Das Konrad Bogen Trio spielt am Dienstag bei Jazz ohne Stress im Waldsee

Bernhard Amelung

Wer sich mit Jazz beschäftigt, ist von Toten umgeben. Louis Armstrong, Miles Davis, Dave Brubeck zum Beispiel. Warum Konrad Bogen das nicht als Ballast empfindet und was ihm Kendrick Lamar bedeutet, erzählt der 19-jährige Jazzmusiker im Interview.

Louis Armstrong, Miles Davis, Dave Brubeck. Wer sich mit Jazz beschäftigt, ist von lauter Toten umgeben. Wie fühlst du dich dabei?

Konrad Bogen: Das gilt noch viel mehr, wenn man sich mit klassischer Musik beschäftigt. (Lacht).

Ich sehe das allerdings nicht als Ballast. Ich finde es super spannend, dass ich mich mit der Musik dieser Vorkämpfer und Vorbilder beschäftigen kann. Es ist genial, dass es Aufnahmen gibt, wie diese Musiker ihre Stücke gespielt haben. Ich bin sicher, es würde die Klassik verändern, hätten wir Aufnahmen, wie zum Beispiel ein Debussy seine Stücke gespielt hätte.

Stichwort Debussy. Hast du mit klassischer Musik begonnen?

Bogen: Ja. Ich spiele für mich auch weiterhin Werke der klassischen Musik.

Welche Jazzmusiker beeindrucken dich?

Bogen: Robert Glasper. Seine Musik habe ich früher sehr viel gehört, und ich mag ihn auch heute noch sehr. Und dann vor allem Bill Evans. Evans ist für mich das Nonplusultra. Ich kann gar nicht genug hören von ihm.



Du coverst einen Bill Evans genauso wie einen Kendrick Lamar. Wo verortest du dich musikalisch selbst?

Bogen: Ich versuche, alles in meiner Musik zu verarbeiten, was ich selbst gut finde. Ich suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Genre. Was sich daraus ergibt, weiß ich zu Beginn des Musikmachens und Komponierens noch nicht. Das entsteht spontan und jedes Mal neu. Manchmal spiele ich mit meinem Trio auf Veranstaltungen klassischen Jazz. Dann wieder haben wir bei unseren Konzerten einen Rapper dabei. Dazwischen entsteht unser eigener Sound. Das finde ich auch gar nicht abwegig. Auch ein Kendrick Lamar arbeitet mit vielen Jazzmusikern zusammen, Robert Glasper, Thundercat, und so weiter.

Auf Facebook gibt es ein Video, in dem du ein Stück von Michael Jackson aufgreifst. Welche Rolle spielt der King of Pop für dich?

Bogen: Ich kann nicht sagen, dass seine Musik einen großen Einfluss auf mich nimmt. Ich bin allerdings mit der Musik von Earth Wind & Fire, Beatles und eben auch Michael Jackson aufgewachsen, aber auch mit Klezmer und dem klassischen Repertoire.

Welche Geschichte steckt hinter "Transit", dem Titel deines Debütalbums?

Bogen: Das Album ist in einer Zeit entstanden, als ich nicht mehr zuhause, aber auch noch nicht in Berlin gelebt habe. Rund drei Monate, in denen ich viel in Zürich im Studio geprobt habe. Natürlich spielt auch hinein, dass ich mich musikalisch zwischen den Welten bewege. Dass sich in meiner Musik alles verbindet und verschmilzt. Arabische Musik, HipHop, Jazz.

Du lebst in Berlin, reist viel, warst unter anderem auch in Israel. Wie nehmen diese Orte Einfluss auf deine Musik?

Bogen: Schon ziemlich.

Und zwar?

Bogen: Ich sehe immer neue Sachen und habe immer neue Eindrücke. Ich komme ja ursprünglich aus Konstanz. In Zürich war ich schon immer, als ich noch zur Schule ging. Ich habe dort in Bands gespielt, dort war die Szene, in der ich außerhalb meiner behüteten Kleinstadt unterwegs war. Nach Berlin zu ziehen, hat mit mir sehr viel gemacht, nicht nur musikalisch. Das ist komplett anders.

Was lernst du auf den Reisen, was dir Schule und Universität nicht vermitteln können?

Bogen: Wenn man auf andere Menschen zu geht und mit ihnen musiziert, baut man sehr viele Vorurteile ab. Dazu kommt für mich, ganz pragmatisch gesagt, die Selbständigkeit. Das lernt man nicht, wenn man zuhause bleibt.



Wie gehst du vor, wenn du ein Musikstück schreibst?

Bogen: Das ist von Stück zu Stück anders. Auf meinem Album "Transit" gibt es ein Stück mit dem Titel "Tarab". Das ist zum Beispiel aus einer ganz konkreten Idee heraus entstanden. In der arabischen Musik gibt es einen Rhythmus, der in der brasilianischen Musik genau so vor kommt. Wenn man ihn auf einer anderen Zählzeit beginnt, ist es ein Samba-Rhythmus. Wenn mir so etwas auffällt, notiere ich es mir und versuche, daraus etwas Eigenes zu machen.

Hast du die Motive alle im Kopf, wenn du dich ans Klavier setzt?

Bogen: Es kommt selten vor, dass ich bei Null anfange. Sobald ich eine Idee habe, schreibe ich sie nieder oder nehme sie mit dem Handy auf. Ich habe immer eine Ideensammlung, auf die ich zurückgreife.
Konrad Bogen

"Hi, I"m Konrad, I"m 19 and I play instruments". So stellt sich der 1999 in Konstanz geborene Jazzmusiker und komponist auf seiner FacebookSeite selbst vor. Seit Oktober 2017 studiert er am Jazz Institut Berlin. Mit Samir Böhringer (Drums) und Mischa Frey (Bass) bildet er das Konrad Bogen Trio, das HipHop, Klezmer, arabische Musik und Jazz zusammenführt. 2017 eröffnete er auf dem Jazzopen Stuttgart die Konzerte von Norah Jones und Jamie Cullum. Sein zweites Album "Transit" ist im März 2018 erschienen.

  • Was: Jazz ohne Stress w/ Konrad Bogen Trio
  • Wann: Dienstag, 21. August 2018, 21 Uhr
  • Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, 79117 Freiburg

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