Der Schwarze Diamant: Eine deutsch-afrikanische Kneipe in Zähringen

Philipp Barth

An solchen Kneipen fährt man eher vorbei, als dass man reingeht: Rothaus-Lampen, dunkles Holz, das man verschwommen durch die Kneipenfenster erahnt, kalter Rauch, den man vermutet, blinkende Spielautomaten – die Außenansicht des "Schwarzen Diamanten" in Zähringen, direkt an der Haltestelle Hornusstraße gelegen, könnte im Duden die Definition von 'Deutsche Eck-Kneipe' bebildern. Philipp ist trotzdem reingegangen. Und wurde überrascht. Denn in der Kneipe treffen Kulturen aufeinander.



Es ist die Musik, die einen zuerst irritiert. Denn sie passt nicht zu den dunklen Holzbalken und den schweren Stühlen. Eigentlich würde man hier einen Schlager erwarten, oder aber einen ordentlichen Classic-Rocksong, Marke Scorpions oder Rolling Stones. Aber dann das: Coupé-Décalé, ein fröhlicher Musikstil aus Westafrika.


Hinter der massiven Holzbar steht Assana Tempel (Bild unten) aus Togo und spült Gläser. Sie ist eine Frau in den Vierzigern, kurz rasierte Haare, goldene Ohrringe. Jede ihrer Bewegungen führt sie langsam und bedächtig aus, fast wie bei einer chinesischen Teezeremonie. Sie hat das Internationale in die ansonsten typisch deutsche Kneipe gebracht. Damals im Dezember 2008, als aus der „Alten Zunft“ der „Schwarze Diamant“ wurde.



„Sofort bei der Eröffnung war der Laden voll mit Deutschen und Afrikanern“, erinnert sich Assana. Eine schwarze Wirtin war dennoch für einige erst einmal gewöhnungsbedürftig. „Manche fragen immer noch nach dem Chef, wenn sie mich hinter der Theke sehen“. Aber das habe sich gebessert. Vorher hatte sie einen Afroshop in der Innenstadt, der Treffpunkt für die afrikanische Szene Freiburgs. Die hat sich nun hierher verlagert und die Stammgäste der „Alten Zunft“ hat Assana einfach mit übernommen.

Es ist Freitag, halb fünf, und am Stammtisch, direkt der Theke angeschlossen, sitzen Monika und Rolf. Sie redet, er schweigt lieber. Sie saßen schon früher hier als sich noch kaum internationales Publikum blicken ließ. Außer vielleicht John, ein Engländer aus Summerset, der hier als Soldat stationiert war und dann in Deutschland geblieben ist. „Natürlich wegen einer Frau“, wie er augenzwinkernd erzählt. Sie sind Teil einer größeren Gruppe, die seit zwanzig Jahren kommt. Neu ist, dass jetzt auch Philippe aus Burkina Faso mit am Tisch sitzt. „Aber den mag ich wie seit 20 Jahren!“, sagt John lachend und klopft Philippe auf die Schulter.



Im weißen Hemd, Philippe: ein Mann von etwa 50 Jahren, akzentfreies Deutsch, vom rasierten Kopf bis zu den schwarzen Ledersandalen positiv eingestellt. Einer, der immer direkt in die Augen schaut und lebhaft gestikuliert. Er erzählt lachend von seinem ersten Bier, mit 23, als er noch als Lebensmitteltechniker bei Rothaus gearbeitet hat. „Als ich mit der Erkältung ankam, musste ich erstmal einen Liter warmes Bier trinken.“

Der Job war gut, aber Philippe wollte mehr und studierte Management in Newcastle und Cambridge. Heute arbeitet er in einer Unternehmensberatung und ist bestens vernetzt. „Ich habe Freiburg in der Tasche“, sagt er mit Stolz. Zum Beweis zeigt er sein Telefonbuch mit wichtigen Namen aus der Region. Auch ein paar Bundesligaprofis sind dabei, die ab und zu auch hier vorbeischauen sollen. „Der kennt jeden und weiß alles“, sagt Monika anerkennend. Sie streicht Philippe über den Kopf, zärtlich, ein wenig mütterlich. Philippe, geboren in Abidjan, und Monika aus St. Peter. Er lacht beschämt, winkt ab. Zu viel des Lobs. Während die Runde über den nächsten gemeinsamen Grilltermin diskutiert, setzt sich Romeo, Philippes Ziehsohn, ganz selbstverständlich auf Rolfs Schoß.

Die neuen Gäste, die mit Assana kamen, haben das Durchschnittsalter der Kneipe um bestimmt 15 Jahre gesenkt. Genauso hoch ist auch der Altersunterschied zwischen manchem deutsch-afrikanischen Paar. Aber hier stört das niemanden. Am großen Ecktisch serviert Assana einigen Gästen Palmwein. Aus dieser Runde kam vor einer Weile die Idee, Philippe beim Supertalent von RTL anzumelden. Schelmisches Grinsen bei allen.



Am Stammtisch überlegt Philippe, ob er tatsächlich hingehen soll. Wenn, dann will er etwas von Otis Redding singen und die Kostprobe, die er gibt, ist gar nicht schlecht. Auf der Theke neben ihm stehen riesige Porzellanclowns, an der Wand dahinter hängen afrikanische Holzschnitte.

Etwas ungewöhnlich ist die Inneneinrichtung schon, „aber ich mag den Mix“, sagt Assana, die wieder zurück hinter der Bar ist. Und so steht die Dekoration symbolhaft für die Zusammensetzung der Gäste. „Das ist schon was Besonderes. Wir sind wahnsinnig international hier, richtig multikulti“, sagt John der Engländer. Obwohl es verschiedenen Kulturen seien, habe es nie Probleme gegeben, ergänzt Monika. „Idioten gibt’s überall. Ob unter Deutschen oder unter Afrikanern. Wir hier jedenfalls verstehen uns gut“.



Neben den Stammgästen schauen viele an diesem Abend einfach nur kurz rein und sagen Hallo. Wie Raimond, der in seiner Malerkluft nur ein schnelles Bier an der Theke trinkt und lautstark als „de Moler“ begrüßt wird. Oder Philippes Cousine, die an der Bar versunken SMS schreibt.

Im Schwarzen Diamant fühlt man sich an ein englisches Pub erinnert. Das Familiäre, die Kinder, die Wohnzimmeratmosphäre. Nur wer hier wirklich alleine bleiben will, bleibt allein.

Mit dem Tageslicht verabschieden sich die Stammgäste. Und mit ihnen auch das Familiäre. Später, gegen halb elf, kommen dann auch die traurigen Menschen, die von Kneipen angezogen werden. Die, die sich nicht unter Kontrolle haben und zu oft einen über den Durst trinken. Manchmal in Begleitung, meist alleine. Manche Afrikaner, manche Deutsche.

Mehr dazu:

Der Schwarze Diamant
Zähringer Straße 28
79108 Freiburg

Öffnungszeiten
Dienstag bis Donnerstag 15–2 Uhr
Freitag bis Sonntag 15–3 Uhr
Montag Ruhetag
Feiertag geöffnet