Die Beerdigung der Freiburger Toleranz

Friederike Grasshoff.

Samstag, 22 Uhr: Am Schwabentor hat sich eine beschauliche Gruppe von Beerdigungsgästen eingefunden; schwarz und schick gekleidet schreiten sie mit roten Rosen und einem Beerdigungskranz über die Salzstraße Richtung Augustinerplatz. "Was geht denn hier vor?", fragt eine Passantin ihre Begleitung. Der Trauerkranz trägt die Aufschrift: "Hier ruht Freiburgs Toleranz".



„Wie sind eine kleine Gruppe von Freunden, die heute Abend ein friedliches Symbol setzen wollen. Es gibt einige Entwicklungen in der der Stadt, die uns nicht gefallen wie zum Beispiel das Alkoholverbot in der Innenstadt, die Kameraüberwachung und die Säule der Toleranz. Ein bisschen mehr Eigenverantwortung kann man den Freiburgern schon zutrauen; wir wissen schon wann wir ruhig sein müssen“, sagt ein Beteiligter.


Am Augustinerplatz wollen sie um kurz nach den zehn den Kranz niederlegen und eine Schweigeminute einlegen, um ihrem Protest gegen die Säule der Toleranz Ausdruck zu verleihen.



Die Polizei ist bereits am August, da von einer dreiköpfigen Band ein rockiges Spontankonzert abgehalten wird, das offenbar nicht angemeldet war. Daher geht die Aktion der Kranzniederlegung an der Säule der Toleranz ein wenig unter.

Einige Besucher klatschen trotzdem, als Trauerkranz und Kerzen an der bunten Toleranzsäule niederlegt werden. Die Gruppe hält besinnlich eine Schweigeminute ab, so gut wie es eben geht in dem Lärm; dann verlassen sie in Zweierreihen den Schauplatz und hinterlassen teilweise fragende Gesichter.

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