Streit um Route

Der Freiburger Christopher-Street-Day steht auf der Kippe

Joshua Kocher

Am 23. Juni soll der Christopher-Street-Day stattfinden – aber die Veranstalter klagen über mangelnde Kooperation durch die Stadt. Sie denken laut über eine Absage nach.

In knapp zwei Wochen soll der Christopher-Street-Day (CSD) stattfinden, doch die Veranstalter sehen den Festumzug der Community von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, und Transgendern auf der Kippe. Wie schon im vergangenen Jahr beklagen sie, dass sie mit ihrem Umzug am 23. Juni nicht durch die Kaiser-Joseph-Straße ziehen dürfen. In den Jahren zuvor war das noch möglich, im vergangenen Jahr verhinderte eine Baustelle den Zug durch die Kajo. Die Stadt zeigt sich verwundert über die Klagen der Veranstalter.


"Eine Parade mit Lkws über den Bertoldsbrunnen und die Kaiser-Joseph-Straße sehen wir als problematisch an." Mitarbeiter der Stadt Freiburg
Unter dem Motto "React" sollen laut CSD-Verein bis zu 6000 Teilnehmer mit einer bunten Parade durch die Stadt ziehen – am liebsten über die Kajo. "Eine Parade mit Lkws über den Bertoldsbrunnen und die Kaiser-Joseph-Straße sehen wir als problematisch an", heißt es in einer Mail eines Mitarbeiters des Amts für öffentliche Ordnung an den CSD-Verein, die der BZ vorliegt. Sicherheitsbedenken für die Fußgänger und die Behinderung des Straßenbahnverkehrs seien ausschlaggebend. Zwischen 2014 und 2016 war dies noch möglich, damals zogen Tausende Demonstranten durch die Kajo. "Da waren die Lkws noch kleiner", sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf auf BZ-Nachfrage.

Dem widerspricht Ronny Pfreundschuh, einer der Organisatoren des CSD: "Die Lkws waren damals genau so groß." Er zeigt sich erstaunt über diese Aussage, denn den Veranstaltern sei bloß mitgeteilt worden, es wäre aus verkehrstechnischen Gründen nicht möglich. "Man hätte uns doch einfach sagen können, dass die Lkws kleiner sein müssen."

Das ist der Vorschlag der Stadt Freiburg:



Die Veranstalter fühlen sich ungerecht behandelt

Bei einem Kooperationsgespräch zwischen Veranstalter, Stadt Freiburg und der Polizei am 17. Mai sei über drei Stunden miteinander gesprochen worden. Ein Dissens bei der Streckenführung habe sich damals schon abgezeichnet. "Auch der Freiburg-Marathon und der Rosenmontagsumzug können durch die Innenstadt gelenkt werden, und da wird auch die Straßenbahn blockiert", sagt Pfreundschuh. Beide Veranstaltungen finden jedoch nicht an einem Samstag statt, wo sich die meisten Menschen in der Innenstadt tümmeln. "Es scheint, als ob mit zweierlei Maß gemessen wird", sagt Pfreundschuh.

"Es scheint, als ob mit zweierlei Maß gemessen wird." Ronny Pfreundschuh, CSD-Organisator
Sollte die Streckenführung bleiben, wie von der Stadt vorgeschlagen (siehe Grafik), wollen die CSD-Organisatoren klagen. Dafür braucht es jedoch einen Auflagenbescheid, der bislang nicht eingegangen sei, so Pfreundschuh. Am 28. November wurde die Demo angemeldet, im Mai kam es zu ersten Gesprächen.

Eines der Kernprobleme kann ohne eine feststehende Streckenführung nicht angegangen werden: das Urinieren während des Umzugs. Die Veranstalter wollen in Kneipen entlang der Strecke WC-Mitnutzung erfragen. "Dafür brauchen wir aber eine feste Strecke", beklagt Pfreundschuh. Sollte sich überhaupt keine Möglichkeit ergeben, die gewünschte Streckenführung durchzusetzen, überlege man, den Umzug abzusagen.

Diese Strecke fordert der Veranstalter:



Nach der Parade im vergangenen Jahr kam es bereits zu schwerwiegenden Vorwürfen der Veranstalter gegenüber der Stadt. In einem offenen Brief kritisierten sie, die Stadt habe sich im Vorfeld unkooperativ verhalten. Auch während des Umzugs kam es zu Komplikationen: Der Zug stand kurzzeitig in der Eschholzstraße still. Es folgten gegenseitige Schulzuweisungen zwischen Veranstaltern und Polizei, zurück blieb ein Scherbenmeer auf der Straße. Es folgte eine Strafanzeige gegen die Veranstalter, die inzwischen von der Staatsanwaltschaft abgewiesen worden sei, wie Pfreundschuh berichtet. Auch innerhalb der Community sorgte der letztjährige CSD für Streit: manche fühlen sich nicht mehr repräsentiert und beklagen eine politische Überladung aus dem linken Spektrum.

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