Das perfekte Bewerbungsfoto

Meike Riebau

Tippt man das Wort "Bewerbung" bei Google ein, erscheinen 22 Millionen Treffer. Was für die einen ein lukratives Geschäft ist, ist für die anderen (nämlich die Bewerber) ein wahrer Alptraum. fudder-Autorin Meike hat für euch einen Satz Bewerbungsfotos gemacht und diese von Personalchefs bewerten lassen.



Meine erste Ansprechpartnerin ist natürlich einr Fotografin. Ute Blöd vom Fotostudio S.K.U.B. meint, das wichtigste sei Natürlichkeit. Das ist jetzt so einfach gesagt, aber wie soll man denn um Himmels Willen natürlich blicken, wenn die rechte Schulter unnatürlich vorgeschoben, die andere entspannt gesenkt, der rechte Arm angewinkelt, und dazu der perfekte 70°-Kopf-Winkel eingehalten werden muss? Und wieviel Make-Up ist noch natürlich?


"Je nach Job ist das natürlich unterschiedlich, aber auch hier gilt: Es gibt keine Richtlinie, sondern muss zum Typ passen. Aber etwas Puder ist immer gut, damit die Haut nicht glänzt." Also lasse ich mich kräftig mit Theaterpuder bestäuben und versuche eine souverän-lässige Haltung einzunehmen. Aber halt, was ist eigentlich mit den Haaren? "Laut einer Studie sollen Frauen, die sich bei einem typischen Männer-Beruf bewerben, mehr Erfolgschancen haben, wenn sie einen maskulineren Eindruck machen", so Blöd.'

Also: Haare streng zurück, kein engelhaftes Lächeln, sondern lieber mit geschlossenem Mund lächeln. Zum Glück bewerbe ich mich nicht als Ingeneurin."Der Bewerber sollte auf keinen Fall aus dem Bild herausschauen, sondern den Betrachter anblicken, das ist das allerwichtigste. Meine Meinung nach auch der unverzeihlichste Fehler," so die Fotografin.



Farbige Fotos seien auch immer vorzuziehen gegenüber Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die farbigen würden viel lebendiger wirken. "Bei der Haltung sollte man unbedingt daran denken, gerade in die Kamera zu schauen, wer nach oben schaut, wirkt schnell unterwürfig, wer nach unten schaut, arrogant." Zum Gesichtsausdruck meint sie: "Die meisten Menschen finden sich zwar mir geschlossenem Mund attraktiver, aber sympathischer wirkt definitiv ein offenes Lächeln."



Von künstlerischen Spielereien wie Kopfausschnitten oder gemusterten Hintergründen rät die Expertin auch ab, "es ist besser, das Foto ist klassisch, und die Bewerbung selbst außergewöhnlich".

Die Kleidung soll, natürlich, nicht zu bunt sein, sondern klassisch: Bluse, Blazer beziehungsweise Hemd und Jackett oder Rollkragenpullover."Wobei das natürlich immer darauf ankommt, ob sich jemand als Handwerker oder Manager bewirbt," so Blöd. Die Farbe der Kleidung solle zum Typ passen, und nicht zu bunt sein, ansonsten gebe es in der Hinsicht keine Vorschriften. Also noch ein letztes Mal, diesmal mit dem richtigen Outift, dem richtigen Lächeln, der richtigen Haltung.



Nun gut. Jetzt habe ich also meinen Satz Bewerbungsfotos. Mal sehen, was die Personalleiter dazu sagen.

Überraschenderweise stellt es sich als relativ schwierig heraus, eine Meinung von dieser Seite einzuholen. Dank der Gesetzesänderung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wollen sich drei Personalleiter gar nicht öffentlich äußern, "Ich kann in Teufels Küche kommen, wenn ich Ihnen Auskunft gebe", meint gar eine Mitarbeiterin eines Freiburger Unternehmens. Wer hätte das gedacht, bei ein paar harmlosen Bewerbungsfotos.

Allgemein ist aber festzustellen, dass der Trend wegführt vom Bewerbungsfoto: Ähnlich wie in den USA, wo es sogar verboten ist, ein Foto beizulegen, wollen einige Unternehmen gar keine Bewerbungen mehr mit Foto - es sei zu beeinflussend, so die Begründung. Das internationale Unternehmen Sick etwa, welches auch einen Sitz in der Nähe von Freiburg hat, verlangt Bewerbungen ohne Foto. Hier bekomme ich also keine Bewertung meiner Fotos.

Ines Bertelsmann aus der Personalabteilung des Badischen Verlages hat gerade 300 Bewerbungen für weniger als zehn Ausbildungsplätze erhalten und gesichtet und außerdem über die letzten Jahre einige Erfahrung gesammelt. "Ich habe schon Picknickfotos zugesandt bekommen, oder ein Bild mit der Hauskatze im Arm", berichtet sie. Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass Fotos im Straßenoutfit (siehe oben)  nicht als Bewerbungsfoto taugen, aber leider scheinen das nicht alle Bewerber zu wissen. Von meinen Bewerbungsfoto beurteilt sie das letzte am als am besten gelungen: "Ein offenes, sympathisches Lächeln, der Blick ist gerade, und die Kleidung natürlich viel angebrachter als bei den ersten beiden Fotos".

Wichtig sei auch "eine gepflegte Ausstrahlung". "Nicht wenige schicken Fotos, auf denen sie zum Beispiel fetttriefende Haare haben, das kommt nicht gut rüber," so Bertelsmann. Für sie ist eine Bewerbung mit Foto immer noch aussagekräftiger als eine ohne Foto. "Dann hat man einfach schon einmal eine generelle Vorstellung" sagt sie. Allerdings würden natürlich auch Bewerbungen ohne Fotos bearbeitet. "Wir entscheiden uns nach einer gründlichen Prüfung der gesamten Bewerbung und natürlich des Vorstellungsgesprächs."

Manche Menschen kämen im Gespräch besser, andere einfach nur ganz anders rüber als auf dem Foto. Dennoch sollte man sich Mühe geben mit dem Bewerbungsfoto, denn, "den Unterschied zwischen einer Profi-Aufnahme und einem Laienfoto sieht man einfach," so die Expertin.

Bei dem Arzneimittelhersteller Pfizer dagegen seien Fotos zwar noch üblich, aber völlig unmaßgeblich, so Unternehmenssprecher Martin Fensch. "Es entscheidet allein die Qualifikation der Bewerber."

Also viel Lärm um nichts? Vielleicht. Je höher es hinaufgeht, desto weniger wichtig sind Bewerbungsfotos anscheinend. Umgekehrt wollen andere Personalleiter sich noch nicht einmal zu dem Thema äußern, ganz so unwichtig sind die Fotos also doch nicht. Sie sind "der erste wichtige Eindruck, den der Bewerber hinterlässt", so die Fotografin Blöd. Und den sollte man nicht unterschätzen.

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