"Dialog statt Bevormundung" - Freiburger Jugendverbände nehmen Stellung zur Lärmdebatte

Christina Fortwängler

Kommunaler Ordnungsdienst, Sperrzeitenverlängerung oder Ausweitung des ÖPNV. Über diese und andere Maßnahmen, die das Lärmproblem in der Innenstadt lösen sollen, wird nächste Woche in der Gemeinderatssitzung abgestimmt. Was junge Menschen vom Lärmkonzept halten, stellten am Donnerstag Freiburger Jugendverbände in der Geschäftstelle des Stadtjugendrings vor. Mit dabei waren: Linksjugend, Artik, Jusos, Stadjugendring und Grüne Jugend.



Das Thema Lärmbewältigung in der Innenstadt hat in den vergangenen Wochen für viel Diskussionsstoff gesorgt. Jetzt melden sich auch die Freiburger Jugendverbände zu Wort. Am Donnerstag, 21. November 2013, bezogen Vertreterinnen und Vertreter von Grüne Jugend, Linksjugend, Artik, Jusos und Stadtjugendring (SJR) Stellung zum Lärmkonzept, über das am kommenden Dienstag in der Gemeinderatssitzung abgestimmt werden soll. Über die Pressekonferenz im Zentrum des Stadtjugendrings möchte sich das fünfköpfige Kollektiv als Stimme der „Jugend in Freiburg“ verstanden wissen - stellvertretend für mehrere tausend Jugendliche, die durch die Verbände erreicht würden.


"Verdrängungspolitik" nennt Kilian Flaig (Linksjugend) die angedachten Strategien zur Lärmbewältigung. So etwa den Kommunalen Ordnungsdienst, den die Jugendverbände gemeinschaftlich ablehnen. Man könne das Lärmproblem in der Innenstadt gut nachvollziehen, ein Kommunaler Ordnungsdienst sei dennoch nicht die Lösung. Es müssten Alternativen gefunden werden. Beispielsweise eine 24-Stunden-Hotline zum Amt für öffentliche Ordnung oder eine Lärm-Hotline für betroffene Menschen, sagt Julia Söhne (Jusos).

Ein Kommunaler Ordnungsdienst berge die Gefahr, dass „private Sicherheitsdienste Polizei spielen oder sie wirkungslos bleiben“, findet Kilian. Auch von einer Verlängerung der Sperrzeiten halten die fünf nichts. "Wir brauchen Prävention statt Restriktion und Dialog statt Bevormundung", sagt Vasili Franco (Grüne Jugend). Dazu gehöre auch eine dichtere Taktung des ÖPNV inklusive einer Verlagerung der Haltestelle am Bertoldsbrunnen - "die einzige Maßnahme, mit der wir leben können", so Kilian.

Als weitere Baustelle in diesem Zusammenhang nennen sie das Problem der fehlenden Treffpunkte für Jugendliche und junge Menschen in Freiburg. Hier sei auch die Stadt gefragt, sagt Jesse Davis (Artik). Orte, wo man "Freiraum für Jugendliche" schaffen könne, sei an den Abenden möglicherweise die Mensa Rempartstraße unter Betreuung eines Mediators, der Konflikte schlichten könne. Auch ein Projekt in der Art eines Mehrgenerationen- oder Bürgerhauses können die fünf sich vorstellen.

Tom Panwitt (SJR) fordert insgesamt längerfristige Ansätze zur Lösung der Konflikte in der Innenstadt. "Das Problem müsste breiter diskutiert werden". Konträre Interessengruppen werde es immer geben, was fehlt, sei ein Gesamtkonzept und nicht nur Einzelmaßnahmen.  

Vasili Franco von der Grünen Jugend fässt die Kritik der Jugendverbände zusammen



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