in fünf Jahren, wenn wir mit unserem Examen durch sind." In der Petition, die seit vergangener Woche online ist, haben bereits 445 Unterstützende unterschrieben. In den noch verbleibenden Tagen hofft die Fachschaft auf mindestens 1000 Unterschriften.

In der Petition bemängelt die Fachschaft noch andere Punkte. So sei die Ausschilderung als "Juridicum" nicht angemessen, um das Konzept einer Fachbibliothek zu beschreiben. Die Fachschaft fordert stattdessen die Bezeichnung "Juristisches Seminar". Denn: "Mit der momentanen Ausschilderung wirkt das Juridicum für uninformierte BesucherInnen als ein Teil der ganzen UB und nicht als Seminar der JuristInnen", heißt es in der Petition. Auch die Lautstärke soll gesenkt werden, und die Fachschaft wünscht sich eine bessere und zuverlässigere Zusammenarbeit mit Dekanat, der UB-Leitung und dem Rektorat.

Mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze steht Juristen in Prüfungszeiten schon zur Verfügung

Rudolf-Werner Dreier sagt, dass alle Beteiligten das Gebäude gerne "noch größer, mit noch mehr Arbeitsplätzen für unsere Nutzerinnen und Nutzer gebaut hätten. Aber schon in den ersten Planungsschritten ab 2005 war klar, dass das zentrale UB-Gebäude nur ein Teil der bibliothekarischen Versorgung für die im ganzen Stadtgebiet verteilte Universität übernehmen kann." Auch in den rund 60 weiteren von der UB betreuten dezentralen Bibliotheken würden Forschenden wie auch Studierenden sehr standortnah Literatur zu allen Fachgebieten und entsprechende Arbeitsmöglichkeiten angeboten.

Zusätzlich zu den 365 Arbeitsplätzen für Angehörige der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in der UB seien während der Hausarbeitszeit 259 weitere Arbeitsplätze im 1. und 3. Obergeschoss reserviert. Damit stehen den Studierenden dann in Prüfungszeiten mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze im Lesesaalbereich der UB (624 von 1.200) zur Verfügung, sagt Dreier.

Die Fachschaft bestätigt, dass teilweise Bereiche durch Zettel reserviert werden – zur Hausarbeitenzeit gebe es die Reservierungen, zu Klausurenzeiten aber nicht.

"Über jeden Platz mehr freuen wir uns." Adrian Koch
"Wir wissen, dass wir nicht wie vorher 695 Plätze bekommen können", sagt Adrian Koch. "Aber über jeden Platz mehr freuen wir uns." Dabei soll das Juridicum nicht auf andere Stockwerke ausgeweitet werden, sondern der bestehende Platz besser genutzt. Wenn ihre Platzpläne erfolgreich umgesetzt worden seien, würden sie aber auch gerne mit anderen Fachschaften zusammenarbeiten, erklärt Leonie Wittenstein. "Im Moment kümmern wir uns nur um den zweiten Stock, aber wenn man in der gesamten Bibliothek mehr Sitzplatz schaffen könnte, wäre das eine Verbesserung für alle Studierende."

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