Online-Plattform

Das Fleisch-Start-Up Cowfunding konzentriert sich ab sofort auf alte Nutztierrassen

Gina Kutkat

Essen statt vergessen – nach diesem Prinzip arbeitet Cowfunding Freiburg seit 2017. Das Start-Up hat sein Konzept nochmals angepasst und fokussiert sich ganz auf alte Nutztierrassen. Mittlerweile kann man das Cowfunding-Fleisch deutschlandweit bestellen.

Fleisch und Nachhaltigkeit, wie passt das zusammen? Eine Frage, die das Start-Up Cowfunding seit 2017 zu beantworten versucht. "Wir wollen nicht nur Fleisch verkaufen, sondern auch Bildungsarbeit mit einbringen", sagt Niklas Kullik von Cowfunding. Vor zwei Jahren ging die Online-Plattform an den Start und ermöglicht es seitdem Freiburgerinnen und Freiburgern, Fleisch von Tieren aus der Region zu bestellen. Seit September ist das auch deutschlandweit möglich: Wer beispielsweise in Hamburg wohnt und Fleisch aus dem Schwarzwald essen möchte, bekommt ein vakuumiertes Päckchen nach Hause geliefert – in einer umweltfreundlichen Isolierverpackung aus Hanf.

So funktioniert Cowfunding

Ein Landwirt bietet auf der Online-Plattform ein Tier an und ein neues Cowfunding beginnt. Kunden bestellen sich ihr Paket Fleisch: Es gibt die Größen S (3 Kilo), M (5 Kilo) und L (8 Kilo). Ein Kilo Fleisch kostet 25 Euro. Sobald alles verkauft ist, geht es zum Metzger Schmidt nach Wittnau. Ein Liefertermin wird auf der Website mit angegeben. Nachdem das Tier geschlachtet wurde, wird es zerlegt, verpackt und verschickt. Wer im Umkreis von Freiburg wohnt, kann sich seine Bestellung auch direkt in Freiburg in der Wiehre-Filiale der Metzgerei Schmidt abholen. Das Fleisch ist tiefgekühlt bis zu mehrere Monate haltbar.

Bei Cowfunding geht es um die gemeinsame Finanzierung ("funding") einer Kuh ("cow"). Das Besondere: Die Kundinnen und Kunden suchen sich ihr Tier online aus, bestellen dann ein Päckchen Fleisch und verfolgen im Internet live mit, wie viel Prozent des Tieres verkauft sind. Die Wartezeiten betragen in der Regel drei bis vier Wochen, denn das Tier kommt erst zum Schlachter, wenn alle Teile verkauft sind. In der Test- und Pilotphase von Cowfunding kam es in der Vergangenheit zu längeren Wartezeiten, das soll ab sofort nicht mehr passieren. Cowfunding arbeitet aktuell mit acht Landwirten aus der Region zusammen, die ihre Tiere artgerecht halten und ihnen kein genverändertes Futter geben. "Fleisch ist ein umstrittenes Thema. Wir ermutigen die Leute, gutes Fleisch zu essen, von dem sie wissen, wo es herkommt", sagt Kullik.

Es geht dem Team von Cowfunding dabei nicht nur um die Debatte ums Fleischessen, sondern auch um Artenvielfalt und faire Preise für die Landwirte. "Nachhaltigkeit und Verantwortung – sich selbst und der Gesellschaft gegenüber – haben bei uns höchste Priorität", sagt Niklas. Deshalb sind ab sofort über Cowfunding nur noch alte Nutztierrassen wie das Hinterwälder- oder das Vorderwälder Rind im Angebot. Arten, die für bestimmte Regionen gezüchtet wurden, wie zum Beispiel das Hinterwälder Rind, das mit seinen kurzen Beinen und dem dicken Fell ideal für die Bedingungen im Schwarzwald ist. Heute sind solche Arten vom Aussterben bedroht, weil sie durch den Druck der Nahrungsmittelindustrie durch wenige Hochleistungsrassen verdrängt werden.

Alte Nutztierrassen erhalten

"Artensterben geschieht nicht nur im Amazonas, sondern auch vor der eigenen Haustür", so Niklas. "Nur zwei von 22 einheimischen Rinderrassen machen 76 Prozent des ganzen Bestandes aus." Durch die Konzentration auf Nutztierrassen und die Expansion in andere Teile Deutschlands sollen durch Cowfunding noch mehr alte Rassen gefördert werden. "Wir würden gerne noch eine alte Schweinerasse mit in unser Portfolio aufnehmen", so Niklas. Diese sei aber nur in anderen Regionen zu finden – wie zum Beispiel das Schwäbisch-Hallische Landschwein aus dem Nordosten Baden-Württembergs. Ein nächster Schritt soll sein, Partnerbetriebe in anderen Regionen zu finden und dort kleine Ableger des Freiburger Cowfundings zu gründen.

Seit dem Start der Plattform im Jahr 2017 ist es dem Team ein weiteres wichtiges Anliegen, dass die Landwirte fair bezahlt werden. Sie bekommen im Durchschnitt 40 Prozent mehr Geld für ihr Fleisch, wenn sie es über Cowfunding verkaufen. Bei jedem Kauf kann der Kunde außerdem entscheiden, ob er für ein paar Euro zehn Prozent mehr an den Landwirt zahlen und zusätzlich noch klimaneutral einkaufen will.

Das Cowfunding-Projekt wurde von Moriz Vohrer ins Leben gerufen, als dieser den Hof seiner Eltern im Münstertal übernahm und die schwierige Lage der Landwirtschaft im Schwarzwald kennenlernte. Er erfuhr, wie wenig Geld er für ein Lamm beim Metzger bekam und begann, seine Lämmer online zu vermarkten. Als ihn ein benachbarter Landwirt fragte, ob er das Gleiche auch für dessen Kühe machen könnte, war das der Startschuss für Cowfunding. Mittlerweile arbeiten drei Leute an dem Projekt, neben Moriz Vohrer und Niklas Kulllik ist noch die Pressemitarbeiterin Annika Burger im Team. Zuletzt erhielt Cowfunding Mitte 2019 eine Förderung von 90.000 Euro durch den Innovationsfonds von Badenova.
Das Projekt

Die Idee zu Cowfunding hatte Moriz Vohrer Anfang 2017, gegen Ende des Jahres ging das Projekt an den Start und erhielt eine Förderung von 35.000 Euro durch das Unesco Biosphärengebiet Schwarzwald; außerdem wurde die Idee mit dem Ökonauten-Förderpreis des Grünhof ausgezeichnet. Nach einer Pilotphase im Jahr 2018 wurde das Konzept nochmals angepasst: Mit dem Fokus auf alte Nutztierrassen, mehr Produkten und dem deutschlandweiten Versand.

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