Das Skinny Bitch DJane Team will auch faule Leute von der Theke auf die Tanze ziehen

Bernhard Amelung

Seit einem Jahr legen KamiKaja und Ella Stracciatella als Skinny Bitch DJane Team auf. Vor der Geburtstagsparty am Samstag verraten Sie im Interview die Geschichte ihres Namens, wie sie das Publikum lesen – und ob sie auf Musikwünsche im Club eingehen.

Kaja, Ella, es ist fünf Uhr morgens, ihr habt gerade aufgelegt und das Licht geht an. Was macht ihr?

Ella Stracciatella: Wir gehen an die Bar, quatschen mit den Leuten und versacken. Und dann versacken wir weiter.

KamiKaja: Das kommt darauf an, ob wir an einem Freitag oder Samstag auflegen. Am Freitag, beziehungsweise Samstagmorgen haben wir noch mehr Energie. Da fängt das Wochenende erst an.

Ella Stracciatella: Weiterziehen ist in Freiburg schwierig. Ab sechs Uhr morgens könnte man in die Sonderbar...

KamiKaja: … oder wir gehen direkt raus an den See und chillen dort.

Wie gestaltet ihr euren auflegefreien Tag?

KamiKaja: Manchmal möchte ich sonntags gar nicht unter Menschen.

Ella Stracciatella: Ich muss Menschen sehen und etwas Kleines unternehmen. Kaffee trinken. Manchmal muss ich auch Sachen abarbeiten, die wegen des Auflegens oder andere Dingen liegenbleiben.

KamiKaja: Ich reserviere mir den Sonntag ab und zu auch, um manche Launen abzuarbeiten. Ich bin ja eigentlich ein introvertierter Mensch und brauche solche Ruhephasen. Zeiten, in denen ich meine Energiereserven wieder aufladen kann.

Die braucht ihr auch als Discjockeys. Seit wann legt ihr eigentlich auf?

Ella Stracciatella: Ich lege seit 2016 auf. Ich bin da ein bisschen durch Zufall reingerutscht. Ein Gig fiel aus, ich wurde angefragt, da ich ja auch eine Radiosendung bei PH 88,4 habe. Ich habe mich zwei Tage reingenerdet, und seither lege ich auf.

KamiKaja: Ich habe immer schon Playlisten für Freunde erstellt. Irgendwann hat mich Tom (Grigat, d. Red.) gefragt, ob ich nicht einmal im Teng auflegen wolle. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das war eine Ehre für mich, dass er meinen Musikgeschmack für Teng-tauglich hielt...

Ella Stracciatella:...und seit einem Jahr spielen wir schon zusammen.



Wie war es für euch, zum ersten Mal vor Publikum zu spielen?

KamiKaja: Damals stand man im Teng noch nicht so sehr im Mittelpunkt. Das DJ-Pult war hinter der Bar. Da ich dort schon lange an der Bar arbeite, war das quasi mein Zuhause.

Ella Stracciatella: Das war superwitzig. Wir waren beide sehr nervös, wussten aber, dass die Musik gut passen würde, und so haben wir schnell zu unserem Flow gefunden.

KamiKaja: Zusammen auflegen ist viel spannender. Gleichzeitig aber auch entspannter. Wir spielen uns gegenseitig Songs vor und pushen uns gegenseitig. Das ist super.

Ella Stracciatella: Ich weiß nicht, was Kaja machen wird, sie weiß nicht, was ich machen werde. Wir entwickeln unsere Sets an jedem Abend aufs Neue. Wir kommen nicht mit einem vorgefertigtem Set. Der gegenseitige Input ist auch super. Wir haben beide unterschiedliche Quellen für Musik.

KamiKaja: Inzwischen sind wir so alt, dass wir in DJ-Kreisen abhängen müssen, um von neuer Musik zu erfahren. Viele, mit denen ich Abi gemacht habe, sind musikalisch auf dem Musikgeschmack "Abi" hängen geblieben.

"Wenn die Theke leer ist und die Tanze voll, wenn alle irgendwann mit dem Po wackeln, ist es gut gelaufen." Ella Stracciatella

Was hat das Auflegen mit euch noch gemacht, außer, dass ihr inzwischen stundenlang nach neuer Musik sucht?

Ella Stracciatella: Beim Auflegen sind wir Teil der Party, aber auf einer anderen Ebene. Ich finde es geil, dass ich sehen kann, wie das Publikum auf unsere Musik reagiert.

KamiKaja: Das Auflegen stärkt das Selbstbewusstsein. Ich meine das aber mit Blick auf die Musik. Ich finde es schön, wenn die Musik, die mich berührt, auch bei anderen Menschen ankommt.

Ella Stracciatella: Wenn die Theke leer ist und die Tanze voll, wenn alle irgendwann mit dem Po wackeln, ist es gut gelaufen.

KamiKaja: Uns geht es auch darum, das Publikum zu lesen und vorwegzunehmen, worauf sie im nächsten Song Lust haben. Wir wollen auch die faulen Leute von der Theke auf die Tanzfläche ziehen.

Wie lest ihr das Publikum?

Ella Stracciatella: Wir wählen nicht wahllos Songs aus und reihen sie einfach aneinander. Ich überlege mir, in welche Richtung ich unterwegs sein möchte. Wenn dann jemand mit der Hüfte wackelt, bleibe ich stilistisch erst einmal in dieser Ecke. Niemand würde auf einen Hüft-shakey Klassiker Celine Dion spielen.

KamiKaja: Wir sind schon sehr auf der Linie Indie und Alternative unterwegs, legen aber auch elektronischere Sachen auf. Das ist schon eine Gratwanderung. Die Indie-Leute wollen immer Sachen hören, die sie schon kennen.

Ella Stracciatella: Weil sie die Lieder mitsingen wollen.

KamiKaja: Den anderen geht es vor allem darum, von der Musik abgeholt zu werden. Ich finde es nicht einfach, beide Interessen zusammen zu führen. Wir müssen immer schauen, was für Leute da sind und was die gerade im Club machen.

Ella Stracciatella: Manchmal ist es auch cool, wenn wir Input aus dem Publikum bekommen.

Ihr geht auf Musikwünsche ein?

Ella Stracciatella: Wenn’s passt, wenn wir das Stück dabei haben und selbst darauf Bock haben. Das Publikum ist es doch, für die wir auflegen.

Inwieweit seht ihr euch als Entertainerinnen und Dienstleisterinnen?

KamiKaja: Ich finde es wichtig, auch hinter dem DJ-Pult eine Stimmung aufzubauen. Ich finde Discjockeys, die während des Auflegens gelangweilt rumstehen und 30 WhatsApp-Nachrichten schreiben, eher...

Ella Stracciatella: … schwierig. Man muss hinterm DJ-Pult vor allem selbst viel Spaß haben. Das überträgt sich sofort auf die Tanze.

"Auf Partys aus dem subkulturellen Bereich feiert man einfach stressfreier." KamiKaja

Wo geht ihr selbst feiern?

KamiKaja: Ich gehe gerne auf die Ahoii-Party. Ich mag aber auch, was die Irrlicht- oder Youth Life-Kollektive machen. Auf Partys aus dem subkulturellen Bereich feiert man einfach stressfreier.

Ella Stracciatella: Ich fand die FemBPM-Party im White Rabbit toll. Da waren nur Leute da, die Bock auf feiern hatten. Da war es egal, was man gemacht hat. Mitwippen, rumsitzen, lachen. Ich finde es toll, wenn eine Party auch einen Entspannungsfaktor hat.

KamiKaja: Es macht einen großen Unterschied, wenn die Leute nur zum Saufen weggehen oder unbedingt jemanden kennen lernen müssen. Die gehen irgendwann auch einmal nicht mehr weg. Leute, die ausgehen um auszugehen, finde ich dagegen top.

Was ist eigentlich die Geschichte eures DJ-Namens?

Ella Stracciatella: Ich habe bei Kaja an der Bar immer Skinny Bitches bestellt. Dieses Wodka-Wasser-Gurke-Zitrone-Getränk.

KamiKaja: Wir wollten etwas Eigenes. Ursprünglich wollten wir mit dem "Say Yes To Good Music"-Ding spielen. So heißt Ellas Radiosendung. Aber das fanden wir auch abgegriffen.

In manchen Beiträgen und Foren wird diskutiert, ob man das Wort "DJane" sagen soll oder nicht.

Ella Stracciatella: DJ ist als Wort geschlechtsneutral. Ich finde aber, DJane klingt besser, runder, schöner.

KamiKaja: Ich lege selbst keinen großen Wert darauf, ob ich als DJ oder DJane auflege. Ich finde aber auch, wenn man unseren Namen in einem Satz runter sagt, klingt es einfach runder.

Ella Stracciatella: Ein feministischer Kontext ist uns allerdings schon wichtig. Wir gehören beide zu Locartista. Ich habe das feministische Festival mitorganisiert. Ich finde, dass Frauen in der Subkultur immer noch stark unterrepräsentiert sind. Deshalb finden wir auch feministische DJ-Kollektive wie FemBPM gut. Wir unterstützen das sehr.

KamiKaja: Witzig finde ich ja auch diese Stadtbesten-DJ-Liste. 57 Typen, eine Frau. Ich steige bis heute nicht durch, wie sich diese Liste zusammen stellt und wie man es drauf schafft.

Ella Stracciatella: Wir als LocArtista haben uns dann auch bei Ihnen gemeldet und auf den "Nudelauflauf" hingewiesen. Wir haben dann zu Recherchezwecken auf wichtige Plattformen wie zum Beispiel Female:Pressure verwiesen. Es gibt so viele Plattformen und Netzwerke, auf denen man sich informieren kann und die haben anscheinend nur Männer gefunden?! Seltsam.

Apropos Nudelparade: Was für Erfahrungen mit Sexismus am DJ-Pult habt ihr gemacht?

Ella Stracciatella: Wenn ich alleine auflege, passiert es schon öfters, dass mir erklärt wird, wo der Lautstärkeregler ist. Das ist doch unnötig. Ich weiß, wann ich ein Stück wie laut spielen kann – und will.

KamiKaja: Ich arbeite schon lange im Nachtleben. Vieles blende ich inzwischen aus und gehe nicht mehr darauf ein. Dumme Sprüche fallen allerdings immer wieder.

Zum Beispiel?

KamiKaja: Irgendwann gab es einmal ein kleines technisches Problem. Die Musik setzte kurz aus. Irgendein Typ schrie dann "Aha, ihr Spotify-Abo ist abgelaufen". Ich habe da aber eine Attitude am Start, die mich drüber stehen lässt.

Ella Stracciatella: Gefühlt wird uns schon öfter über die Schultern geschaut, vor allem in Locations, in denen man uns nicht kennt. So als ob wir die Anlage in die Luft sprengen wollten.
  • Was: Skinny Bitch DJane Team – 1 Year Anniversary
  • Wann: Samstag, 30. März 2019, 23 Uhr
  • Wo: The Great Räng Teng Teng, Grünwälderstr. 6, 79098 Freiburg