Der Schrecken aus Gummi

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, welche Sünde leider wieder zu beobachten ist? Eigentlich, so hatte man gehofft, war sie schon seit über 20 Jahren ausgestorben und existierte nur noch in einzelnen Reservaten in östlichen Sozialwohnblöcken. Doch seit einiger Zeit kommt sie an eigentlich schönen Stellen wieder zum Vorschein, wo sie nie wieder hätte auftauchen sollen: Die Leggings.

Wenn es sommerlich und wärmer wird, freuen sich alljährlich große Bevölkerungsteile auf das Erscheinen eines der ästethischsten Gebilde, das Mutter Natur je hervorgebracht hat: Frauenbeine, unter einem Rock hervorlugend. Doch werden diese neuerdings wieder aus unerfindlichen Gründen durch meist schwarze Leggings verhüllt.


Gegen das Gesetz der Mode, dass sich selbige alle 20 Jahre wiederholen muss (manche nennen es "zitieren"), kann man nichts machen. Doch muss man alle Sünden der 80er Jahre wiederholen? Die extrem bunt leuchtenden, hochtoupierten Frisuren wurden wegen allgemein anerkannter Hässlichkeit auch nicht wieder aufgegriffen (Tokio Hotel sei hier als eigenes Phänomen betrachtet). Und obwohl  einige Elemente der aktuellen Damenmode durchaus kleidend sind, gehören die Leggings definitiv nicht dazu.

Sahen Nena oder C.C. Catch in ihren Leggings wirklich gut aus? Nein! Also warum wird dieser Teil der Wiederholungsmode nicht, wie es sich gehören würde, weggelassen? Wenn es doch zu kalt sein sollte, kann die modebewusste Dame von heute zu Strumpfhosen, einem längeren Rock oder gleich zu einer Hose greifen.

Ohne Zweifel steht fest: Als Gott den Mann erschuf, übte sie nur. Deshalb ist es ein vermeidbarer Frevel, Teile des göttlichen Meisterwerkes in schwarze Gummischläuche zu zwängen.