Tag der Arbeit

Demos und Feste rund um den 1. Mai verlaufen friedlich

Fabian Vögtle

Die Demonstrationen, Kundgebungen und Feiern mit Hunderten Teilnehmern in der Walpurgisnacht und am 1. Mai sind in Freiburg im Vergleich zu Vorjahren friedlich und eher ruhig verlaufen.

Am Tag der Arbeit folgten nach Polizeiangaben rund 600 Menschen dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur traditionellen Demonstration und Kundgebung auf dem Stühlinger Kirchplatz. Unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind eins" setzten sich die Demonstranten für mehr soziale Gerechtigkeit ein.


Werner Siebler, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands Freiburg, forderte ein neues Steuerkonzept, dass Arbeitnehmer entlastet und dafür Vermögende mehr belastet sowie eine höhere Tarifbindung und mehr Mitbestimmung. Als Hauptredner sprach der Industriepfarrer Paul Schobel. "Die Rede von Vollbeschäftigung ist eine Beleidigung für Millionen Menschen", sagte Schobel mit Blick auf Langzeitarbeitslose und Menschen in prekären oder befristeten Arbeitsverhältnissen. Es könne nicht angehen, dass selbst gute Arbeit nicht mehr vor Armut schütze. Doch genau das, sei immer öfter der Fall – wegen Leiharbeit, Minijob und Niedriglohn.

Plädoyer für mehr gelebte Solidarität

"Wenn 25 Prozent der Bevölkerung am Existenzminimum leben, ist das ein Skandal für unser wirtschaftsstarkes, reiches Land." Immer mehr Leute treibe deshalb auch bei der Arbeit die Angst um. "Und mit dieser Angst wird dann Politik gemacht, vor allem von rechts. Das lassen wir nicht zu", betonte Schobel. Auch wenn es uncool und unsexy klinge, müsse wieder verstärkt Solidarität gelebt werden, auch im Betrieb.

"Arbeit muss zudem Raum lassen für Entfaltung, Spaß, Freundschaft und Liebe", so Schobel. All das leide nämlich unter Arbeitsverträgen, die etwa nicht familienfreundlich seien: "Wie sollen junge Menschen mit einem befristeten Arbeitsverhältnis auf Probezeit denn an eine Familiengründung denken?"

Forderung nach mehr bezahlbare Wohnungen

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach verwies als Vertreter der Stadt auch auf die Solidarität unter den Generationen und den sozialen Zusammenhalt, gerade auch im Hinblick auf Flüchtlinge. "Wer starke Schultern hat, von dem dürfen wir den schwächer Gestellten gegenüber eine Verantwortung erwarten", sagte von Kirchbach.

Ein zentraler Punkt, der nicht alle, aber viele Probleme lösen könnte, sei gerade in Freiburg der Wohnungsbau. "Wir brauchen in den nächsten Monaten und Jahren dringend mehr bezahlbare Wohnungen", sagte der SPD-Politiker. In seiner energischen Rede betonte er zudem, dass den rechten Parolen und deren "alternativen Fakten" bewusster entgegengetreten werden müsse.

Demo und Straßenfest im Sedanviertel friedlich

Bereits am Sonntag zogen rund 800 Menschen mit einer nicht angemeldeten Demonstration unter dem Motto "Enough ist enough" vom Münsterplatz ins Sedanquartier. Gewaltfrei protestierten linke politische Gruppierungen dabei unter anderem gegen Überwachung, Kontrollen und "Ordnungswahn" im städtischen Raum sowie gegen die europäische Abschiebepolitik. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf der Demo.

Auch das anschließende Straßenfest im Sedanviertel zwischen Wilhelm-, Belfort- und Adlerstraße mit Tanz in den Mai auf dem Grethergelände mit mehr als 1500 Besuchern verlief zunächst ruhig. Zwischen 22 und 3 Uhr musste die Polizei im Grün jedoch bei Ruhestörungen wegen zu lauter Musik, die von mobilen Anlagen abgespielt wurde, einschreiten. Sie führte Lärmmessungen durch und beschlagnahmte eine Soundanlage. Gegen vier Personen wurden in der Nacht Platzverweise ausgesprochen und vollzogen.
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