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Das sind unsere 14 Highlights aus der neuen Spielzeit am Theater Freiburg

Marie Schweizer, Emma Tries & Anika Maldacker

Das Programm für die Spielzeit 2019/2020 des Theater Freiburg ist da. Die Themen Wut und Wahn ziehen sich wie Leitmotive hindurch. Das Onlinemagazin fudder hat seine persönlichen Favoriten für Euch gesammelt.

"Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich an", sagte Theaterintendant Peter Carp mit Blick auf seine zweite Spielzeit am Theater Freiburg. Am Donnerstag stellten er und sein Leitungsteam das Programm zur kommenden, inzwischen dritten Spielzeit vor. Angesichts der globalen Unsicherheiten, Verwerfungen und Ängste nahm man sich die beiden Begriffe der Wut und des Wahns an. Das Junge Theater stellte seine Stücke gar unter das Motto des Umbruchs.


Was im Programmheft, das ab Freitag ausliegt, auffällt, ist das bunte kleine Symbol, das für das Stadtjubiläum Freiburgs steht. Die Stadt erreicht 2020 bekanntlich das stattliche Alter von 900 Jahren. Mit ausgewählten Stücken – vielen mit Freiburg-Bezug – will das Theater zelebrieren.

Das sind unsere Highlights der Spielzeit 2018/2019 am Theater Freiburg– in keiner bestimmten Reihenfolge:


Der Würgeengel

Das Stück "Der Würgeengel" – im Original der Spielfilm "El Ángel exterminador" von Luis Buñuel – handelt von einer edlen Gesellschaft, die sich nach einem Opernbesuch dazu entschließt, eine Party zu feiern. Alle bleiben über Nacht und sind gut gelaunt. Am Morgen stellen sie allerdings fest, dass sie aus dem Haus, in dem sie sich befinden, nicht mehr herauskommen. Doch wie kann das sein, wenn sie nichts daran hindert? Scheinbar hindert sie eine unsichtbare Macht daran, das Haus zu verlassen. Ein spannender Kampf ums Überleben, bei dem immer wieder neue Hindernisse auftauchen, beginnt. Fragen der Freiheit und wie wichtig Anstand und Moral sind, werden in diesem Stück, bei dem Blanka Rádóczy Regie führte, thematisiert und spiegeln auch unsere Gesellschaft wieder.
Premiere: 24. Januar 2020
Regie: Blanka Rádóczy
Bühne: Blanka Rádóczy
Dramaturgie: Anna Gojer

Nur das Beste

Die Posse vom 36-jährigen Dramatiker Dirk Laucher aus Sachsen passt perfekt in die Dreisamstadt – und behandelt das Aufreger-Thema schlechthin. Ludi, freier Karikaturist bei einer Zeitung, wurde fristlos gekündigt, weil er seine Miete nicht rechtzeitig bezahlen konnte. Auch die Miete seines Freundes Murat wurde erhöht. Weil sie keinen anderen Ausweg wissen, brechen sie ins Büro der Wohnungsverwaltung ein und lassen ihre Papiere verschwinden.

Dramaturg Dirk Laucher setzt sich in seinen Werken fast immer mit Menschen in Existenznöten in der sogenannten deutschen Wohlstandsgesellschaft auseinander. Kleinkriminelle, Einkommensschwache oder Identitätssuchende rückt er in den Fokus.
Premiere: 27. März 2020, Kleines Haus

Regie: Bastian Kabuth

Sparte: Schauspiel

The Turn of the Screw

In dem Stück "The Turn of the Screw" wird aus der Sicht einer zukunftslosen Gouvernante erzählt. Sie wird auf den Landsitz "Bly" geschickt, um dort für zwei elternlose Kinder zu sorgen. Doch der Schein trügt und etwas Erschreckendes und Geisterhaftes verbirgt sich hinter der schönen Fassade des Landhauses. Das Stück "The Turn of the Screw", das Benjamin Britten komponiert und Peter Carp inszeniert hat, ist aufgrund seiner künstlerischen und musikalischen Vielfalt ein besonderes Musiktheater.
Premiere: 9. November 2019
Regie: Peter Carp
Bühne: Kaspar Zwimpfer
Kostüme: Gabriele Rupprecht
Dramaturgie: Heiko Voss

W.A.M. We are Monchichi

Wer kennt sie noch, die affenartigen Puppen, mit den überdimensionierten Gesichtern, dem Daumen im Mund und den drolligen Augen? Monchichis! Das deutsch-französische Künstlerduo Wang Ramirez spielt auf die Puppen aus seiner Kindheit an und erzählt in dem Tanzstück, das sich an Groß und Klein richtet, von einem Jungen und einem Mädchen unterschiedlicher Herkunft. Mit Elementen aus Tanz, Text und Bild erzählen sie sich von ihrer Andersartigkeit, ihren Sorgen, von Vielfalt und Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen. Das Künstlerduo ist bekannt für seine feinfühligen choreografischen Verschmelzungen von klassischem Ballett, zeitgenössischem Tanz und HipHop.
Künstlerische Leitung: Honji Wang, Sébastien Ramirez

Gastspiel: 25. April 2020

Sparte: Tanz, Junges Theater

Alter: 7+

Madama Butterfly

"Madama Butterfly" ist eine berühmte Oper des italienischen Komponisten Puccini, die wiederum auf der Kurzgeschichte "Madame Butterfly" des Juristen und Schriftstellers John Luther Long beruht. Die Oper besteht aus drei Akten, in denen es um die Figuren Pinkerton und Butterfly geht. Butterfly hat mit ihrem alten Leben abgeschlossen um ein neues mit Pinkerton zu starten. Sie wird jedoch bitter enttäuscht, als sie erfährt, dass dieser nach seiner Abreise nie wieder zurückkehren wird. Ein nervenaufreibendes und spannendes Musiktheater, das viele Fragen zum Leben in den Raum wirft.
Premiere: 14. Juni 2020
Musikalische Leitung: Fabrice Bollon

The 3rd Box

Seit dem 1. Januar 2019 gibt es neben den Kategorien "männlich" und "weiblich" auch "diverse" anzukreuzen. Die bekannte dritte Box als Sinnbild für das dritte Geschlecht. In Zusammenarbeit mit dem jungen Theater ist das Tanzstück "The 3rd Box" entstanden. Mit viel Musik und Tanz wird in dem Stück ein aktuelles Thema unserer Gesellschaft bildlich dargestellt. Durch die Augen dieser jungen Menschen zu blicken, lässt einen alte Ideen und Konzepte in Frage stellen und neue Idealvorstellungen entwickeln.
Premiere: 18. April 2020
Kooperation mit dem UWC Robert Bosch College Freiburg
Künstlerische Leitung: Monica Gillette, Gary Joplin, Michael Kaiser

The Last Hotel

Das irische Musiktheater habe, sagt Tatjana Beyer, leitende Dramaturgin für Musiktheater am Theater Freiburg, sie aufgrund seiner experimentellen Seite beeindruckt. So auch bei dieser Oper des irischen Komponisten Donnacha Dennehy und seines Landsmann Regisseur Enda Walsh. Sie erzählen auf innovative Art und Weise die Geschichte eines schäbigen Hotels in Irland. Dort trifft eine Frau auf ein Paar. Die Stimmung ist angespannt, denn man schmiedet einen Pakt – und alle wissen, dass in dieser Nacht jemand sterben wird. Dennehys Orchester umfasst auch Akkordeon, E-Gitarre und schwere Percussion, dadurch entsteht ein wilder, unaufhaltsamer Groove. Die 2015 uraufgeführte Kammeroper wurde auf Festival gefeiert.
Premiere: 15. Mai 2020, Großes Haus

Kooperation: Mit der Irish National Opera und Landmark Productions

Regie: Enda Walsh

Der widerspenstigen Zähmung

Wer sich die Handlung von Shakespeares Klassiker "Der widerspenstigen Zähmung" durchliest, fragt sich, ob das heute überhaupt noch zeitgemäß sein kann. Das Stück erzählt die Geschichte der zwei Töchter Bianca und Katharina des wohlhabenden Signore Batistas. Die jüngere der beiden, Bianca, wird von vielen Männern umworben, doch ihr Vater lässt keine Hochzeit zu, solange ihre ältere Schwester nicht verheiratet ist. Diese hat keine Verehrer, will sich aber auch keinem Mann unterwerfen. Die Anwärter Biancas werden ungeduldig – und engagieren Petruccio. Dieser soll gegen viel Geld Katharina umwerben und heiraten. Danach möchte er sie zu einer "gezähmten" Ehefrau machen. Soweit die Shakespeare-Fassung.

Die junge, polnische Regisseurin Ewelina Marciniak macht sich diese Erzählweise nicht zu eigen. Sie möchte eine feministische, moderne und weibliche Version des Klassikers erzählen. Sie will beantworten, was es heißt, heutzutage eine Frau zu sein. Wie kann man sich als Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft treu bleiben?
Premiere: 13. März.2020 im Großen Haus
Sparte: Schauspiel
Regie: Ewelina Marciniak

As far as my fingertips take me

Unsere Fingerspitzen vermitteln Berührungen und Gefühltes. Durch die "Dublin-Verordnung" werden sie in Europa auch dafür verwendet, Geflüchtete im System zu erfassen, um sie gegebenenfalls dorthin zurückzuschicken, wo sie zum ersten Mal erfasst wurden. "As long as my fingertips take me" ist eine One-on-One Performance in Kooperation mit dem Augustinermuseum bei der sich ein Geflüchteter und ein Zuschauer begegnen. Getrennt von einer Galeriewand, berühren sich nur ihre Arme. Darsteller Basel Zaraa zeichnet mit musikalischer Untermalung auf den Arm seines Gegenübers, das er nicht sieht. Der Künstler Basel Zaraa, palästinensischer Flüchtling, singt in einem Rap-Song über eben jenes System und die Reise seiner Schwestern von Damaskus nach Schweden.
Spielzeit: 17. Juni bis 21. Juni 2020 im Augustinermuseum
Sparte: Tanz
Künstlerische Leitung: Tania El Khoury
Info: Es gelten gesonderte Anmeldebedingungen. theater.freiburg.de

Lisple … Himmel der Begeisterung (Vaghe stelle dell’Orsa Friburghese)

Ein Ausflug in Freiburgs Lokalgeschichte, der Zuschauer trifft auf Heidegger, auf Luigi Nono. In diesem Schauspiel, dessen Regie Hans-Peter Litscher führte, ist es jedoch auch schwer herauszufinden, wo die Realität aufhört und die Fiktion anfängt. Es geht um Mutbrecht M., einem gebildeten Freiburger, der seinen Lebensunterhalt trotz seiner Bildung als Tankwart oder Fotos-Eisbär verdient hat. Mutbrecht traf auf Heidegger und Luigi Nono, durch den er Zugang ins Experimentalstudio des SWR bekam. Dort komponierte er ein elektro-akustisches Meisterwerk – womit sich sein Leben veränderte.

Das Stück wird zunächst durch eine Installation im Stadtraum im März 2020 angekündigt. Dann im Juni und Juli vor dem Theatervorplatz gezeigt.
Spielzeit: März und Juni 2020

Sparte: Schauspiel

Ort: Stadtraum

89/90

25 Jahre nachdem die Mauer fällt, schreibt Peter Richter seinen Roman 89/90. Damals war er 16 Jahre alt und lebte in Dresden. Er erzählt von seiner Jugend, von Freunden und Partys und wie die Wiedervereinigung alles änderte. Der Roman zeigt einen neuen Blickwinkel auf die damalige "friedliche Revolution", insbesondere auf die starke rechte Szene im Osten Deutschlands, die sich bis heute gehalten hat.

Die Adaption des Theaters möchte 30 Jahre nach dem Mauerfall genauer auf die Ereignisse schauen, die Ostdeutschland bis heute prägen und der Westen damals größtenteils nicht mitbekommen hat. Schauspieler des Ensembles und des Jungen Theaters arbeiten zusammen.
Premiere: 11. Oktober 2019 im Kleinen Haus
Sparte: Schauspiel und Junges Theater
Regie: Sascha Flocken

Global Belly

Deutsche und Schweizer Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch wenden sich immer häufiger an Leihmütter aus den USA, Indien und der Ukraine. Die Kompanie Flinn Works recherchierte in den fünf genannten Ländern und stellt sich nun die Frage: Ist Leihmutterschaft ein Segen der Medizin oder eine Kolonialisierung der Körper? "Global Belly" porträtiert Menschen, die Teil des Leihmuttergschäfts sind und zeigt so Intimität, hitzige Diskussionen und Sehnsucht.

Schauspieler des Freiburger Ensembles und der Kompanie Flinn Works stehen in diesem Stück zusammen auf der Bühne. Flinn Works fokussiert sich in ihren Produktionen auf feministische und postkoloniale Themen in einer globalisierten Welt. Die Stücke basieren auf intensiven Recherchen.
Premiere: 13. Juni 2020 im Kleinen Haus
Sparte: Schauspiel
Regie und Konzept: Sophia Stepf und Flinn Works

Jukeboxopera

Wie komponiert man die Vergangenheit, die langsam zur Zukunft wird? Wie vertont man 900 Jahre Geschichte? Wie komponiert man ein Stadtjubiläum? Der Komponist Detlef Heusinger wagt sich an den Versuch – anlässlich des Freiburger Stadtjubiläums. Er verwandelt das Theater Freiburg – gemeinsam mit dem SWR Experimentalstudio in ein Haus voller Musik. Jukeboxopera soll ein chronologisches Musiktheater sein, ein viel-rhythmischer Rausch, eine musikalische Zeitreise.
Premiere: 4. Juli 2020, Großes Haus

Künstlerische Leitung: Detlef Heusinger

Sparte: Musiktheater

In einem tiefen, dunklen Wald…

Prinzessinnen heiraten Prinzen, so ist das halt. Aber wenn es keine gute Wahl gibt, muss man die Sache in die eigene Hände nehmen, denkt sich Prinzessin Henriette-Rosaline-Audora. Um einen mutigen Prinzen zu finden, lässt sie sich von einem Ungeheuer entführen und wartet auf denjenigen, der es schafft sie zu befreien. Als man im benachbarten Königreich davon Wind bekommt, macht sich der Prinz auf die Suche. Doch dieser kehrt erfolglos zurück. Seine Schwester Simplinella hingegen ist sich sicher, dass sie die Prinzessin retten kann und verkleidet sich als Junge um dem nachzugehen. Ein Abenteuer beginnt…

Der adaptierte Roman von Paul Maar ist für Kinder ab fünf Jahren geeignet. Eine Vorstellung des Stücks zur Weihnachtszeit wird in Gebärdensprache übersetzt.
Premiere: 24. November 2019 im Großen Haus
Sparte: Junges Theater
Regie: Miriam Götz