Der Häs-Fotograf Felix Schelb hat schon über 50 Fasnachtszünfte porträtiert

Franziska Brandsch

Der Fotograf Felix Schelb hat mittlerweile über 50 verschiedene Fastnachtszünfte vor der Linse gehabt und weitere sollen nun folgen. fudder hat mit ihm über seine außergewöhnliche Häs-Serie gesprochen.

Was ist für dich das Außergewöhnliche an der Fotoserie?

Felix Schelb: Alle Zünfte werden genau gleich fotografiert, was es ermöglicht, die verschiedenen Masken und Häs in den Vordergrund zu stellen. Jeder Narr wird in der gleichen Pose abgelichtet, und zwar frontal, aufrecht und mit verschränkten Armen. Dennoch habe ich einen kleinen Spielraum, wie ich die einzelnen wirken lasse. Wenn man ein wenig von unten fotografiert, wirkt die ganze Figur mächtiger. Der Hintergrund bleibt immer dunkel, damit das Wesentliche hervortritt, nur manchmal ändere ich das dunkle Grau zu einem dunklen Grün oder ähnlichem, je nachdem was am besten passt. Das Außergewöhnliche ist einfach, diese vielen verschiedenen Häs nebeneinander zu stellen.


Wie kamst du auf die Idee, eine Porträt-Reihe über Zünfte zu machen?

Eigentlich ist das Ganze durch Zufall entstanden. Vor etwa einem Jahr habe ich für meine Zunft Fotos des Vorstands schießen sollen und da wir noch auf ein paar warten mussten, habe ich kurzerhand ein paar Fotos von einer Hexe gemacht. Eines der Bilder habe ich später bearbeitet und die zwei weiteren Masken der Ori Müvo, das Wäutzle und den Teufel, im gleichen Stil fotografiert. Als ich das Potential der Reihe bemerkt habe, habe ich die zweite Zunft im Münstertal, die Belchengeister und Chäsliwieber, angeschrieben. Sie haben sofort mitgemacht und so ging es los.

"Jeder Narr wird in der gleichen Pose abgelichtet."


Du bist also selbst in einer Zunft?

Ja, in der Ori Müvo, der Originellen Münstertäler Votzelzunft. Ich denke, wenn ich nicht selbst in einer Zunft wäre, hätte ich auch nicht so großes Interesse daran gehabt, die Häs-Fotoreihe zu starten. Man hat so schon mehr Bezug dazu, weil man auch viele kennt. Aber vielleicht ist es für manche, die nicht in einer Zunft sind, auch gerade interessant mal zu sehen, wie die typischen Häs der Narrenzünfte aussehen.



Wann hast Du die Porträtserie gestartet?

Am 11. November 2016 habe ich den Aufruf gestartet. Die Shootings liefen dann über die gesamte Fastnachtszeit. Mit der Fastnachtsverbrennung war's dann vorbei und das war auch gut so, im Sommer geht einfach das Interesse daran zurück. Da hat dann jeder einfach die Schnauze voll von Fasnacht (lacht). Jetzt zum 11. November geht es wieder los .

Es kommen also noch weitere Zünfte dazu?

Das hoffe ich doch sehr. Ich veröffentliche am 11. November die neuen Shootingtermine. Es wird bis zum Ende der Fastnacht jeden Monat immer zwei Termine geben, bei denen dann jeweils bis zu 20 Stück fotografiert werden können. Ich habe über den Sommer bereits vereinzelte Anfragen erhalten, ob es die Reihe noch gibt. Jetzt zu Fastnachtsbeginn hoffe ich natürlich, dass sich wieder einige Zünfte dazu entschließen, mitzumachen.

"Als ich angefangen habe, wusste ich gar nicht, dass es so viele Zünfte in der Gegend gibt."


Wie viele Zünfte haben bisher mitgemacht?

Bisher habe ich schon über 50 Zünfte fotografiert. Insgesamt sind es rund 80 verschiedene Häs-Bilder, da manche der Zünfte auch mehrere verschiedene Häs haben. Als ich angefangen habe, wusste ich gar nicht, dass es so viele Zünfte in der Gegend gibt. Ich gehe ja mit meiner eigenen Zunft auch auf Umzüge und dachte mir, jetzt kennst du sie alle. Aber dann läufst du den Umzug mit und denkst, du kennst niemanden. In Freiburg allein gibt es um die 40. Manche der Zünfte sind beispielsweise gerade erst gegründet worden und ich durfte das erste Häs fotografieren. Es werden immer mehr und ich deshalb denke ich, das Interesse an solchen Fotos ist definitiv auch da.

Welche Zünfte dürfen mitmachen und was sind die Bedingungen?

Jede Zunft, die ein Häs und eine Maske besitzt, kann sich für einen Fototermin anmelden. Das Shooting ist für die Zünfte kostenlos und sie dürfen hinterher das Foto von ihrem Häs für ihre eigenen Zwecke nutzen. Generell dürfen auch Zünfte von überall her mitmachen, wenn sie den Weg ins Münstertal auf sich nehmen wollen. Eine Zunft, die bereits mitgemacht hat, kommt beispielsweise aus der Nähe von Stuttgart.

Hast du ein Lieblingshäs?

Ich mag sie alle. Aber klar hat man ja so seine Lieblinge. Manche Masken ähneln einem menschlichen Gesicht und manche sind wiederum völlig der Fantasie entsprungen. Da gibt es ja so große Unterschiede. Die Fässlistemmer aus Gundelfingen gefallen mir besonders gut. Aber es gibt keins, bei dem ich jetzt sagen würde: ’Das geht gar nicht.’

"Die Fässlistemmer aus Gundelfingen gefallen mir besonders gut."


Waren manche Zünfte leichter zu fotografieren als andere?

Es war einer dabei, der sah aus wie ein Bär. Das Häs ist braun und zottelig, aber auch er selbst war so groß, dass er mir fast nicht aufs Bild gepasst hat. Die Leinwand war zu Ende, das Stativ des Blitzes war fast zu klein und ich musste mich auf eine Leiter stellen, um das Foto zu machen. Bei den Dämonen muss man beispielsweise auch aufpassen, dass die Hörner mit auf das Bild passen. In der Regel dauert es aber nur fünf bis zehn Minuten, um ein Häs zu fotografieren.

Was für Equipment verwendest Du?

Das Set ist sehr simpel gehalten. Es soll wirklich auf die unterschiedlichen Zünfte ankommen und deren Eigenarten in der Kostümierung. Daher ist das Einzige, was ich verwende meine Vollformat-Spiegelreflexkamera, einen Blitz und eine graue Leinwand als Hintergrund.

"Das Set ist sehr simpel gehalten."


Wo werden die Fotos veröffentlicht?

Ich veröffentliche die Fotos auf meiner Homepage Picslix, wo dann auch immer die Zunftnamen sowie Verlinkungen zu den Zünften angegeben sind. Ich stelle aber immer nur ein Foto eines Shootings alle zwei Tage online, so bleibt es spannender. Je nach Häs brauche ich zehn Minuten bis zu einer halben Stunde, um allein ein Foto nachzubearbeiten. Teilweise poste ich auch Fotos der Porträtreihe auf der Picslix- Facebook- und Instagramseite.

Selbstverständlich dürfen die Zünfte ihre Fotos auch für ihre eigenen Seiten nutzen. In Überlegung ist auch, ob man irgendwann vielleicht mal ein Buch aus der Häs-Reihe macht. Das Shooting ist ja kostenlos, vielleicht könnte man den Erlös des Buchs auch für einen guten Zweck nutzen. Aber das sind erst einmal nur Spekulationen, jetzt geht's erstmal wieder ans Fotografieren weiterer Häs.
Am 11. November veröffentlicht der Fotograf auf seiner Homepage die neuen Shootingtermine, die wieder von November bis Mitte Februar sein werden.

Zur Person

Felix Schelb (30) ist in Freiburg geboren und im Münstertal aufgewachsen. Er ist gelernter KFZ-Mechaniker und hat vor einigen Jahren die Fotografie für sich entdeckt. Er hat autodidaktisch alle wichtigen Bereiche des Fotografierens erlernt und vor zwei Jahren seine eigene Firma Picslix gegründet. Neben der Reihe fotografiert er auf Hochzeiten und für gewerbliche Kunden. Er selbst ist auch in einer Fastnachtszunft, der Originellen Münstertäler Votzelzunft. Dort spielt er im Fanfarenzug auf Umzügen die große Trommel.

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