Der Studenten-Kurzfilm "Riverside" zeigt die Sorgen eines Flüchtlings

Laura Wolfert

Wohlige Klänge aus dem nahen Osten und Bomben – das ist das Einzige, was du im Kurzfilm Riverside zu hören bekommst. Wo der Film über einen jungen Flüchtling spielt? Unbekannt. Cinematics, eine Filmgruppe mit Freiburger Studenten, wollten klar machen, dass unabhängig von Land und Sprache, Menschen auf der Flucht sind. Was sie sich noch bei ihrem Film gedacht haben:



Ein Junge schleicht auf Zehenspitzen über den Asphalt. Er ist barfuß, das Wetter düster. Neben dem Tippen seiner Füße auf der Straße hört man es donnern. Das laute Knallen geht über zu einer Explosion - Terror.   


Auf der Straße, nach einer Zukunft suchend, sieht der Junge durch Zufall das Gesicht seines Bruders in der Zeitung, der einen Unfall mit auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer überlebt hat. Seinen Bruder aufsuchend, wird er plötzlich von einem Kriegstrauma aus seinem Heimatland aufgehalten.

Schwarzer Bildschirm. Der Film endet nach 15 Minuten abrupt - das Ende bleibt offen.

"Der Film gibt einige Denkanstöße, hat keine abgeschlossene Handlung. Die Interpretation der Geschichte bleibt so jedem selbst überlassen", sagt Heinrich Hummel, Produzent des 15-minütigen Kurzfilms „Riverside“.

Der Film behandelt das Thema „Füchtlinge“ aus der Sicht eines Einzelnen: Einem Jungen, der nach Europa geflüchtet ist. „Die Flüchtlinge werden häufig als eine Masse gesehen und auch so behandelt. Die Sorgen und Nöte des einzelnen Flüchtlings geraten dabei in den Hintergrund“, sagt der 19-Jährige.



Waldorfschule und naher Osten

Bei dem Film haben eine Gruppe aus Freiburger Studenten mitgewirkt. Sie gehören zu den Filmemachern von Cinematics. „Ein bunt zusammen gemixter Haufen von jungen Leute, 18 bis 20 Jahre alt“, sagt Heinrich.

Justin Sperber, der Hauptdarsteller, macht gerade sein Abitur auf der Waldorfschule in Rieselfeld und will vermutlich Polizist werden. Lovis Hinz, das einzige Mädchen, hilft momentan in einem Krankenhaus in Ecuador aus. Simon Wetzel, der Filmkomponist, studiert Medizin. Ebenso der Kollege Benedikt Niedermaier, der für die Streichmusik im Hintergrund verantwortlich war. Kein Student und mit rund 50 Jahren etwas älter, ist Shaffan Soleiman, selbst ein Flüchtling aus dem Irak. Er spielt im Film das Instrument Oud – ein arabisches Instrument, das man häufig im nahen Osten zu hören bekommt.

Auch der Produzent selbst, Heinrich Hummel studiert nichts mit Film oder Medien, sondern Bauingenieurwesen in Aachen. „Man braucht eine Freizeitbeschäftigung neben dem Studium, einen Ausgleich“, sagt er. Nur Antoine Matuttis, der schon als Regieassistent bei Hummels letztem Projekt „Single Night“ mitgeholfen hat, beginnt ein Filmregie-Studium in Offenburg.

Offenes Ende - Hoffnung

„Der Film sollte ganz konkret und banal zeigen, wie es eben in Deutschland aussieht“, sagt Heinrich. Dafür habe er Dokumentation angeschaut, Zeitung gelesen und so rausgefiltert, worum es wirklich geht. Das Filmteam konnte sogar mit dem Regierungspräsidium Freiburg in ein Flüchtlingsheim und so direkt vor Ort filmen und mit Flüchtlingen reden.

„Mir ist es wichtig, dass es ein zeitloses Thema ist. Es ist unabhängig von Sprache oder Land.“ Im Film wird daher nicht viel geredet, kein Ort genannt, jeder sollte die Handlung verstehen.

Ein schwarzer Bildschirm, Filmende. Doch: Es bleibt somit auch Hoffnung. „Es ist wichtig, dass man am Ende ein gutes Gefühl bekommt“, sagt Heinrich.

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[Fotos: Screenshot, Cinematics]