Nachhaltige Mode

Der Online-Vintage-Store "Oma Klara" hat jetzt auch einen Shop in Waldkirch

Dorothea Winter

"Ich trage die Kleidung deines Opas", besingt schon Macklemore in dem Song "Thrift Shop" die Slow Fashion. Der Vintage-Online-Shop "Oma Klara" öffnet am Samstag einen Vintage-Bazar – mit Einzelstücken von echten Omas. fudder hat mit Gründerin Mona Schütt gesprochen.

Was ist das Konzept hinter "Oma Klara"?

Mona Schütt: Wir bekommen bei "Oma Klara" echte Vintage-Schätze direkt aus den Kleiderschränken von Seniorinnen und geben sie an die jüngere Generation weiter. Und das über unseren Online-Shop und am Samstag bei unserem Vintage-Bazar.

Was ist Vintage?

Schütt: Bei "Oma Klara" verstehen wir unter Vintage Stücke, die tatsächlich mindestens 20 Jahre alt sind. Also keine Mode, die nur auf alt gemacht wird.

Wie kam die Idee dazu?

Schütt: Ich hatte schon in meiner Jugend ein Faible für Vintage-Mode. Aber es gab dann ein Schlüsselerlebnis: Ich habe meine Oma auf einer Familienfeier getroffen, nachdem ich sie längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. Und sie war wirklich total schick gekleidet. Also in aktueller Mode und ganz den neuesten Trends entsprechend. Da habe ich mich gefragt, was mit ihren alten Kleiderschätzen von früher passiert ist. Aus dieser Frage heraus entstand die Idee zu "Oma Klara".

Und Ihre eigene Oma ist jetzt auch Teil der "Spenderinnen"?

Schütt: Meine Oma selbst hatte nichts mehr von früher aufgehoben. Aber meine Schwiegeroma hat mir die ersten Teile für den Shop zur Verfügung gestellt. Der Name ist aber fiktiv. Keine von beiden heißt Klara.

Wie kamen Sie in das Fashion Business?

Schütt: Ich war Beamtin beim LKA und auch sehr zufrieden und glücklich dort. Aber irgendwann kam das Bedürfnis, etwas eigenes auf die Beine zu stellen und kreativer zu arbeiten. Durch das Schlüsselerlebnis wurde aus diesem unformulierten Wunsch die Firma "Oma Klara". 2014 habe ich sie in Stuttgart gegründet und inzwischen haben wir drei Mitarbeiter hier in Waldkirch.

Sehe ich, woher ein Stück stammt, wenn ich es bei "Oma Klara" im Shop kaufe?

Schütt: Ja, es steht immer dabei, von welcher Oma das Kleidungsstück ist. Wenn wir ein Bild zu dem Kleidungsstück bekommen, laden wir das gerne hoch oder legen es zur Sendung dazu. Genauso mit den Geschichten der Kleidungsstücke: Meistens weiß man dann tatsächlich, aus welchem Jahrzehnt das Kleidungsstück stammt und bestenfalls bekommt man noch eine Anekdote obendrauf.

Worin besteht der Anreiz für die Omas, ihre Kleidung abzugeben – und wie erfahren sie von dieser Möglichkeit?

Schütt: In erster Linie möchten die meisten Kundinnen ihre Kleiderschätze in guten Händen wissen. Wir bekommen bei "Oma Klara" sehr oft großartige Briefe oder Anrufe von Seniorinnen, die uns sagen, wie froh sie über diese Möglichkeit sind. Man muss auch bedenken, dass das keine Klamotten sind, die vor kurzem erst gekauft wurden und jetzt abgegeben werden sollen. Das sind oft richtige Schätze, die über Jahrzehnte hinweg bei jedem Umzug und jedem neuen Kleiderschrank sorgfältig verpackt und aufbewahrt wurden.

Außerdem werden die Omas auch an dem Verkaufserlösen beteiligt. Am Anfang haben wir Flyer von "Oma Klara" in Seniorenheimen und bei Seniorentreffs verteilt, um Omas für uns zu gewinnen. Mittlerweile hat sich das Angebot herumgesprochen – und die Omas kommen ganz von selbst.

Besteht Kontakt zwischen den Omas und den jungen Kundinnen?

Schütt: Auf jeden Fall. Immer, wenn wir von den jungen Kundinnen Fotos oder ein schönes Feedback bekommen, geben wir das gerne weiter. Es ist für beide Seiten schön zu sehen, wie die Andere das Stück trägt, kombiniert und schätzt.

Wie stellt sich das Sortiment von "Oma Klara" zusammen?



Schütt
: Wir freuen uns über die Vintage-Designer-Stücke und haben auch viele davon im Sortiment. Aber das ist auf keinen Fall ein Kriterium. Wir achten darauf, dass das Stück in unser Sortiment und für unsere Zielgruppe passt. Pelze und Reptilienhäute lehnen wir rigoros ab.

Welche Stücke sind am beliebtesten?

Schütt
: Definitiv Vintage-Jeans. Die sind sehr hochwertig und sind zur Zeit super beliebt. Hinzu kommt, dass man seine Lieblingsjeans ungern abgibt und auch nur selten wechselt. Außerdem suchen wir Brautkleider. Da ist die Nachfrage sehr hoch.

Heute gehen Klamotten teilweise schon nach wenigen Monaten kaputt. Wie überleben die Kleidungsstücke so eine lange Zeitspanne?

Schütt: Die Kleidungsstücke sind eigentlich alle in einem top Zustand – vor allem, weil die Besitzerinnen sich sehr darum bemüht haben. Wir achten auch darauf, hochwertig produzierte Stücke zu finden, sodass sie im Idealfall nochmal 25 Jahre überleben.

Was ist der größte Unterschied zwischen einem Einkauf bei "Oma Klara" und dem gewöhnlichen Konsum bei großen Ketten?

Schütt: Besonders das Einkaufserlebnis ist etwas ganz anderes. Wir legen besonders viel Wert darauf, den anonymen Charakter beim Kleiderkauf herauszunehmen. Als Kunde bekommt man eine Geschichte zu jedem Stück dazu. Man kauft nicht einfach nur ein Kleid – man kauft die Geschichte des Kleides. Und das mit gutem Gewissen. Denn das Stück ist nachhaltig erworben.

Inwiefern spielt Nachhaltigkeit noch eine Rolle?

Schütt: Wir arbeiten ausschließlich mit vorhandenen Ressourcen. Die Kleiderschätze wären früher oder später in der Altkleidersammlung gelandet. Wir haben uns dem Prinzip der Slow Fashion verschrieben – also der Gegenbewegung zur Fast Fashion.

Gibt es die Kleidung auch vor Ort zu kaufen?

Schütt: Bisher hatten wir nur den Online-Shop, aber durch die super Lage mit Verkaufsflächen in Waldkirch haben wir beschlossen, nun eventmäßig auch vor Ort Stücke zu verkaufen. Am Samstag eröffnet der "Oma Klara" Vintage Bazar erstmals.

Und was erwartet die Besucher?

Schütt: Um 10 Uhr geht es los und die ersten zehn Besucher bekommen eine Überraschungstüte. Außerdem gibt zahlreiche Rabatte und einen Lagerverkauf. Ein besonderes Highlight sind auch die fehlerhaften Stücke. Die können wir natürlich nicht online verkaufen. Aber am Samstag bieten wir sie für wenig Geld an. Ansonsten bieten wir natürlich Kaffee und Kuchen an und freuen uns alle riesig darauf.

Ist Waldkirch nicht ein wenig weit weg von Freiburg?

Schütt: Eigentlich ist das wirklich nur einen Katzensprung entfernt. Mit der Bahn sind das 15 Minuten – und unser Laden liegt direkt am Bahnhof. Der Bazar eignet sich also super für einen kleinen Samstagsausflug.

Wird der Shop dauerhaft geöffnet sein?

Schütt: Nein, es wird eher ein Pop-Up-Store. Auf Anfrage darf jeder her kommen und die Kleidungsstücke anprobieren. Aber wir möchten den Eventcharakter beibehalten und nicht Montag bis Freitag 9 to 5 öffnen.
Was: "Oma Klara" Vintage Bazar

Wann: Samstag, 16. Juni, 10 Uhr

Wo: Schwarzwaldstraße 53, 79183 Waldkirch

Facebook:Oma Klara Vintage Bazar

Website:

Oma Klara

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