Der Singer-Songwriter Allie tritt am Dienstag im Café Ruef auf

Bernhard Amelung

Die Songs von Allie bewegen sich im Kraftfeld von Post-Rock, Indiepop und Electronica. Am Dienstag tritt der Singer-Songwriter, der eigentlich Florian Boss heißt, im Café Ruef auf.

"Permanent Vacation", das Spielfilmdebüt des US-amerikanischen Regisseurs und Produzenten Jim Jarmusch aus dem Jahr 1980, ist laut Michael Wojtas, Autor des englischsprachigen Magazins The Quietus, das beste Zeitdokument der wilden Achtzigerjahre New Yorks. Oder, wie er es auf Englisch ausdrückt: "the best time capsule of punk-and-hepatitis Manhattan". Der Protagonist des Films heißt Allie, ist 16 Jahre alt und streift und sträunt, von seinem Zuhause entfernt, durch die Stadt. Tag- und wachträumend begegnet er skurrilen Gestalten, kommt aber auf seinen Streifzügen nie zum Ziel. Am Ende macht er sich auf, New York in Richtung Paris zu verlassen.


Wie ein "tourist on a permanent vacation", ein Tourist in dauerhaftem Urlaub, wirkt auch Florian Boss, der sich als Sänger Allie nennt, in seinen Songs. Boss, 27, ist in Niedersachsen im Großraum Hannover aufgewachsen und lebt zur Zeit in Berlin. 2010 zog es den Sänger und Liedermacher, damals noch Student der sozialen Arbeit, für ein Praktikum in die Megametropole New York. Abstand zu deren Geschäftigkeit und Hektik, zu deren Lärm, fand er vor allem auf Open-stage-Veranstaltungen in Bars und Cafés. Dort trat er auch zum ersten Mal vor Publikum auf, ganz konzentriert auf das, was auch heute noch die Grundlage seiner Songs bildet: akustische Gitarre und seine Stimme.



War Boss, 2014 Stipendiat des Musicboard Berlin mit Künstlern wie Hans Unstern ("Kratz Dich Raus", "The Great Hans Unstern Swindle") und Christian Naujoks ("True Life/In Flames", "Wave"), auf seinen ersten beiden Alben "Mimi king" (2011) und "New Friends" (2012) noch akustischer, gitarriger, hat er sich in den vergangenen drei Jahren stärker zur experimentellen und elektronischen Musik orientiert.

Flirrende Gitarren und verwaschene Synthesizer begleiten im Hintergrund seine verhallte Stimme auf "Allie", seinem selbstbetitelten aktuellen Album. Melodische Passagen reiben sich mit loopartigen Effekten, die rauschen, knistern, scherbeln, mal gläsern transparent, dann wieder dunkel ambient. Auch seine Stimme bearbeitet er, verfremdet sie und montiert sie zu vielschichtigen Klangwolken. LoFi-Bässe und -Drums schaffen die rhythmische Grundlage. So bewegt er sich im Kraftfeld von Post-Rock, Electronica, Indiepop und Folk.

Die perfekte musikalische Umgebung für seine Texte. Boss alias Allie singt zum Beispiel über eine verstorbene Großmutter, den Umgang mit Verlustangst und Trauer; über eine Trennung und den Prozess der Bewusstwerdung, loslassen zu müssen. Am Dienstag, 15. November, stellt er seine Songs im Café Ruef in Freiburg vor. Ein Soundtrack, der einen in parallele Realitäten mitnimmt. Wer nach dem Konzert aufsteht und spontan entschließt, nach Paris zu fahren – es könnte ihm niemand verdenken.


  • Was: Kommode 1 präsentiert Allie
  • Wann: Dienstag, 15. November 2016, 20 Uhr
  • Wo: Café Ruef

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