Der Freiburger Start-Up Telocate hat einen Indoor-Navi entwickelt

Dunya Oulatto

Man möchte nur schnell eine Tüte Chips kaufen und verirrt sich dabei im Supermarkt, zwischen Klopapier und Bamboo-Kokosmilch - ein Klassiker. Doch diese Odysee mit Einkaufswagen hat vielleicht bald ein Ende - drei Freiburger wollen die Navigationswelt revolutionieren:



Egal ob New York City oder Freiburg im Breisgau - Google Maps führt einen durch die Straßenlandschaften der ganzen Welt. Wenn es aber darum geht in geschlossenen Räumen zu navigieren, machen die Technikriesen schlapp. Bisherige Lösungsansätze, die auf WLAN oder Bluetooth basieren, sind alle ungenau - Google knackte nur die Fünf-Meter-Marke.


"Im Supermarkt sind zwei, drei Meter schlecht, denn dann können Sie nicht sagen, ob Sie sich auf der linken oder auf der rechten Seite des Supermarktregals befinden", sagt Höflinger, einer der beiden Gründer und Co-Geschäftsführer des Freiburger-Start-ups. Die Programmierung ist kompliziert und die Gebäudeinhaber bleiben auf den Kosten sitzen.

Aus Freiburg kommt jetzt eine Lösung, denn Fabian Höflinger, Johannes Wendeberg und Rui Zhang haben etwas Neues entwickelt: den Telocate ASSIST (Acoustic Self-calibrating System for Indoor Smartphone Tracking) - die Karte für IKEA, Kaufland und Co. Bei ihrem Ausgründungsvorhaben unterstützt sie seit Juni 2014 die Universität Freiburg.

Wie Telocate funktioniert

Die Handylautsprecher des Smartphone senden unhörbare akustische Signale, die von kleinen Sensoren an der Decke des Gebäudes empfangen werden. Durch den Empfangszeitpunkt des Signals können die Sensoren genau bestimmen, ob man vor dem BILLY-Regal oder dem KLIPPAN-Sofa steht. Ähnlich wie bei Google oder Apple Maps markiert wird die eigene Position auf einer Karte markiert und per Internetverbindung an das Smartphone gesendet.

Mit der neuen Anwendung kann der Verbraucher innerhalb von Sekunden seine Packung Chips finden. Die Freiburger verfolgen sogar eine Anwendung, die es Sehbehinderten ermöglicht, sich ohne weitere Hilfe in Gebäuden zu recht zu finden. "Mit der neuen Smartphoen App können sie, geleitet duch Stimmnavigation, ohne Probleme in einem Verwaltungsgebäude die richtige Tür finden."

Doch warum sollten man sich für den Einkauf im Supermarkt eine App herunterladen? Höflinger verweist auf die USA, wo App-Anbieter mit großem Erfolg Kunden zur virtuellen Schnitzeljagd auffordern – gegen Rabattpunkte. Das könne auch in Deutschland funktionieren.



Dass die Gebäudeinhaber aber auch in die Freiburg-Technik investieren müssen, wollen die Entwickler durch die besonders einfache Installation wettmachen: "plug and play" nennt das Höflinger - anschließen und loslegen.

Ein Problem bleibt: die neue App an den Kunden zu bringen. Was der Verbraucher nicht kennt, fragt er nicht nach und Gebäudebesitzer sehen keinen Grund, teure Sensoren an ihre Decken schrauben zu lassen. Das Freiburger Entwicklerteam setzt deshalb auf Kooperationspartner, die Telocate and den Kunden bringen sollen.

Der ASSIST ist entwickelt und patentiert, jetzt steht ein Pilotprojekt mit einer Messegesellschaft an - die erste Bewährungsprobe für das Kleinunternehmem. Die neue App soll zeigen, was sie kann und Infos zu allen Messeständen, sowie die Routen dorthin bereitstellen.
Ab Sommer 2015 wird dann voraussichtlich der erste Tolcate-Demonstrator zur Ausstellung bereitstehen.

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[Foto: Kaspars Grinvalds/Fotolia.com, Telocate]