Datenkrake gängelt Freiburger Schaufenster-TV

Markus Hofmann

Was ist eigentlich aus dem Schaufensterfernsehen geworden, das die junge Freiburger Studentenfirma "Werbe mit uns" mit lokalen Werbespots bespielen wollte? Eigentlich sollte der Testlauf bereits Ende November beginnen. Noch laufen die Clips aber in den Freiburger Geschäften nicht. Ein Grund für die Verzögerung: Die Gebühreneinzugszentrale (GEZ).

Wie jeder gewissenhafte Gebührenzahler weiß, erhebt die (vom SPIEGEL dereinst als Datenkrake geschmeichelte) GEZ von jedem Bürger monatliche Rundfunkgebühren. Zahlen muss jeder, der ein Rundfunkgerät zum Empfang bereithält. Rundfunkgeräte sind definitionsgemäß:

alle Geräte, mit denen Sie Radio- und/oder Fernsehprogramme empfangen oder aufzeichnen können. Dazu gehören auch tragbare Radios oder Fernsehgeräte, Radiowecker, Radiorekorder, Autoradios, PC mit Radio- oder TV-Karte, Videorekorder und Navigationsgeräte mit Empfangsteil. Rundfunkgeräte sind auch Lautsprecher oder Monitore, wenn sie als gesonderte Hör- oder Sehstellen betrieben werden. Rundfunkgeräte werden dann zum Empfang bereitgehalten, wenn der Rundfunkempfang ohne erheblichen technischen Aufwand möglich ist. Dabei kommt es nicht darauf an, ob und in welchem Umfang Sie Ihr Rundfunkgerät tatsächlich nutzen.

Genau dies wurde für „Werbe mit uns“ zum ernsten Problem: Die Flachbildgeräte, die die Firma in Freiburgs Geschäften aufstellen will, sind gebührenpflichtig – obwohl auf ihnen überhaupt keine Rundfunkprogramme (sondern Werbeclips von einem Festplattenspeicher) ausgestrahlt werden. „Aber das interessiert die GEZ nicht. Was man mit den Geräten macht, ist egal“, sagt Firmengründern Gabriel Ploch. "Das ist echt eine Schweinerei". Die Konsequenz: Für jedes der 20 Geräte, die „Werbe mit uns“ aufstellen will, wären monatlich 17.80€ fällig gewesen - Ploch hätte völlig neu kalkulieren müssen. Die Lösung: Die Schaufensterwerber haben die Tuner eigenhändig deaktiviert, wodurch die Geräte keinen Rundfunk mehr empfangen können -  auf die Gefahr hin, dass durch diesen Eingriff die Garantie des Herstellers verloren geht. "Da die Geräte durch den Dauerbetrieb kaputt gehen könnten, ist das in der Tat ein Risiko", sagt Ploch.

Spätestens am 15.Januar will „Werbe mit uns“ nun starten – und seine Spots auf 20 Flachbildschirmen in der Innenstadt ausstrahlen.

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