Der große Freiburger Pubquiztest reloaded

Lorenz Bockisch

Tuscheln, Hektik, Jubel: In fünf Freiburger Kneipen findet wochentags ein Quiz statt. Menschen jeden Alters finden sich in Gruppen zusammen, um dutzende Fragen zu beantworten. Die Idee, an sonst schwachen Tagen seinen Pub mit Rätselfreunden und die Kasse mit Umsatz zu füllen, stammt aus Großbritannien. In Freiburg gibt es das seit mindestens zwölf Jahren. Eine Reise durch fast 200 Fragen.



Überflüssiges Wissen gibt es nicht. Kindheitserinnerung an schlechte Fernsehserien oder die Lektüre der Klatschpresse beim Frisör können helfen, bei einem Pubquiz zu glänzen. Dahin kommen Gruppen á 3 bis 10 Leuten – oft Studenten, aber auch ältere „Bildungsbürger“ –, geben sich abstruse Gruppennamen wie „Stoolgangers“ oder „Mutter Beimer“ und beantworten abstruse Fragen. Millionen wie bei Günther Jauch kann keiner gewinnen, dafür aber Spaß, Spannung und alkoholische Getränke.




O'Kellys

Das Irish Pub an der Milchstraße ist jeden Montag brechend voll. Mindestens 30 Minuten vor Beginn sollte man da sein, um noch einen Tisch zu ergattern. Pub-Mitarbeiter Ciaran „Moe“ Jenkins (27) denkt sich gemeinsam mit seiner Chefin Sarah Lambe (37) die Fragen aus. Pünktlich ab neun Uhr werden Fakten aus  Geschichte, Musik und vielen weiteren Themengebieten abgefragt (für eine Auswahl der gesammelten Fragen siehe unten), fließend in Deutsch und Englisch.

In jeder der vier Runden mit je zehn Fragen gibt es „Name that Tune“: Die ersten Takte eines mehr oder weniger alten Hits kommen aus den Lautsprechern und  die über 20 Gruppen errätseln Namen und Interpreten des Liedes. Etwas hektischer wird es in der Multimedia-Runde. Bilder von Flaggen, Menschen,  Firmenlogos oder die Umrisse von Staaten werden per Beamer auf die sonst für Fußballübertragungen genutzten Leinwände projiziert und es gilt, diese zu benennen. Sind alle Runden absolviert, gewinnen die Plätze 1, 4 und 7: Ein Fässchen Bier, eine Flasche Feigen-Wodka und ein Karton mit (leeren) Biergläsern.

Dass so viele zu diesem Quiz kommen, liegt also eher nicht an den Preisen, sondern vor allem an der charmanten und abwechslungsreichen Präsentation durch Moe. Und an der zehnjährigen Tradition: Hier saß viele Jahre Freiburgs oberster Quizmaster Paul Abrook am Mikrofon – wie auch im ehemaligen O’Dwyers. Er etablierte den Quizhype in der Stadt, hat sich aber inzwischen weitgehend aus dem Fragestellerberuf zurückgezogen. Seine alten Fans kommen aber weiterhin.



Isle of Innisfree

Im Irish Pub am Augustinerplatz ist montags nur mit Reservierung ein Tisch zu bekommen. Grund ist das älteste noch bestehende Pubquiz der Stadt. Der Inhaber Tom Bagge (42) stellt ab halb zehn die Fragen selbst, die er sich, mit familiärer Hilfe, in der Woche zuvor ausgedacht hat. Seit wann es das Quiz gibt? „Das weiß ich nicht genau,“ sagt er, „ein Team hat hier neulich sein zehntes Jubiläum gefeiert, also seit mindestens zwölf Jahren.“

In fünf Runden müssen die 20 bis 30 Teams jeweils acht Antworten auf einen Zettel schreiben, und zwar unter Zeitdruck: Nach sieben Minuten läutet die Glocke hinter der Bar unerbittlich zur Abgabe. Die Preise – ein Karton  Chips, vier Sixpacks Bier, eine Flasche Sekt und ein paar Schnäpse – werden in der Endabrechnung auf die Plätze 1, 5, 10 und 15 verteilt. Mittendrin werden für besondere Leistungen zwei Flammkuchen verlost: Für die erste perfekte Runde und die erste Gruppe, die eine Antwort allein weiß. Wer bei einer Schätzfrage  („Wie viele Zimmer hat der Kaiserpalast in Peking?“) mit seiner Antwort auf einem Bierdeckel der Wahrheit (9999,5) am nächsten liegt, gewinnt zwei Extra-Sixpacks.
Diese Abwechslungen geben dem Quiz einen gewissen Pfiff – aber auch  die kniffligen Fragen, gestellt mit sympathisch-irischem Akzent von Tom Bagge.



Freiburg Bar

Während vorne noch der Restaurantbetrieb läuft, kommen montags im hinteren Teil der Freiburg Bar in der „KaJo“ etwa zehn Gruppen zusammen, um den Fragen von Lukas Auer (28) zu lauschen. Vier Runden mit je zehn Fragen, zwei Mal pro Runde müssen Musikstücke erraten werden. Wer sich in den Charts der vergangenen Jahrzehnte auskennt, ist hier also klar im Vorteil, um einen der ersten  Plätzen zu erreichen. Für die gibt es Gutscheine über 50 und 25 Euro und eine Flasche Sekt. Als kleine Besonderheit sind die Fragen einer Runde an ein bestimmtes Thema gebunden – wenn auch teilweise sehr weit hergeholt.´

Nur hier kann man sich mit ein paar schlauen Köpfen die im Vergleich zu anderen Pubs üppigsten Preise holen und einen quasi kostenlosen Abend erquizzen. Warum der Andrang in der Freiburg Bar trotzdem überschaubar ist, bleibt ein Rätsel. Vielleicht ist das Quiz zu unbekannt, vielleicht liegt es am über die Lautsprecher teilweise schlecht verständlichen Conférencier – oder an der großen Konkurrenz am Montag.



Egon 54

„Der Quizmaster hat immer Recht!“ In großen Lettern liegt hier auf dem Tresen das Gesetz jedes Quiz für eventuelle Irrtümer geschrieben. Nur halb voll ist die Schenke im Stühlinger am Dienstagabend. Dafür ist der Quizmaster Markus „Trampy“ Ehrensperger auch ohne Mikrofon gut verständlich. Vier Runden mit je zehn Fragen und einem „Name that Tune“ – das bewährte Konzept bestimmt dieses Liebhaber-Quiz. Das Egon 54 ist eine Kneipe wie sie im Buche steht,  die Preise spiegeln das wider: Unter einer Runde Bier, einer Runde Schnaps oder einem Essensgutschein können die besten drei Teams wählen.

Die Rätsler sind überwiegend Stammgäste, auch die Inhaber spielen an der Theke mit. Bei im Durchschnitt sechs Teams ist die Chance, einen Preis zu gewinnen, recht hoch.



La Gaffe

Das La Gaffe in der Lehener Straße 49 ist eigentlich ein Wohnzimmer mit Theke. An dieser und an drei Tischen nehmen seit einem Jahr donnerstags ein paar Quizfreunde Platz. Die Fragen, hier sind es 30, stellt der bärtige Besitzer Michael Fischer selbst, im Wechsel mit einigen Stammgästen, die ihre Vorlieben in die Fragen einbringen. Hier kann man ihn noch ab und zu erleben, den „legendären“ Quizmaster Paul Abrook, der häufig teilnimmt. Die Preise, ein paar Flaschen Sekt, sind eher nebensächlich und werden traditionell noch am gleichen Abend geleert. Weil man sich hier wegen der beengten Platzverhältnisse zu spontanen Teams zusammenfindet, kommt eine familiäre Atmosphäre auf. „Gemütlichkeit mit Fragen“ ist hier die bessere Beschreibung als „Pubquiz“.

Fazit

Die wahre Quizatmosphäre gibt es in den beiden Irish Pubs, die sich auch in Fragenschwierigkeit, Charme der Quizmaster und Spärlichkeit der Preise wenig nehmen. Wer richtig absahnen möchte, gehe in die Freiburg Bar. Auch im Egon 54 und im La Gaffe geht man nicht leer aus, obwohl dort die Gemütlichkeit eindeutig im Vordergrund steht. Für jeden ist etwas dabei, auch wenn man glaubt, nicht so viel zu wissen.



Gewusst? Zehn diffizile Quizfragen

1. Welcher Haushaltsgegenstand besteht zu 80 Prozent aus Vokalen?
2. Wer war in der griechischen Mythologie die Mutter des Pegasus?
3. Welche drei nebeneinander liegenden Länder haben die weltweit höchste Suizidrate zu verzeichnen?
4. Unter welchem Namen kennen wir das wohl am häufigsten gehörte Musikstück, das ursprünglich aus dem "Gran Vals" für Gitarre von Francisco Tárrega stammt?
5. Wie heißen die Lehrer von Lisa und Bart Simpson?
6. In welchen fünf „Geschmacksrichtungen“ gab es die Spice Girls?
7. Wer tanzt den Tanz der sieben Schleier?
8. Welcher europäische Monarch war in diesem Jahrzehnt schon am Nordpol und am Südpol?
9. Wie heißt der drittlängste Fluss der Welt?
10. Wie lautet der Plural von „Quiz“?

Mehr dazu:

Die Antworten: 1. Teeei 2. Medusa 3. Litauen, Russland, Weißrussland 4. Nokia-Klingelton 5. Elisabeth Hoover (Lisa), Edna Krabappel 6. Posh, Ginger, Sporty, Scary und Baby 7. Salome 8. Albert von Monaco 9. Yangtze 10. Quiz

[Fotos: Stefan Elsemann, Thomas Kunz, Ingo Schneider]