Das Kollektiv Unconscious Collections zeigt eine Performance zum Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina

Bernhard Amelung

Seit 1995 herrscht in Bosnien-Herzegowina Frieden. Der Bürgerkrieg zeichnet die Bevölkerung jedoch bis heute. Das Kollektiv Unconscious Collections nähert sich dem Unsagbaren dieses Kriegs in einer Performance zu sehen an diesem Donnerstag im Waldsee.

Im April 1992 brach der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina aus. Bis zum Friedensschluss mit dem Abkommen von Dayton im November 1995 forderte er über 100.000 Tote. Über die Hälfte der 4,3 Millionen Einwohner des Vielvölker- und Vielreligionenstaates musste fliehen oder wurde vertrieben; rund eine Million innerhalb Bosniens, etwa 1,2 Millionen ins Ausland. Tod und Trennung von Bezugspersonen, das Erleben von Zerstörung, Leid und Elend: Diese Traumata zeichnen die Bevölkerung bis heute.


Mit dem Bürgerkrieg und seinen Folgen setzt sich das Kollektiv Unconscious Collections unter Leitung von Konstantin Dupelius auseinander. Dupelius hat von 2010 bis 2018 an der Musikhochschule Freiburg Klavier, Jazz-Klavier und Musikpädagogik studiert. Im Oktober 2017 und März 2018 reiste er zusammen mit Musikerinnen und Musikern, begleitet vom Dokumentar- und Porträtfilmer Christopher Buehler, nach Bosnien.

Sie trafen Musikerinnen und Musiker, sprachen mit ihnen über das Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Über die Bewältigung des Erlebten, Erinnerungen und die fortwährende Präsenz des Krieges in der Gegenwart. Immer noch gelten über 6500 Menschen als vermisst. In Städten und Dörfern stehen verlassene, von Bomben zerlöcherte Häuser.



Das Ergebnis ihrer Recherchereise, die Lebensgeschichten der Musikerinnen und Musiker in Bosnien, bildet die Grundlage für die Performance, die an diesem Donnerstag im Waldsee zu sehen ist. Sie verbindet konzertante Elemente mit Tanz und Videokunst. Sie erklärt den Bürgerkrieg nicht. Sie lässt ihn als etwas nicht Verstehbares, vielleicht sogar Unsagbares dastehen. Unconscious Collections eben, eine Sammlung unbewusster Vorgänge, die nicht rational zu erklären sind. Für den Soundtrack, in dem klassische und elektronische Musik, aber auch Volksmusiken des Balkans einfließen, sorgen Jonas Urbat, Konstantin Dupelius und der bosnische Musiker Nedim Zlatar.


Alle beteiligen Künstlerinnen und Künstler

Musik: Nedim Zlatar, Jonas Urbat, Konstantin Dupelius
Tanz: Olivia Ronzani, Donia Sbika
Video: Christopher Buehler
Szenische Beratung: Anna Renner
Choreographie: Anna Petzer, Viola Schmitzer
Bühne und Kostüm: Hannah Ebenau

  • Was: Unconscious Collections
  • Wann: Donnerstag, 14. Juni 2018, 20.30 Uhr
  • Wo: Waldsee, Waldseestr. 84, 79117 Freiburg

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