Der SC Freiburg kann doch noch siegen

Hanno Riethmüller

War dies der Befreiungsschlag? Nach 12 Spielen ohne Sieg hat der SC Freiburg endlich wieder gewonnen. Gestern Nachmittag schlug die Elf von Robin Dutt den FSV Mainz mit 1:0 (auf dem Foto: Torschütze Johannes Flum). War der Sieg verdient?



Eine lange Durststrecke ist überwunden. Nach 12 Spielen und 8 Heimspielen ohne Sieg konnte die Mannschaft des SC Freiburg endlich mal wieder gemeinsam mit den eigenen Fans feiern. Ausschkaggebend für den Erfolg waren eine engagierte und spielerisch starke Anfangsphase sowie eine kämpferische und taktisch disziplinierte Abwehrleistung.


Die ersten 20 Minuten des Spiels ließen an die zu Beginn der Saison gezeigte spielerische Stärke des Sportclubs erinnern. Hellwach, mit Druck nach vorne, stark in den Zweikämpfen und mit sicherem, schnellem Kurzpassspiel suchten die Freiburger den Weg zum gegnerischen Strafraum. Bei Mainzer Ballbesitz wartete vor der Mittellinie ein dichtes und gut organisiertes Mittelfeld, das den Gegner erst gar nicht ins Spiel kommen ließ und auf schnelle Balleroberung aus war.

Cissé ragt heraus

SC-Trainer Robin Dutt hatte auf dieselbe Mannschaft vertraut, die sich in München schon sehr gut verkauft hatte. Nur in der Sturmspitze mußte zwangsläufig der gelbgesperrte Mo' Idrissou durch Papiss Demba Cissé ersetzt werden. Und aus einer kollektiv souverän und überzeugend spielenden SC-Mannschaft ragte gerade dieser Cissé besonders heraus. Er wich auf die Flügel aus, war immer anspielbereit, behauptete viele Bälle und setzte sich mehrfach sehenswert gegen mehrere Gegenspieler gleichzeitig durch.

Gamewinner durch Flum

Das engagierte Spiel des SC wurde ausnahmsweise schnell belohnt. Johannes Flum nahm sich ein Herz, zog aus 23 Metern einfach mal ab und unter Mithilfe des Innenpfostens war dem Sportclub endlich wieder ein frühes Führungstor gelungen.

Normalerweise ist zu erwarten, dass eine im Rückstand liegende Mannschaft offensiver wird und dadurch Räume zum Kontern entstehen. Doch die Mainzer schienen eher darauf zu hoffen, dass der Sportclub weiter nach vorne spielen würde, um ihrerseits über Konter zum Erfolg zu kommen. Diesen Gefallen taten ihnen die Freiburger aber nicht. Sie ließen sich nicht aus ihrer taktischen Defensivordnung herauslocken. Die Folge war ein zunehmend verflachendes Spiel, in dem der SC zwar die Kontrolle behielt, sich aber immer mehr Fehler einschlichen.

Erst nach der Halbzeitpause begannen die Mainzer Druck nach vorne zu entwickeln. Der SC ließ aber kaum Torchancen zu. Und in den wenigen brenzligen Situationen war Torwart Simon Pouplin sicher zur Stelle. Die sich nun tatsächlich öffnenden Räume zum Kontern blieben jedoch sträflich ungenutzt. Der spielerische Fluss war dahin, die wenigen Offensivbemühungen erinnerten wieder an die Fahrlässigkeit aus einigen vergangenen Spielen.

Nach der anfänglichen Mainzer Druckphase bekam der SC das Spiel zwar nach und nach wieder in den Griff, das Spiel nach vorne wurde aber nicht mehr besser. Die langen Abschläge von Pouplin landeten fast ausschließlich beim Gegner und ein geordnetes Aufbauspiel wie in der Anfangsphase fand nicht mehr statt.

Dass der Sportclub den Vorsprung trotzdem in einer turbulenten Schlussphase über die Zeit bringen konnte, war dem vorbildlichen kämpferischen Einsatz und einer eisernen taktischen Disziplin zu verdanken. Das Dreieck im Mittelfeld mit einem defensiven Julian Schuster – später dann der eingewechselte Oliver Barth - und davor Flum und Cedric Makiadi ließ den Mainzern kaum Platz ihr Spiel zu entfalten. Zudem rückten die Außenverteidiger Mensur Mujdza und Felix Bastians meist ein Stück in die Mitte, um die Räume noch enger zu machen. Auf den Außenbahnen ließen sich dann Jonathan Jäger und Yacine Abdessadki weit zurückfallen, um die Lücken auf den Flügeln zu schließen.

Eine Einzelkritik der SC-Spieler erübrigt sich fast, da sich die angesprochenen Stärken und Schwächen des Freiburger Spiels bei allen Spielern gleichermaßen zeigten. Positiv zu erwähnen bleibt noch, dass die Formkurven von Jäger und Abdessadki wieder deutlich nach oben zeigen, was in der nun anbrechenden Entscheidungsphase der Saison noch zu einem wichtigen Faktor werden kann. Zudem hinterließ Mujdza einen guten Eindruck auf der - in dieser Saison bisher problematischen - rechten Abwehrseite.

Ob dem Sportclub mit diesem Erfolg der lang ersehnte Befreiungsschlag gelungen ist, werden die nächsten Spiele zeigen. Aber die beeindruckenden 20 Anfangsminuten und die anscheinend nicht unterzukriegende positive Einstellung der Mannschaft macht Mut. Die zuletzt immer weiter sinkende Hoffnung auf den Klassenerhalt ist jedenfalls wieder zurück.

[Foto: dpa]

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