Das fudder-Bräu: Ein Bier bitte, selbst gebraut!

Marc Röhlig

Warum Bier kaufen, wenn man es selbst machen kann? Hopfen, Malz, Wasser und warten. fudder-Autor Marc testet ein Selbstbrau-Kit für Einsteiger aus dem Internet. Und die fudder-Crew durfe, nein: musste, das Ergebnis probieren.

Die fudder-Redakteure testen also mein Bier. Und ihre letzten Worte vor dem Plopp der Flasche lauten: „Wer hat Lust auf Magendarmverstimmung?“, „Ich habe ja ehrlich Angst vor dem Zeug“ und „Sicher, dass du alles richtig gebraut hast?“


Ich gebe zu, ich habe es nicht so mit chemischen Reaktionen. Oder mit Physik. Ein eigenes Bier zu brauen ist daher ein Abenteuer für mich. Hefegärung, Gärröhrchen, Biersud – alles Begriffe die zwar spannend klingen aber auch tückisch. Ich bestelle mir daher bei einem Spezialversand im Internet das „Bierbrauset für Anfänger“. Es gibt dort auch das „Geschenk ‚Deluxe‘ Startpaket“ oder das „Weinstarterpaket“ oder das „Feierabend-Set“.

Die Zubehörlisten werden von Set zu Set länger: Rührspatel, Hydrometer, Gärröhrchen mit Gummimuffe. Es mag sein, dass das Bier leckerer wird, je professioneller und je ausgerüsteter man es braut. Aber in meinem Fall als Brau-Rookie gilt: Es wird so sein, dass das Bier erträglicher wird, je weniger ich daran rumwerkeln kann.

Im Anfängerpaket gibt es daher überschaubare sechs Brauteile: einen 30-Liter-Eimer mit Deckel und zwei kleinen Löchern. Einen PVC-Auslaufhahn und ein Gärröhrchen. Hinzu kommen noch eine Konservendose mit der Aufschrift „Muntons Premium Pilsner“ und ein kleines Päckchen mit Hefe. Und noch eine Brauanleitung, elf Seiten stark bedruckt mit Passagen wie: „Der Wert 1000 entspricht klarem Wasser, 1040 entspricht 10 % Gehalt an Extratstoffen; auch besser bekannt als 10 % Stammwürzgehalt.“

Schritt eins: Alles rein in den Topf!

Der Brauprozess beginnt zunächst mit Saubermachen. Ich soll sämtliche Utensilien sterilisieren und reinigen. Da der Braueimer so groß ist, dass man eine Yucca-Palme hineinpflanzen könnte, weiß ich nicht so recht, wie der sterilisiert wird. Ich wasche ihn einfach unter der Dusche aus. Dann geht’s los: Für mein Biererlebnis brauche ich zunächst zwei Liter kochendes Wasser und den Inhalt der Konservendose. Zwei Töpfe und ein Wasserkocher sorgen für die zwei Liter, dann wird mein Brotschneidemesser zum Dosenöffner.

Ich hatte eigentlich getrockneten Hopfen erwartet oder irgendwas anderes Krümeliges, aber der Inhalt der „Muntons Premium Pilsner“-Dose ist eine schleimige, braune Paste. Vom Geruch erinnert es mich an überwürztes und angebranntes Essen, aber dennoch irgendwie appetitlich. Die Paste ist wohl das, was man beim Brauen den Sud nennt – also das, was aus Hopfen und Würze, dem Rest der Malzmaische, gekocht wird. Ich schaue auf meinen Sud herab: Beim Umrühren wird das Zähflüssige fließend und das Braune hellgelb.



In der Anleitung gibt es nun zwei Wege: Nach dem Reinheitsgebot und frei Schnauze. Ich muss mich für die zweite Variante entscheiden, denn zum ersten Weg fehlen mir Zubehörteile, die das Anfänger-Kit nicht mitliefert. Und das heißt: Wasser und Zucker nachschütten. Für circa 4,5 % Alkoholgehalt brauche ich laut Brauanleitung ein Kilogramm Zucker und noch 15,5 Liter Wasser. In meiner Küche sortiere ich Töpfe, Gläser und alles, was als Wasserbehälter taugt, bis ich genügend Liter beisammenhabe, um sie nacheinander in den Braueimer zu schütten. Es sieht aus wie eine Polterabendvorbereitung.

Schritt zwei: Lebt es?

Nachdem alles im Eimer ist, kommt noch die Hefe ins Gemisch. Es ist eine kleine Tüte mit grauen Krümeln. Pilze. Die nun mit dem Biersud verschlossen werden und dann den Gärprozess einleiten. Zunächst soll ich den Deckel einen Tag offen lassen, damit die Hefepilze Luft bekommen. Ab dann wird der Eimer verschlossen – allerdings habe ich noch das Gärröhrchen oben aufgepfropft. Ich weiß nicht genau, was es macht, aber es sieht professionell aus. Nach zwei weiteren Tagen setzt, so die Anleitung, der Brauprozess ein. Und ich soll dem Gärröhrchen eine rote Verschlusskappe aufsetzen.

Dann eine Woche warten.

Warten.

Und warten.

Mein Zimmer saugt sich über die Zeit mit einem seltsamen Mix aus „Lecker! BIER!“ und „Pfui. Schimmelpilz“ voll. Ansonsten gärt das Bier lautlos vor sich hin. Die Hefepilze tun ihre Arbeit, nehme ich an, und ohne irgendwelches Geblubber steht der Eimer in meiner Küche. Nach sieben bis acht Tagen müsste die Hauptgärung abgeschlossen sein, sagt die Anleitung. Ich warte sicherheitshalber bis zur Zehn. Nicht, dass ich den Hefepilzchen nicht traue – aber wenn da in der Brauanleitung mit einem Konjunktiv gearbeitet wird, gehe ich lieber kein Risiko ein.

Nach zehn Tagen warten fühlt sich das Öffnen des Braueimerdeckels wie das indianajonesige Öffnen einer Schatztruhe an: Leuchtet mir gleich goldgelbes Pils entgegen? Bringt mich der Geruch von Gerstensaft direkt um den Verstand? Na ja. Es war dann doch nicht so. Das Bier sieht aus wie etwas, das das Privatfernsehsender als Beweisbilder für verwahrloste, Sozialhilfe-Zustände abfilmen würde. Aber dafür riecht es herrlich. Und ich freue mich wie ein kleiner großer Junge.

Schritt drei: O’zapft is…

Im Set wurden mir extra Bierflaschen mitgeliefert. Ich schiebe also Flasche für Flasche unter den Zapfhahn und lasse vorsichtig meine Schöpfung hineinfließen. Nachwürzen – ganz unreinheitsgebotig – mache ich wieder mit Zucker. Ein halber Teelöffel soll in eine Flasche, dann schnell den Schnappverschluss drauf. Zuviel Zucker darf es nicht sein, sonst explodiert die Flasche. Zu wenig auch nicht, sonst gibt es keine Nachgärung.



Mein Bier, nennen wir es „fudder-Bräu“, lagerte nun gut vier Wochen im Redaktionskühlschrank. Und die fudder-Crew machte Plopp: „Oh, das schmeckt ja ehrlich gut“, „Das, das hat etwas von orange im Nachgeschmack, schön herb auf jeden Fall“ und „Kann ich mir davon noch eine Flasche mitnehmen?“