Der Selbstversuch: Aquacycling

Hannah Allgaier

Kann man eigentlich unter Wasser schwitzen? fudder-Mitarbeiterin Hannah hat sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt: beim Aquacycling, Radfahren im Swimmingpool. Wie's war und ob sie geschwitzt hat:

Donnerstagabend, 18:45 Uhr. Ich betrete das Schwimmbad des Wohnstifts Freiburgs. Etwas unsicher sehe ich mich in den Kabinen um. „Wo wollen sie denn hin? Können wir helfen?“ fragt mich eine von zwei älteren Damen, die mir zu Hilfe eilen. "Zum Aquacycling!" "Kommen Sie mit!" In einem Nebenraum ertönt leise der Song „Somewhere over the Rainbow“. Dort muss das Schwimmbad sein. Da will ich hin.


Ich werde heute Aquacycling ausprobieren: Ein Ganzkörpertraining auf Spinningrädern, die im Wasser stehen. Meine Vorfreude ist groß - auch wenn ich mich frage, wie anstrengend das Ganze wohl wird. Schnell schlüpfe ich in meinen Bikini und schließe meine Sachen im Spind ein. Dann folge ich den zwei Damen ins Schwimmbad. Dort geht gerade der vorige Kurs zu Ende. Frauen mit roten Köpfen steigen aus dem Wasser. Das kann ja was geben...

Am Beckenrand steht Trainerin Ancilla Kohlbrenner. Sie fragt mich als Neuling, wie es um meine sportliche Fitness steht. Eigentlich ganz gut. Schaun' wir mal.

Erst jetzt wage ich einen Blick ins Becken. Dort stehen zehn Räder - Aquarider genannt, im Wasser. Mir wird ein mittelgroßes Bike zugewiesen. Ich gleite ins angenehm 30 Grad warme Wasser und hüpfe, so schwungvoll wie es geht, auf mein Bike. Direkt neben mir schwingt sich Marcus Scherer aufs Rad, der die Aquarider mit seinem Team entwickelt hat und sie jetzt deutschlandweit vertreibt. „Ich nehme auch gerne selber an den Kursen teil,“ lacht er und schaut auf sein kleines Bäuchlein.

Mir fällt erst jetzt auf, dass alle anderen Teilnehmer T-Shirts über ihren Badeanzügen trage. Ein etwas mulmiges Gefühl kommt in mir auf. Ich trage einen Bikini und mein Problemzönchen Bauch ganz frei im Pool umher. Der wäre also für jeden sichtbar, wenn ich stehend fahre. Na klasse! Hätte ich mir auch vorher denken können.

Marcus Scherer zeigt mir schnell wie ich das Bike einzustellen haben. Die Radschuhe in die Schlaufen der Pedale eingehakt, und schon kann es losgehen. Wir fangen langsam an und versuchen im Takt der 80er- und 90er-Jahre-Songs zu treten - das ist gar nicht so einfach unter Wasser. Doch schon nach einigen Minuten gewöhne ich mir daran. Ancilla steht am Beckenrand und erklärt jede einzelne Übung und zeigt an Land, wie wir es unter Wasser zu machen haben.



Nach dem Aufwärmen wird es anstrengender: Wir fangen an, mit den Armen rechts und links am Bike entlang zu rudern. Was beim ersten Mal noch ziemlich leicht scheint, wird von Schlag zu Schlag anstrengender. Ich merke wie ich ins Schwitzen komme - zumindest oberhalb der Brust, denn alles darunter befindet sich ja im Wasser.

"Jetzt geht’s an die Intervalle meine Lieben,“ ruft Ancilla. Sie ruft eine Zahl zwischen eins und fünf. Eins steht für langsam, fünf für Vollgas. "Fünf!" Ich strample immer schneller und schneller im Wasser. Meine Oberschenkel fangen an zu brennen. Ich mag dieses Gefühl. Ich weiß, ich tue meinem Körper etwas Gutes. Ich versuche mir vorzustellen wie viele Kalorien ich wohl gerade verbrenne.

Die 45 Minuten vergehen rasend schnell. Sitzend, stehend und in verschieden Handpositionen wird gefahren - und manchmal sogar rückwärts tretend. Als wir die letzten Sprints antreten, bin ich schon ziemlich müde. Jetzt nochmal alles geben! Nach fünf Sprints, die jeweils etwa 20 Sekunden andauern, legt Ancilla die ruhigen Songs ein. Dann habe ich es geschafft - und bin geschafft.

„Ihr wart wirklich alle super heute. Weiter so!“ lobt sie mich und meine ebenfalls erschöpften Mitfahrer. Ich steige mit müden Beinen vom Rad. Die Stunde hat Lust auf mehr gemacht: Aquacycling macht Spaß, ist gelenkschonend und die Gruppendynamik zieht einen mit; auch die Gruppengröße fand ich optimal, denn der Trainer kann auf jeden Sportler einzeln eingehen.

Und meine Bedenken bezüglich meines Problemzönchens waren grundlos: ich hab es nicht nur abtrainiert; nein, auch wenn wir stehend gefahren sind, war mein Bäuchlein komplett unter Wasser.

Mehr dazu:

10 Trainingsstunden á 45 Minuten kosten 99 Euro, für Schüler und Studenten 75 Euro

[Bilder: Aquarider]