Das Familienfest

Tom Lissy

Kuschelig ging es am vergangenen Wochenende im Colombi-Park daher: Die Sommerlust 2001, der Freiburger CSD, hatte wenig bis gar nichts Aufgedrehtes, Kreischendes oder Schrilles, sondern war ein entspanntes, sonnenbeschienenes Fest im Kreis der Familie.



Die Sommerlust zeigte sich Samstagmittag mäßig besucht und fast noch verkatert vom freitäglichen „Warm-Up Day“ an dem das Fest eröffnet wurde. Zahlreiche Partys hatten im Anschluss an den Eröffnungsabend reichlich Gelegenheit zum gepflegten Ausgelassensein gegeben.


Die Stände der einzelnen Vereine wie den Rainbow Star aus Lörrach, der AIDS Hilfe oder der Rosa Hilfe waren aufgebaut und durch den Colombipark streiften vereinzelte Neugierige, die die Sommerlust auf jeden Fall von Anfang an mitbekommen wollten.

Der erste Programmpunkt, die Podiumsdiskussion, fiel leider aus. Keiner wusste genau warum aber es schien auch niemand wirklich zu stören. Auch den Schirmherren Dieter Salomon konnte man auf der Sommerlust nicht ein Mal entdecken.

Das erste Highlight des Samstages musste leider auch ein wenig nach hinten verschoben werden. Denn die Band WIR, die um 14 Uhr planmäßig mit ihrem Konzert angefangen haben, mussten nach dem ersten Lied wieder abbrechen, weil es Probleme mit einem Instrument gab, die leider erst nach einer guten Stunde gelöst werden konnten.

Dann aber stand das vielversprechendste junge Trio der Regio auf der Bühne und legte los. Und siehe da: Es war ein bisschen als würden die drei Jungs die Sommerlust aufwecken. Man wippte mit, der Eine oder Andere konnte sogar mitsingen und auf den Wiesen des Colombi Parks saß die „Queer Community“ auf Decken in der Sonne und lauschte.

Getrübt wurde diese Freude nur durch die Bekanntmachung von Sänger Nico, dass der Drummer die Band leider nach den anstehenden Terminen verlassen werde und derzeit noch nach einem Ersatz gesucht wird.

Die Sonne stieg höher und immer mehr fanden sich im Colombi Park ein, um bei Kaltgetränken "im Kreise der Familie" ein wenig zu feiern.

Passend dazu gab es musikalische Berieselung von Matthew Aarons am Piano. Eine Mischung aus eigenen Liedern, Cover-Versionen von Tori Amos, Regina Spector und Nirvana, einer samtigen Stimme und den tollsten Strümpfen on Stage bei der Sommerlust konnten das Publikum größtenteils überzeugen.

Eine Frage ließ er jedoch offen: Wieso hat der Stuttgarter Bub die Ansagen alle ausschließlich auf Englisch gemacht? Das finde ich schon bei Gentleman immer eher "schwierig"… Schade war allerdingsa, dass es dieses Jahr zwischen den Live-Acts keinen DJ gab, der die Stimmung in den Umbaupausen etwas hochpeitscht. Zwar wäre das Fest dann vielleicht nicht so gechillt gewesen, aber diejenigen, die mit Live-Musik gar nichts anfangen können, wären vielleicht ein wenig mehr auf ihre Kosten gekommen.

Noch eine weiter Umbaupause und der letzte Programmpunkt des Abends, die Band Acoustical South beschloss den Abend mit unaufgeregter, angenehm plätschernder Live-Musik.



Alles in allem war das schwulesbische Sommerfest im Colombi-Parl dieses Jahr eine entspannte Sache: Ein riesengroßes, queeres Picknick in der Sonne mit Freunden und vielen neuen Bekanntschaften die man an diesem Tag sehr leicht schließen konnte.

Nachdem im Colombipark der Ausschank und das Fest beendet wurden, zogen die meisten in die ebenfalls überaus angenehme offizielle CSD-Party im Jazzhaus.

Aber nächstes Jahr endlich einmal mit Mini-Parade, ja?

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