Die australische Proto-Grunge-Band The Scientists spielt am Mittwoch im Café Atlantik

Valentin Heneka

Lange bevor Bands wie Nirvana oder Mudhoney die große Grunge-Welle der 90er-Jahren auslösten, gab es The Scientists. Am Mittwoch treten die Australier im Café Atlantik auf.

Es gibt Bands, die bei anderen abkupfern und damit über alle Maßen erfolgreich sind. Und es gibt Bands, welche die Blaupause für ganze Genres erschaffen, aber selbst nie über den Status einer obskuren Kultband hinauskommen. The Scientist gehören zu den letztgenannten, ihr Einfluss auf folgende Punk-, Grunge-, und Indie-Bands schlug sich nie in nennenswertem kommerziellen Erfolg nieder.


Gegründet von Gitarrist und Sänger Kim Salmon 1978 im australischen Perth, spielt die Band in den ersten Jahren ihres Bestehens Punkrock und Power-Pop mit eingängigen Refrains und Melodien, beeinflusst etwa von den Sex Pistols, den New York Dolls oder den Ramones.

Nach nicht einmal drei Jahren zerbricht die Band Anfang 1981, findet aber im Herbst desselben Jahres wieder zusammen. In veränderter Besetzung und unter neuen musikalischen Vorzeichen geht es weiter.

Weniger poppig, dafür umso dreckiger, düsterer und psychedelischer. Immer noch Punk, aber erkennbar weniger angelehnt an kommerziell erfolgreiche Vertreter des Genres. Aus weiteren Einflüssen von Garage- über Goth- bis hin zu Psychedelic Rock schaffen die Scientists ihren eigenen Proto-Grunge- und Post-Punk-Sound.

Dieser sollte zahlreiche folgende Musikerinnen und Musiker maßgeblich beeinflussen, darunter die eingangs erwähnten Grunger aus Seattle sowie diverse New Yorker Indie-Rock-Bands der frühen 90er – obwohl die Australier bis dato noch keinen einzigen Gig in den USA absolvierten.

Mitte der 80er-Jahre zieht die Band nach London. Drei LPs und diverse Singles erschienen bereits in Australien, in London nimmt die Gruppe vier weitere Alben auf und wechselt unzählige Male ihre Besetzung. Bis Kim Salmon das Projekt 1987 für längere Zeit auf Eis legt.

Eine bleibende Wiedervereinigung erfolgt erst 2007, die Australier treten in der Folge zum ersten Mal in den USA auf, touren mit Sonic Youth und spielen im Vorprogramm von Mudhoney.


Ihre aktuelle Tour beinhaltet erstmals mehr als einen US-Gig am Stück. Die Gruppe bestreitet sie mit Kim Salmon, Tony Thewlis, Boris Sudjovic und Leanne Cowie in einer klassischen Besetzung, wie sie zuletzt Mitte der 80er existierte. Hierzulande spielen The Scientists lediglich zwei Konzerte: eines in Berlin und eines im Freiburger Café Atlantik.
Was: The Scientists
Wann: Mittwoch, 13. Juni 2018, 20.30 Uhr
Wo: Café Atlantik, Schwabentorring 7, 79098 Freiburg