Der Stich in der Knopfhäuslesiedlung

David Weigend

Gestern Nachmittag hat ein Mann, angeblich aus dem Obdachlosenmilieu, auf diesem Spielplatz am Alten Messplatz einem 12-jährigen Jungen in den Bauch gestochen. Der Junge erlitt einen Darmdurchstich und schwebte in Lebensgefahr. Er wurde im Josefskrankenhaus operiert. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Ein Besuch am Tatort.



Polizei und Opfer kennen sich

Heute Nachmittag will die Polizei den Jungen vernehmen, sofern dies nach den Strapazen der Operation möglich ist. Die Situation der Vernehmung dürfte dem Opfer der Stichattacke nicht fremd sein. "Wir kennen den Jungen. Er lebt in schwierigen sozialen Verhältnissen und ist schon mehrfach aufgefallen", sagt Karl-Heinz Schmid, Pressesprecher der Polizei.

Bei der Suche nach dem Täter lässt die Polizei durchblicken, dass sie einige heiße Spuren verfolge. Wahrscheinlich kommt der Täter aus dem Obdachlosenmilieu. "Wir haben einige Namen, die wir jetzt abarbeiten müssen", so Schmid.



Die Tat ereignete sich gestern gegen 16:25 Uhr unter der Rutsche des Spielplatzes. Der einzige Zeuge ist der 14-jährige Freund des Opfers. Die beiden sind offenbar keine typischen Spielplatzbesucher. Das Motiv der Tat ist noch unklar. Jedoch ist anzunehmen, dass dem Stich ein provozierender Wortwechsel vorangegangen war.

Aaron Gädtke ist 13 und wohnt in der Siedlung mit den schmalen gelben Häusern, etwa 100 Meter vom Spielplatz entfernt. Um 16 Uhr sei er gestern noch hier gewesen. Er kenne den Niedergestochenen und der Zeuge sei ein guter Freund von ihm. "Ich bin oft am Spielplatz. Die Älteren rauchen und trinken hier." Später, als ihn die Kameramänner des SWR interviewen, sagt er noch: "Vielleicht wissen Sie ja, dass sich hier in der Siedlung im Garten vor zwei Wochen einer erhängt hat."



Gerüchteküche

Vor dem Einkaufszentrum ZO, zwei Gehminuten vom Tatort entfernt, steht eine Clique von sechs Jungs, alle um die 15, aus der Emil-Thoma-Schule. Sie erzählen von einem Vorfall, der allerdings schon zwei Monate zurückliegt.

Ein Obdachloser habe sie mit einem Messer bedroht, mittags, als sie mit einem Lehrer den Platz vorm ZO passierten: "Der ist raus aus dem Schlafsack, ist aufgestanden, hat ein Taschenmesser rausgeholt und gesagt: ,Was is los? Was is los?` Der hat mit seinem Messer rumgefuchtelt. Unser Lehrer hat gesagt, geht einfach weiter." Bei der gestrigen Tat steht noch nicht einmal fest, ob das Stichwerkzeug ein Messer war.



Die Schüler der Emil-Thoma-Realschule behaupten, es gebe oft Stress in der Knopfhäuslesiedlung. Schlägereien, Kleinkriminalität. "Das sind schlimme Häuser. Ich würde mich nicht trauen, hier an Mitternacht durchzulaufen", sagt einer. Dass es sich hierbei um eine recht weitläufige Verallgemeinerung handelt, zeigt die Begegnung mit Aaron, der einen sehr freundlichen Eindruck gemacht hat.



Wiehre Gangland

Außerdem darf man vermuten, dass die von den Realschülern erwähnte Gang "ZO-Crime" ganz bestimmt nichts mit der Tat zu tun hat: "Das ist eine Gang, so 20 Mitglieder, alle zwischen 16 und 20 Jahren alt. Die hängen hier immer am ZO ab und trinken was." Die Leute von ZO-Crime wohnen aber nicht in der Knopfhäuslesiedlung, sondern meist in Littenweiler. Das Opfer der Stichattacke wohnt auch nicht in der Siedlung, sondern an der Bischofslinde.

Mehr dazu:

Hier nochmals die Beschreibung des Tatverdächtigen: männlich
ca. 1,85 m groß,
ca. 40 Jahre alt,
schlanke Figur,
ungepflegte Erscheinung,
ca. kinnlange, blonde Haare, unrasiert.

Der Mann soll blaue Jeans und eine rote Jacke mit Querstreifen getragen haben. Außerdem wäre er mit schwarzen Stiefeln bekleidet gewesen. Der Täter ist vermutlich dem Wohnsitzlosenmilieu zuzurechnen. Über seine Fluchtrichtung ist nichts bekannt.

Rund um die Uhr nimmt die Kriminalpolizei Freiburg unter Telefonnummer 0761/882-4884 Hinweise entgegen.