Der Kiosk an der Johanneskirche hat einen neuen Pächter

Elena Stenzel

Hier gibt es süße Tüten, Notfallkippen und den Kaffee zum Wachwerden: Sermet Karadayi hat den Kiosk an der Johanneskirche übernommen – und das schon im Oktober. Also höchste Zeit, ihn vorzustellen.

Sermet Karadayis Tag beginnt früh. Um 5.20 Uhr backt er die Backwaren für den Tag auf. Um 7 Uhr lässt er die Rollläden des Kiosks hoch. Um 21 Uhr lässt er diese wieder runter. Jeden Tag steht er 16 Stunden in seinem Kiosk. "Ich habe Erfahrung in dem Bereich, ich habe schon mal in einem Kiosk gearbeitet und an einer Tankstelle. Das ist im Grunde fast das gleiche Geschäft", sagt er.


Im vergangenen Jahr hat er sich bei der Stadt Freiburg für den Kiosk beworben, der Zuschlag kam nach etwa zehn Monaten. In den folgenden sechs Wochen renovierte er mit viel Mühe den Kiosk. Den Umbau hat er aus eigener Tasche finanziert, ein Schreiner half bei den Arbeiten. Vor Jahren war der Kiosk von Schülerinnen und Schülern der Lessingschule in einem Kunstprojekt bemalt worden. Leider mussten die Malerarbeiten der Schüler weichen, denn das Kioskhäuschen war mit Graffiti und Tags übersät. Immer noch übermalt er täglich Schmierereien an den Außenwänden. "Sieht einfach sonst nicht ordentlich aus", sagt der Pächter.

Der Standort hatte einen schlechten Ruf

Innen waren die Räumlichkeiten von unzähligen vorherigen Pächtern abgenutzt und verbraucht. Hinzu kam der schlechte Ruf. Auf dem Platz vor der Johanneskirche halten sich oft Betrunkene auf. Früher war der Kiosk ein Anziehungspunkt für sie. Dann wurde dort auch mal randaliert.

"Ich musste erstmal einen guten Ruf aufbauen. Den Kiosk schön herrichten und dann am Ruf arbeiten", erinnert sich Karadayi.

Der Kiosk ist nun rundumerneuert: Alles frisch in weiß gestrichen, neue Regale, die Backwaren appetitlich im Seitenfenster präsentiert. Draußen gibt es einen Stehtisch für ein kleines Vesperpäuschen.

"Wenn ich keine Freude daran hätte, würde ich nicht die 16-Stunden-Arbeitstage in Kauf nehmen." Sermet Karadayi
Und auch das mit dem neuen Ruf scheint zu klappen: Mit der bisherigen Kundschaft ist er zufrieden. "Die sind sehr freundlich hier. Da macht die Arbeit wirklich Spaß. Und überhaupt ist das für mich mehr Spaß als Arbeit. Wenn ich keine Freude daran hätte, würde ich nicht die 16-Stunden-Arbeitstage in Kauf nehmen", sagt er. Manchmal helfen seine Frau oder eines seiner vier Kinder mit.

Der Umgang mit den Kunden geht ihm locker von der Hand. Die Jüngeren überredet er zum Gemüseverzehr, diskutiert mit Stammkunden Tabakempfehlungen und assistiert Kindern bei der Wahl der richtigen Süßigkeiten, sodass am Ende auch garantiert die perfekte süße Tüte rauskommt.

Der Kiosk hat einiges im Sortiment: Süßigkeiten, Zigaretten, Kaffee, Kaugummi, Getränke, Snacks, frische Backwaren und sogar ein paar Grundnahrungsmittel wie Zucker, Öl oder Mehl für den akuten Haushaltsnotstand.

Karadayi würde gerne Alkohol verkaufen – aber er darf nicht

Nur eines fehlt Sermet Karadayi noch: Er würde gerne Alkohol verkaufen. Die Stadt lässt das aber nicht zu. Aufgrund der Nähe zu den Lessingschulen habe man sich im Pachtvertrag mit dem neuen Pächter auf ein Alkoholverbot geeinigt, heißt es seitens der Pressestelle der Stadtverwaltung. Sermet Karadayi entgegnet dem: "Der Kiosk am Holzmarkt darf Alkohol ausschenken, und da ist auch das Goethe-Gymnasium in unmittelbarer Nähe". Doch die Stadtverwaltung erklärt auf Nachfrage: "Dort handelt es sich um einen alten Bestandsvertrag." Sollte sich in den nächsten drei Monaten nichts in Sachen Ausschanklizenz ändern, denkt Karadayi über die Schließung des Kiosks nach. Die Einnahmen durch den Alkoholverkauf fehlen ihm nämlich in seinen Kalkulationen. Bisher kann sich der Kiosk nicht tragen.

Was erhofft er sich sonst noch für seinen Kiosk? "Ich wünsche mir eine feste Stammkundschaft. Und dass sich mein Kiosk etabliert. Und ich hoffe, dass die Freiburger sehen, dass ich mir Mühe gebe".
Was: Kiosk an der Johanneskirche

Wann: Montag bis Freitag 7-21 Uhr, Sa und Feiertags 8-21 Uhr, So 9-21 Uhr

Wo: Bei den Lessingschulen, Ecke Günterstalstraße/Lessingstraße, vor der Johanneskirche