Der ‚Agent Provocateur’ und seine Masche

Dirk Philippi

Am heutigen Ostermontag kommt es um 18.30 Uhr in der Franz-Siegel-Halle zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen den Wölfen Freiburg und den Hannover Indians – inklusive veritablem Eskalationspotenzial. Die Wölfe haben Spiel zwei der Best-of-Seven-Serie auswärts klar mit 4:8 verloren. Joe West, Trainer der Niedersachsen und allerorts bekanntes Banden-Rumpelstilzchen, hatte für sein Team eine Lösung gefunden, wie man den Wölfen im Viertelfinale beikommen kann.



DIE MASCHE

[Provokation: Ein oft bewusstes Reizen des Schwächeren, das als Ziel hat, Eigenschaften einer Sache oder Sachlage zu verändern, um im Folgenden, neue positivere Ergebnisse zu erhalten.]

Der „Agent Provocateur“ ist eine Rolle, die Joe West seinem Team mit Leib und Seele vorlebt. Keine einzige Schiedsrichterentscheidung bleibt unkommentiert, beinahe jede Zweikampf-Aktion eines Wölfe-Spielers wird von West lautstark sowie wild gestikulierend reklamiert und notfalls bekommen auch der Trainerkollege und seine Spieler ihr verbales Fett weg.

Auf dem Eis annektieren die Indians diesen Stil ihres Coachs und mimen die lästigen, fiesen Störenfriede. Hier ein hoher Ellbogen, dort eine Faust im Gesicht und anderswo ein Fetzen gepflegter Trash-Talk gepaart mit einem wuchtigen Check. Meist nichts wirklich Schlimmes (Ausnahme: Böser Angriff auf Wittfoth), aber Aktionen wie kleine Nadelstiche. Ziel des ganzen Theaters: Pure Provokation, die Hektik und Nervenschwäche in die Wölfe-Seelen transportieren möchte.

Vor 4300 Zuschauern im Kleefelder Stadion am Pferdeturm ging diese Masche am Samstag dann aus Sicht der Indians auch voll und ganz auf. Gerade auch unterstützt durch diesen Hexenkessel (Wölfe-Sprecher Döpke: „Das wünsche ich mir am Montag auch von unseren Fans!“) und einige haarsträubenden Schiedsrichterentscheidungen ließen sich die Freiburger bis aufs Blut reizen und verloren so ihr von Technik und feinen Kombinationen geprägtes und überlegenes Spiel vollkommen aus den Augen – ein Fehler, der Ihnen nicht mehr passieren sollte.

Nach einigen Frust- und Revanchefouls (Tomas Kucharchik ist nach einem Stockfoul heute gesperrt) konnten die Hannoveraner schließlich ihre Überzahl-Situationen zum deutlichen Sieg und dem 1:1-Ausgleich nach Spielen in der Serie nutzen.

Dass Wölfe-Erfolgstrainer Peter Salmik auf der anschließenden Pressekonferenz den Stil der Indians als „hinterfotzig“ und den giftig wütenden Sven Breiter ironisch als „Superstar“ titulierte, ist auf der einen Seite absolut verständlich, auf der anderen aber umso mehr ein Zeichen dafür, dass der „Agent Provocateur“ auch ihn erfolgreich gereizt hatte.

DIE GEGENSTRATEGIE

Für das heutige dritte Spiel ist nun eine äußerst aufgeheizte Stimmung in der Freiburger Halle zu erwarten. Und es wird der ein oder andere im Team der Breisgauer Rachegelüste aufgrund der Provokationen hegen. Sollten die Indians erneut Angriffe auf das Seelenleben oder gar die Gesundheit der Breisgauer starten, so wird Adam Spylo, "der Polizist", bereit zur Verhaftung stehen – das ist sein Job.

Die anderen Wölfe täten allerdings unbedingt gut daran, sich ganz konzentriert und diszipliniert (!) auf ihren Stil zu besinnen, und den Primärtrieb in läuferisches Engagement, konzentriertes Offensivspiel (Powerplay!) und schnörkellose Abwehrarbeit (Rebounds verhindern!) zu kanalisieren.

Cool- und Cleverness sowie höchste (defensive) Disziplin sind gefragt! Damit nämlich hat man die Indians schon zwei Mal in dieser Saison besiegen können und was wäre eine süßere Revanche und schmerzhaftere Provokation als ein erneuter Erfolg?

Hannover stünde in diesem Fall am kommenden Mittwoch bereits mit dem Rücken zur Wand und die Provokationen könnten als im Grunde verzweifelte Waffe des vermeintlich schwächeren Teams entlarvt werden.

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Fotos: ice-wolf.de