Nachtleben

Der Künstler Natural Orlando kritisiert tanzend den Rassismus vor Freiburger Clubs

Valentin Heneka

Vergangene Woche veröffentlichte der Freiburger Künstler und Tänzer Natural Orlando ein Tanzvideo auf Youtube um auf Rassismus an Freiburgs Clubtüren aufmerksam zu machen. Was den 24-Jährigen dazu bewegt hat.

Du hast ein Video veröffentlicht, mit dem du auf Rassismus an Freiburger Clubtüren aufmerksam machen willst. Gab es einen Anlass dafür?

In der Vergangenheit gab es immer wieder Anlässe. Vor einem Jahr habe ich zum Beispiel zwei schwarze Franzosen am Bahnhof kennengelernt. Sie wollten wissen, wo noch etwas geht. Ich habe ihnen eine Veranstaltung empfohlen, zu der sie dann auch gegangen sind, aber nicht reinkamen. Sie haben mich angerufen, ich bin zu den Türstehern und habe gefragt, woran es liegt. Sie meinten, dass schon zu viele Schwarze drin seien. Dass sie das einfach so sagen können, finde ich krass. Mir persönlich passiert es eher selten, dass ich nicht in Clubs reinkomme. Wenn ich kein Mischling wäre oder mehr wie ein Flüchtling aussehen würde, sähe es vermutlich anders aus. Ich glaube viele wissen von dem Problem, aber kaum jemand macht etwas dagegen.



Wie groß ist das Problem in Freiburg deiner Meinung nach?

Wenn man darauf achtet, fällt auf den meisten Partys auf, dass wenig Schwarze da sind. Natürlich gibt es in Freiburg mehr Weiße, auf Partys sind aber in der Regel kaum Schwarze. Stattdessen bekommen sie extra Veranstaltungen: Ausgewählte Tage, an denen sie kommen dürfen, wenn es ins Konzept des Clubs passt. Ich glaube, am Wochenende versuchen es viele gar nicht mehr, in Clubs zu kommen. Wir wissen alle, dass es sich nicht cool anfühlt, an der Tür abgewiesen zu werden. Wenn es dir mehrmals passiert, obwohl du gut gekleidet und nüchtern bist, dann hast du irgendwann keine Lust mehr in die Stadt zu gehen, nur um dich danach gedemütigt zu fühlen.

Warum gerade ein Tanzvideo? Was war die Idee dahinter?

Ich drücke mich durch das Tanzen aus, Tanzen ist die älteste Sprache der Welt. Außerdem kann ich Menschen zusammenbringen, filmen und fotografieren. Wenn ich damit etwas bewirken und auf das Problem aufmerksam machen kann, dann muss ich das machen. Ich bin grundsätzlich für das Machen und glaube, durch die sozialen Medien wissen viele gar nicht mehr, wie das geht: Einfach rausgehen und etwas machen. Für das Video gab es kein Konzept. Ich habe auf Facebook gepostet, dass ich zu dem Thema drehen will und daraufhin haben sich ungefähr 80 Menschen gemeldet. Darunter Kid Pone, der die Flaggen gemalt hat, der Beatmaker Origami Beats und die Filmemacher von Blackwood Films. Einige meiner Tanzschüler haben eine Choreografie eingebaut, irgendwelche anderen Kids sind durchs Bild gelaufen. So wurde das Video was es ist. Viele weitere hätten gerne mitgemacht, konnten aber so kurzfristig nicht. Wenn ich etwas vorhabe, dann muss es innerhalb von ein paar Tagen erledigt sein.

Hast du weitere Aktionen geplant?

Ich bin immer auf der Suche nach kreativen Ansätzen. Aktuell plane ich eine Session am Sonntagnachmittag im Puzzles mit Rap, Graffiti, DJing und Tanz. Ein Hip-Hop-Gesamtpaket, das No Future Session heißen soll. Ursprünglich war die Session gegen das Clubsterben gerichtet. Clubs sind soziale Orte und ich will die ganzen Hip-Hopper wieder in die Clubs zu kriegen. Auch die Schwarzen, schließlich ist Hip-Hop eine schwarze Kultur. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dort niemand wegen seiner Hautfarbe abgewiesen wird. Wie bei allem
was ich tue, will ich Menschen zusammen bringen.
Zur Person:
Natural Orlando (24), geboren in Freiburg, ist Künstler, Tänzer, Tanzlehrer, Fotograf, Mediengestalter und Modemacher. Als Tänzer nahm der amtierende süddeutsche Meister im Hip-Hop-Solo-Battle des Verbands TAF erfolgreich an Wettbewerben bis hin zu Weltmeisterschaften teil.

Mehr zum Thema: