Der etwas andere Tag Eins

Philipp Aubreville

Es gibt für jeden Menschen einen Moment, an dem der Tag Eins nicht im Waldsee stattfindet, sondern in der dörflichen Grundschule, beim neuen Arbeitgeber oder, wie im Fall von fudder-Mitarbeiter Philip, an der Universität. Denn mit dem Beginn der Einführungswoche an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg startete gestern seine akademische Laufbahn. Er wird über sein erstes Semester bei fudder schreiben: Im Ersti-Blog.



Mit einem Bachelor - Studium der Geschichtswissenschaft als Haupt- und der Politologie als Nebenfach bereite ich mich nun sechs Semester lang auf einen lukrativen Job als Taxifahrer vor – zumindest wenn man den Alarmanlagen Glauben schenkt, die immer wieder rechtzeitig zum Sommerloch aus den Schubladen deutscher Zeitungsredaktionen aufheulen.


Doch immatrikuliert ist immatrikuliert und so betrete ich um 13:00 das Kollegiengebäude II, um mir meine Teilnehmerkarte für die nun kommende Einführungswoche in den „Bachelor of Arts“-Studiengang abzuholen. Es wirkt fast so, als ob man die zukünftigen Mitglieder der „Generation Praktikum“ schon einmal auf ihre zukünftigen Wartezeiten in deutschen Arbeitsämtern vorbereiten wolle: Bevor ich meine Teilnehmerkarte in der Hand halte, muss ich mich in eine Schlange weiterer Bachelor-Studenten einreihen.



Allerdings: Der frühe Vogel fängt in diesem Fall wirklich den Wurm – um Punkt 13:00 dagewesen zu sein verschafft mir in Kombination mit ein paar Drängler-Qualitäten, die man schließlich auch als Taxifahrer braucht, ein nettes Zeitpolster bis zum Beginn der eigentlichen Veranstaltung.

Schon der Blick auf den Terminplan der Einführungswoche hatte den Populisten in mir aufatmen lassen: Gegen Fächer wie Kognitionswissenschaft, Vorderasiatische Altertumskunde oder Europäische Ethnologie wirken Geschichte und Politik schon fast wieder aussichtsreich. In eine ähnliche Kerbe schlägt eher unfreiwillig auch Annette Ehinger, die die im Audimax stattfindende Einführungsveranstaltung leitet. Ihr Vorschlag, das gewählte Nebenfach im Zweifel doch umzuwählen und beispielsweise auf katholische Theologie umzusteigen, erntet Gelächter.

Auch der zweite Redner Professor Dr. Heinrich Anz, den ich zunächst für eine Reinkarnation von Jörg Immendorf halte, zwinkert gern einmal mit dem sprichwörtlichen Auge. Ob dies bewusst oder unbeabsichtigt geschieht, ist mir nicht ganz klar. Doch seine Intonation diverser Studiengangs-Fachbegriffe hat etwas ironisches; das Langziehen der geschlechtergerechten Endung „-innen“ kannte man zuletzt von Harald Schmidt.



Nach dieser recht kurzen Überblicksveranstaltung folgt die Einteilung in verschiedene „Beratungsgruppen“. Irritiert stelle nicht nur ich fest, dass unsere Gruppe recht überschaubar ist. Die Frage einer Kommilitonin (sofern man am universitären Tag Eins bereits davon sprechen darf), ob „das jetzt alle“ Geschichtsstudenten seien, wird von unserem Betreuer David mit der Bemerkung quittiert, ganz so elitär sei man auch in Freiburg dann doch nicht. Insgesamt 90 gibt es von unserer Sorte, dazu kommen 120 zukünftige LehrerInnen.

Die bisher recht anspruchslose Veranstaltung verspricht noch entspannter zu werden, als David uns auf den Schlossberg führt, um alles Weitere „im Biergarten zu besprechen.“

„Alles Weitere“ ist dann allerdings doch eine ganze Menge, die mich zu erschlagen droht. Erst gegen Ende unserer Biergarten-Session entwirrt sich das Knäuel aus Berufsorientierenden Kompetenzen, Pflichtveranstaltungen und Fremdsprachenkursen ein wenig. So ist es nicht nur das Bier, was mich das Ganze wieder etwas entspannter sehen lässt.

Apropos Bier – die Tatsache, zwischen Haupt- und Proseminar unterscheiden zu können, legitimiert für mich dann auch die Teilnahme an der ersten, von der Politik-Fachschaft veranstalteten Kneipentour dieser sicherlich noch spannenden Einführungswoche.

Dort lerne ich dann schon mal die Leute kennen, die mir am Mittwoch im Fachreferat zu meinem Nebenfach begegnen werden. Morgen gehts erst einmal mit Geschichte weiter.