Der Erfinder des Geldes

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wer den Euro erfunden hat? Als es Anfang der 90er Jahre darum ging, für die neu einzuführende gemeinsame europäische Währung einen schönen Namen zu finden, wird es allgemein der deutschen Delegetion um Theo Waigel zugeschrieben, dass der Euro heute Euro und nicht ECU, oder gar europäischer Gulden oder Franken heißt. Doch das einprägsame €-Symbol wurde schon viel früher entwickelt, von einem viel zu sehr in Vergessenheit geratenen Schwaben.

Im kleine Städtchen Eislingen/Fils im Landkreis Göppingen lebt er noch immer in einem Seniorenheim mit seinen über 90 Jahren. Arthur Eisenmeyer arbeitete zu seiner aktiven Zeit als Grafiker für die EU-Behörde mit dem fast poetischen Namen "Amt für amtliche Veröffentlichungen" in Brüssel. Bis zu seiner Pensionierung 1974 war er dort hauptverantwortlich für viele Symbole der Gemeinschaft: So etwa die blaue Europäische Flagge oder das CE-Kennzeichen für Produktsicherheit.


Doch als Eisenmeyer 1974 mit seiner amtlichen Designertätigkeit aufhörte und seine letzten Entwürfe der Behörde übergab, dachte in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft noch niemand auch nur im Traum an eine gemeinsame Währung. Das E mit dem zu drei Vierteln geschlossenen Bogen und den zwei abgeschrägten Strichen in der Mitte hatte er jedoch schon entworfen. Eigentlich hätte es das Symbol für die European Comunity oder die Comission européenne werden können, doch es verschwand in einer Schublade.

Als es dann über zwanzig Jahre später darum ging, ein neues Symbol für eine neue Währung zu finden, kam der alte Eisenmeyer-Entwurf wieder mit in die Auswahl. Von über 30 Designvorschlägen blieb dann der älteste übrig, offiziell als "intern angefertigt" beschrieben. An dessen Urheber konnte sich mittlerweile fast niemand mehr erinnern, da auch im Amt für amtliche Veröffentlichungen inzwischen eine vollkommen neue Mitarbeitergeneration an den Schreibtischen saß.

Bei der offiziellen Präsentation des neuen Symbols beim EU-Gipfel in Dublin 1996 standen alle Politiker, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, mit vor Stolz geschwellter Brust vor den Pressekameras. Nur der Erfinder, Arthur Eisenmeyer, saß damals schon an den Rollstuhl gefesselt im Altersheim in der schwäbischen Provinz und erkannte das im Fernsehen gezeigte Symbol wieder. Doch durch Recherche diverser Presseorgane und das beherzte Eintreten der Ehefrau Eisenmeyers ist die Urheberschaft an dem inzwischen auf jeder Tastatur vorhandenen Symbol eindeutig zugeordnet.

Von den Urheberrechten hat die Familie Eisenmeyer jedoch nichts. Denn die an der Arbeitsstelle getätigten Erfindungen gehören rechtlich dem Arbeitgeber; für ein europäisches Amt gilt diese Regelung natürlich erst recht.