Dem "Z" droht die Pleite

Joachim Röderer

Das selbstverwaltete Jugend- und Bildungszentrum "Z" unter dem Siegesdenkmal steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten, dem Trägerverein "Z Kultur- und Bildungszentrum" droht die Insolvenz. Außerdem hat es in jüngster Zeit in der von der Stadt geförderten Einrichtung immer wieder auch Probleme mit Drogen gegeben. Die Stadt fordert nun eine Neuausrichtung. Bis dahin soll der städtische Zuschuss eingefroren werden.



"Es ist fünf Sekunden vor Zwölf", meinte gestern Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Der Sozialbürgermeister zeigte sich erschüttert, als er jüngst alle Details der Misere um das "Z" erfahren hat.


Nach Informationen der Badischen Zeitung steht der Trägerverein der Mitte 2003 eröffneten Einrichtung mit rund 90 000 Euro tief in der Kreide. Ein Teil der Schulden stammt noch aus der Bauzeit. "Die Stadt wird für diese Schulden nicht aufkommen", erklärt der Bürgermeister klipp und klar. Es sei nicht mehr zu verantworten, dass die Stadt weitere Steuergelder zugebe. Schließlich habe die Stadt schon viel investiert: 520 000 Euro beim Bau (geplant waren 200 000 Euro) und seither jedes Jahr 43 000 Euro als Betriebszuschuss. Der Verein hat sich, so von Kirchbach, "in eine Sackgasse manövriert". Vielleicht sei eine neue Konstruktion mit neuen Leuten der beste Weg.

Nicht gut angekommen ist im Rathaus, dass die Polizei mehrfach bei Drogenkontrollen im "Z" Drogenkonsumenten und Drogenhändler angetroffen hat. Offensichtlich hatte sich ein Teil der Partydrogenszene ins "Z" verlagert, nachdem Ende Juni 2008 die Polizei bei einer Drogen-Großrazzia den "Liquid Club" an der Universitätsstraße hoch genommen hatte. Der Ex-Clubbetreiber soll auch Partys im mit öffentlichem Geld geförderten "Z" mitveranstaltet haben.



"Wenn die Verwaltung den Zuschuss einfriert, wäre das der Todesstoß für den Verein", sagt Christian Liebl, Vorsitzender der Trägervereins und überhaupt einzig verbliebenes Vorstandsmitglied. Eine Klärung der Finanzen wäre für alle Beteiligten auch eine Befreiung, meint er.

Das "Z" habe aber auch unter, wie er sagt, "Willkür der Stadtverwaltung bei der Sperrzeitenverkürzung" gelitten. Vom Amt für öffentliche Ordnung habe es keine generelle Sperrzeitverkürzung (also verlängerte Öffnungszeiten) bekommen. So endeten die Veranstaltungen am Wochenende um 3 Uhr. "Wir hatten Auflagen wie eine Discothek, wurden aber bei den Öffnungszeiten wie ein Jugendclub behandelt", so Liebl. Das Amt für öffentliche Ordnung dagegen erklärt, dass es mehrmals im Monat Ausnahmegenehmigungen gegeben habe, so der zuständige Abteilungsleiter Jürgen Weckerle.

Z-Vorstand Liebl beklagt weiter, dass die Verwaltung immer in die selbst verwaltete Einrichtung hinein regiert habe. "Mit dieser Sozialverwaltung konnte man nicht zusammenarbeiten". Dass es Probleme mit Drogen im "Z" gegeben habe, räumt er ein. Allerdings sei sofort der Sicherheitsdienst ausgetauscht worden.

Stadtrat und Trägervereins-Mitglied Sebastian Müller (Junges Freiburg) hat für das "Z" eine lange Mängelliste zusammen gestellt – inklusive der, wie er findet, falschen Ausrichtung: Es habe so gut wie keine Wort-Veranstaltungen mehr. gegeben Das Zentrum sei seinem ursprünglichen Zweck nicht mehr nach gekommen. Auch sei die Zahl der Aktiven auf ein kleines Häuflein zusammengeschrumpft, so Müller. Ihm fehlt auch die Transparenz in den Finanzen des Vereins: "Es gibt schon lange keine Kassenberichte, keine Bilanzen und keine Abrechnungen mehr".



Werner Wagner
ist früherer Leiter des Polizeireviers-Nord und Mitglied des Beirats, der dem Kultur- und Bildungszentrum zur Seite gestellt worden war. Es sieht eine Mischung aus Missverständnissen, Unvermögen und Überforderung als Ursache für die Krise. Viel Einblick hatte der Beirat zuletzt allerdings nicht mehr. Werner Wagner kann darum auch nicht sagen, warum das "Z" abgedriftet ist. "Es ist ein schwieriges Klientel, die Akteure wechseln schnell, es gibt immer wieder neue Ideen – das kann man mit einem normalen Verein nicht vergleichen", sagt er.

Wegen der gestiegenen Kosten, etwa im Energiebereich, sei es aber auch schwerer geworden, mit dem Betrieb des "Z" schwarze Zahlen zu schreiben. Das Beiratsmitglied verweist auch auf das Sperrzeiten-Dilemma. Die Einrichtung hat für Wagner jedenfalls weiter ihre Daseinsberechtigung als Anlaufstelle. "Es gibt zwar Handlungsbedarf, aber man darf das Z nicht fallen lassen".

Sebastian Müller gibt den existierenden Trägerverein allerdings verloren: Wenn morgen der Jugendhilfeausschuss der Stadt das Thema berät, will der Stadtrat von Junges Freiburg vorschlagen, dass ein Teil des städtischen Zuschusses für einen Steuerberater verwandt wird. Der soll sich dann um die professionelle Abwicklung des Vereins kümmern.

Mehr dazu:

fudder.de: Das Z  - Mitmachen erwünscht

[Dieser Artikel erscheint morgen im Freiburger Lokalteil der Badischen Zeitung.]