Neueröffnung

Das neue Restaurant "Weiche" in Freiburg trainiert Flüchtlinge für Gastro-Jobs

Holger Schindler

Am 7. Februar eröffnet das Restaurant "Weiche" auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal. Die Besonderheit: Hier lernen Geflüchtete und Arbeitslose Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt.

Die Idee klingt naheliegend. Während in der regionalen Gastronomie händeringend Service- und vor allem Küchenpersonal gesucht wird, haben viele Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose Mühe, einen Job zu finden, weil es ihnen an den nötigen Fertigkeiten und professionellen Auftreten mangelt. Das neue Restaurant "Weiche" in der Güterhallenstraße 4 auf dem Güterbahnhofareal will hier Abhilfe schaffen. Dort sollen in Zukunft Menschen mit wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Jobs im Gastgewerbe fit gemacht werden.


Arbeitsplätze für Geflüchtete und ALG-II-Empfänger

Am Donnerstag, 7. Februar, wird das Lokal mit 40 Plätzen drinnen und 24 draußen eröffnet. Zuvor war dort das Restaurant "Güterhalle 04". Dessen Betreiberin Claudia Simon ist nun die Vermieterin. Für die Gäste, so das Konzept, erscheint die "Weiche" zunächst als ganz normales Restaurant mit regionaler Kost, bereichert um mediterrane und asiatische Elemente.

In der Küche und im Service werden künftig allerdings Flüchtlinge und Empfänger von Arbeitslosengeld II arbeiten, um sich für die Integration in den Arbeitsmarkt qualifizieren.

Betreiber ist die ORS-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in der Schweiz. Die "Organisation für Regie- und Spezialaufträge" ist ein 1992 gegründeter Dienstleister, der sich in der Schweiz sowie in Österreich, Deutschland und Italien kommerziell um die Betreuung von Flüchtlingen kümmert. In Löffingen und in Breisach betreibt ORS derzeit Flüchtlingsunterkünfte. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben etwa 1300 Menschen. In Deutschland gebe es derzeit knapp 85 Mitarbeiter, die Zahl werde sich aber schon bald auf 115 erhöhen, sagt Carolin Wälz-Fabregon (37), Co-Geschäftsführerin von ORS in Deutschland.

Das Ziel: Den Weg in eine Ausbildung erleichtern

"Der Weg in ein von staatlicher Unterstützung unabhängiges Leben führt über den Arbeitsmarkt", sagt Wälz-Fabregon. Anerkannte Flüchtlinge und Empfänger von Arbeitslosengeld II sollen in der "Weiche" praktische Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln können – sobald die Verhandlungen mit der Arbeitsagentur und die Anerkennung durch die Industrie- und Handelskammer abgeschlossen seien. Wälz-Fabregon bemüht sich darum, die sechs- bis neunmonatigen Trainingsaufenthalte als Teilausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe zertifiziert zu bekommen. Inhaltlich orientiert sich das Training an diesem Lehrberuf, wobei die Teilnehmer zwischen den Modulen Service und Küche wählen können.

"Besonderes Augenmerk haben wir auf die Auswahl des Personals gelegt, das nicht nur fachlich gut sein muss, sondern auch gut im Vermitteln der nötigen Fertigkeiten", erklärt Carolin Wälz-Fabregon. Dazu wurden die Bewerber in ORS-Trainingsrestaurants in der Schweiz getestet. Dort laufen zwei solche Einrichtungen bereits seit einigen Jahren. Aktuell befänden sich dort mehr als 40 Menschen in Trainingsmaßnahmen. Die Vermittlungsquote in den Arbeitsmarkt betrage gut 70 Prozent. Bei der "Weiche" übernimmt die Küchenleitung Mehmet Koc, das Integrationsmanagement Sophie Körte.

Die Finanzierung erfolge über Mittel der Arbeitsagentur – zu rechnen sei mit 5 bis 6 Euro Zuschuss pro Teilnehmer pro Stunde aus der der Kasse der Arbeitslosenversicherung. Bis zu zehn Teilnehmer sollen gleichzeitig im Einsatz sein. Diese müssten schon gewisse Deutschkenntnisse mitbringen. "Aber das Lokal soll auch aus dem laufenden Betrieb einen positiven Finanzierungsbeitrag liefern", so Carolin Wälz-Fabregon.
Weiche
Güterhallenstraße 4
Freiburg

Öffnungszeiten

ab 7. Februar 2019
Montag bis Freitag

8 bis 17 Uhr

Warme Küche von 11 bis 14.30 Uhr