Depressive Downs und körperliche Erschöpfung: Saufpoles Rap-Album "Partypole"

Marius Notter

Eigentlich steht die Elztäler Rap-Crew Rieseneinlauf-Entertainment für prollige Lyrics die auf den Index gehören. Auf seinem neuen Album "Partypole" schlägt Crew-Mitglied Saufpole aber ganz andere Töne an, meint fudder-Autor Marius Notter. Auch, was die Beats angeht.



Wie die Stimmung einer Nacht bewegt sich dieses Album zwischen Euphorie, Abgrund und Afterhour. Und obwohl Saufpole ein Mitglied der Elztäler Rap-Crew Reiseneinlauf-Entertainment ist, findet man auf seinem neuen Album “Partypole” nur einen einzigen Song, der das Adjektiv "prollig" verdient hätte - eigentlich verwunderlich.


Saufpole hätte ebensogut einen Roman über sein Leben als Party-Druffi schreiben können, hat sich aber für die musikalische Version entschieden. Mit einem klassischen Rap-Album hat das Album "Partypole" jedoch nichts am Hut. Vergeblich sucht man Wie-Vergleiche, Kopfnicker-Beats und Boom-Bap; außerdem finden sich zwischen den HipHop-Tracks Songs verschiedenster elektronischer Genres wie etwa Minimal und Techno.

Bei Tracks wie “Alko-Pop”, “Labber mich nicht voll” und “Ich hab frei”, fragt man sich schon mal, was der Typ sich dabei gedacht hat, so ein Album zu machen. Sie sind platt, verwirrend, und die Beats sind teilweise ziemlich nervtötend. Produziert haben die Beats Tysn, Mic-O, Jan-T und Mount Olympus - bis auf letzteren alles Mitglieder des Rieseneinlauf-Kollektivs.

“Partypole” ist ein ständiges Auf und Ab, schonungslos und selbstkritisch. Lines wie “Vernebelte Traumwelt, solange wie es der scheiß Schädel noch aushält” bilden das Herzstück der Songs “6 Jahre”, “Afterhour Monsters” und “Rap aus dem Klub”. In diesen Tracks reflektiert Saufpole die vielen durchfeierten Wochenden voller Partydrogen. Man fühlt mit dem Rapper mit. In seiner Stimme liegen oft Erschöpfung und Resignation.

Auf die Spitze getrieben wird diese krasse Mischung aus depressiven Downs und körperlicher Erschöpfung von Songs wie "Einsamkeit" und dem "Outro". Hier rappt Saufpole Lines wie “Gemeinsam allein, doch allein gemeinsam muss man Zweisamkeit spielen” oder "Wer bist eigentlich du, bringst mich dazu, mir einzugestehen, dass ich aufgegeben hab, und hast mich nicht weiter mich rausreden lassen". Keinesfalls Liebeslieder, aber Verschnaufpausen zwischen all den Tracks, die all die Drogen-Partynächte rekapitulieren.

Woher Saufpole den Stoff für dieses Album hat? “Aus eigener Erfahrung - leider”, sagt der Mit-Begründer von Rieseinlauf-Entertainment.

Wer 18 ist und vorhat, sich durch die schöne, bunte Drogenwelt zu probieren, sollte sich zuerst dieses Album anhören. Vom ersten bis zum letzten Track. Volle Lautstärke. Ohne Pause. Dann weiß er, was ihn in jener Welt erwartet.

Saufpole - Tanz mit der Grenze

Quelle: YouTube


Partypole Snippet

Quelle: Soundcloud


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