Das ist Hans Entertainment, Südbadens größter Facebook-Star

Daniel Laufer

Christopher Hans aus Kenzingen erzählt in absurden Selfie-Videos aus seinem Leben, hat in den vergangenen drei Wochen mehr als 10000 Facebook-Likes gesammelt und konvertierte vor einem Jahr bei der Veranstaltung eines salafistischen Hasspredigers zum Islam. Wie bitte? Ein Interview:



Er filmt sich in seinem Zimmer oder im Zug, spricht zum Beispiel über seine Musikanlage oder oder fährt Boxautos auf der Freiburger Messe, ruft zusammenhanglos "Amina koy" oder "So true" dazwischen. "Hans Entertainment" ist ein Facebook-Phänomen: Seit dem 20. Mai hat er mit seiner Seite über 10000 Likes gesammelt. Dahinter steckt Christopher Hans aus Kenzingen, 21 Jahre alt, 205 Zentimeter groß und 214 Kilogramm schwer.


Bist Du eine Kunstfigur?

Christopher Hans: Es gibt ja solche und solche Kunst, aber ich betrachte mich jedenfalls nicht als Kunstfigur. Ich bin aber auch nicht wie man mich in den Videos sieht. Das meiste spiele ich ein bisschen. Das gefällt den Leuten. Wenn man mich so irgendwo trifft, bin ich eigentlich ganz anders drauf.

Wie denn?

Gechillt. Ich genieße das Leben. Amina koy!

Du sagst das in Deinen Videos ja immer. Was bedeutet "Amina koy"?

Das will ich jetzt nicht so gerne sagen. Ich weiß nicht, ob das so gut ankommt, es ist eine Beleidigung.

Wo hast Du das her?

Ich habe das von Gillette Abdi abgekupfert. So wie ich das sage, ist es aber eigentlich gar nicht richtig. Es heißt in Wirklichkeit "Amina koyim". Ist aber halt mein Markenzeichen.

Du redest immer von "Thug life", kommst aber aus Kenzingen. Da geht "Thug life"-mäßig nicht so viel, oder?

Nein, eigentlich nicht. Das ist ein 8000-Seelen-Städtchen.

In Deinen Videos sieht man oft eine riesige Musikanlage, die Dein halbes Zimmer einnimmt. Was hat’s mit der auf sich?

Die habe ich mir über die Jahre zusammengestellt. Für 7500 Euro kannst du einiges verlangen. Ich bin ein ziemlicher Audiofanatiker. Es gibt ja Leute, die nur bei lauter Musik entspannen können. Bei mir ist nicht mal die Musik an sich wichtig, sondern dass der Bass richtig drückt. Dann schlafe ich innerhalb von zwei Minuten ein. Das ist wie wenn du einem Baby ein Schlaflied vorsingst. Nur, dass mein Schlaflied unter 50 Hertz liegt.

Wie kamst Du auf die Idee, diese Facebook-Seite zu erstellen?

Aus purer Langeweile. Ich bin zurzeit arbeitslos, habe keinen Schulabschluss und wollte einfach mal eine sinnvolle Beschäftigung. Natürlich hätte ich nie gedacht, dass "Hans Entertainment" so gut ankommt. Die Seite hat jetzt 10000 Likes - und es werden immer mehr.

Was gefällt den Leuten daran?

Wahrscheinlich, dass ich mich ein wenig dummstelle. Mehr fällt mir auf die Frage jetzt nicht ein.

Was hat Deine Seite so bekanntgemacht?

Ich trinke gerne mal gekühlte Kaffees - also habe ich da so ein Video draus gemacht. "Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr keine gekühlten Kaffees mehr habt - aber gerade 20 neue gekauft habt? So true!" Das Video hat dann 2000 Facebook-Likes bekommen. Der Rapper Summer Cem hat es geteilt, auch Sinan-G. Mit dem habe ich jetzt sogar Kontakt. Vielleicht kommt da noch was nach. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass Kollegah es teilt.

Wie kommst Du auf die Sachen, die Du in den Videos sagst?

Die schießen mir einfach quer durch den Kopf und bleiben da. Dann sage ich sie einfach! Eben zum Beispiel "so true".

Wie reagieren die Leute, wenn sie Dich auf der Straße sehen?

Sie grinsen mich an und fragen: "Hey, bist Du der Hans Entertainment?" Und ich so: "Ja, natürlich." Und dann sagen alle: "Geil, können wir ein Selfie mit dir machen?" Mittlerweile habe ich über 2000 solcher Selfies gemacht! Ich war vor zwei Tagen in München und selbst da haben sie mich erkannt. Neulich habe ich auf der Freiburger Messe ein Fantreffen gemacht - da kamen 20 Leute. Das nächste findet bald in einer Shisha-Bar in Karlsruhe statt.

Lässt sich mit "Hans Entertainment" Geld verdienen?

Bis jetzt noch nicht. Aber einige haben schon zu mir gesagt: "Du bist so gut, dass du aus Scheiße Geld machen kannst." Sorry, wenn ich das so unverblümt sage.

Ich habe jetzt eine Marketing-Agentur aus Leipzig an der Hand. Wenn es weiter so gut läuft, wird es bald ein Album mit meinen Songs geben. Außerdem wird man Merchandise-Artikel kaufen können - Sonnenbrillen, T-Shirts mit meinen Sprüchen drauf, Slips für die Damenwelt. Muss ja auch sein, ne?

Vor kurzem habe ich mich für die Abnehm-Sendung "The biggest loser" beworben - ich wiege 214 Kilogramm. Bis jetzt kam aber noch keine Nachricht. Jetzt will ich auf YouTube, um auch dort den Hype zu bekommen.

Was hast Du vor?

Ich treffe mich mit Steven Haller von "Freiburger FreeEntert4inment". Das sind zwei Cousins, die wie "Die Lochis" YouTube-Videos über allen möglichen Scheiß machen. Mit mir wird dann auch eines entstehen. In Zukunft will ich eigene "Let’s plays" machen, Kochvideos und Clubbewertungen.

Meine Vorbilder sind Gronkh und Sarazar. Mit denen würde ich gerne mal in Kontakt treten, damit man gemeinsam was starten kann. Ich will so berühmt werden wie sie und dann wie die "Superhomies" durch die Welt reisen. Ich liebe andere Länder!



Vor einem Jahr waren die Salafisten Pierre Vogel und Sven Lau in Freiburg - beide verschrien als Hassprediger. Lau kam damals gerade aus der U-Haft. Mit ihm neben Dir auf der Bühne bist Du zum Islam konvertiert. Wieso?

Wenn ich das noch so genau wüsste... Ich kann gar nicht sagen, was mich da geritten hat. Das war eine Phase von mir - genauso wie ich auch eine rechtsradikale Phase hatte. Ich weiß - das hört sich jetzt ein bisschen komisch an. Ich bin da von einem Unglück ins Andere gefallen. Ich glaube, ich habe einfach Zeit gebraucht, um mich selbst zu finden - wie jeder andere auch.

Ganz am Anfang war ich in der arabischen Moschee an der Habsburgerstraße. Die haben gesagt: "Komm mit zu Pierre Vogel!" Sven Lau hat mich dann gleich erkannt - hat wohl gedacht, ich steche ein bisschen aus der Masse heraus. Also hat er mich auf die Bühne geholt.

Zwischendrin hat mir das auch gefallen - die Leute haben mich gefeiert. Stell dir vor: Du stehst auf dem LKW, vor dir sind mehr als 200 Leute, du schreist "Takbīr!" und alle schreien darauf "Allahu akbar". Da fühlst du dich schon wie ein kleiner Diktator.

Das ist aber ziemlich unreflektiert, oder?

Ja, schon.



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[Foto 1: Daniel Laufer, Foto 2: Konstantin Görlich]