Debatte: Ist das Clubleben tot?

Manuel Lorenz

Die Magie ist weg, das Clubleben tot - das behauptete vor elf Jahren der namhafte Schweizer DJ Oliver Stumm in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Dieser Tage ist das Interview wieder hochgeploppt - und hat aus dem Nichts über 1800 Facebook-Likes bekommen. Ein Zeichen dafür, dass das Thema wieder aktuell ist? Oder findet ihr, dem Clubleben geht es heutzutage besser denn je?



"Herr Stumm, lohnt es sich überhaupt noch auszugehen?" Mit dieser Frage beginnt ein Interview, das die Neue Zürcher Zeitung im August 2002 mit dem bekannten Schweizer DJ Oliver Stumm geführt hat. Vor ein paar Tagen tauchte es aus dem Nichts wieder auf, ging viral und erreichte über 1800 Facebook-Likes.


Man muss sich natürlich fragen, warum. Und vielleicht liegt die Antwort ja in Stumms damaliger Replik begründet: "Essen, an Konzerte gehen, vielleicht. In Klubs gehen, nein." Vielleicht, so die gewagte These, haben viele Partygänger auch heute wieder das Gefühl, das Clubleben sei tot, vielleicht würden auch heute viele Clubber dieselben Antworten auf die im Interview gestellten fragen geben wie vor elf Jahren Oliver Stumm.

"Das Konzept des Clubs hat seinen Reiz verloren"

Stumm sagt: "Klubs sind Unternehmen geworden, die nur eines wollen: so viel Geld machen wie nur möglich." Und: "Ein guter Klub braucht verschiedene Szenen, die sich mischen, so dass etwas Neues entsteht, jenseits der sexuellen und sozialen Zugehörigkeit. Aber das widerspricht den Marketingkonzepten, nach denen Klubs heute betrieben werden."

Außerdem behauptet Stumm, dass das Konzept des Clubs seinen Reiz verloren habe. "Ein Klub, in den jeder geht, hört auf, ein Klub zu sein." Und: Die DJs hätten sich in Scharen zu Sklaven der Unterhaltungsindustrie gemacht und seien der Versuchung des Sponsorings erlegen. Stumm: "Talent spielt schon seit langem keine Rolle mehr. Zum Zuge kommen die Angepassten. Die Branche wird von gesellschaftskonformen Bubis beherrscht, die charakterlose Musik machen, die keinen Menschen interessiert. Die ganze DJ-Branche ist von der Wirtschaft gekidnappt worden."

Seine damaligen Lösungsvorschläge für diese Krise:

1. "Alles, was einen Türsteher hat, gehört abgeschafft. Ich habe schon oft erlebt, dass draussen die bessern Leute stehen als drinnen." Das Publikum müsse wieder mehr durch die Musik als durch die Garderobe gefiltert werden.

2. Wir würden wieder ein intellektuelleres Publikum brauchen, Leute, die sich nicht einfach blindlings vergnügen wollen, sondern die Auseinandersetzung suchen. "Raus mit allem dekorativen Firlefanz. Gute Musik, gute Leute und ein Kasten Bier, das funktioniert in jeder Garage."

3. Mehr Live-Bands, weniger DJ. "Aber keine Sorge", so Stumm. "Das wird von ganz alleine kommen."

fudder-Debatte

Hat Oliver Stumm recht? Gilt seine Kritik auch heute (noch)? Oder haben wir diese Durststrecke überlebt, und heutzutage ist alles wieder paletti und die Magie wieder da? Was haltet ihr von seinen drei Thesen zur Rettung der Partykultur?

Du bist gefragt!


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[Foto: Bernhard Amelung]