Gastro-Wechsel

Das Caféhaus bekommt nach 30 Jahren einen neuen Betreiber

Joachim Röderer

Gerhard Spiecker und Norbert Bender haben 30 Jahre lang das Caféhaus in der Gartenstraße geführt – nun übernimmt der Nachbar Abuzer Yurdakul als neuer Betreiber das beliebte Lokal.

FREIBURG-INNENSTADT. In der Gartenstraße in der Altstadt geht eine Ära zu Ende. Drei Jahrzehnte lang haben die Gastronomen Gerhard Spiecker und Norbert Bender das Caféhaus geführt. Nun geben sie das beliebte Lokal ab. Ihren Nachfolger haben sie direkt in der Nachbarschaft gefunden. Spiecker und Bender wollen sich in Zukunft auf ihre beiden verbleibenden Gastrobetriebe konzentrieren: den Ganter-Hausbiergarten mit der Wodanhalle und den "Kybfelsen" in Günterstal.

Die Rollläden bleiben derzeit unten, die Stühle im Lokal hochgestellt. "Natürlich ist viel, viel Wehmut mit dabei", sagt Gerhard Spiecker. Er war vor 30 Jahren der erste Betreiber des damals neu geschaffenen und von der Stiftungsverwaltung verpachteten Caféhauses. Der Eingang liegt in der Friedrichsbau-Passage, die Freifläche nach hinten zur Gartenstraße hin. "Hier war früher Möbel-Riegel und da, wo wir unser Lager haben, der Friseur Krummer", erzählt Spiecker. Der 61-Jährige kennt die Gartenstraße auf dem Effeff. Er ist hier im Eckhaus zur Schreiberstraße hin aufgewachsen. Damals gab es in der Straße auch noch eine Apotheke, einen Bäcker und einen Lebensmittelladen. "Die Inhaberin hat alle ältere Frauen mit Frau Professor angesprochen und die jüngeren mit Frau Doktor."


Spiecker ging in die Gastronomie. Er übernahm 1988 mit einem Mitstreiter das Schlosscafé auf dem Lorettoberg. "Das galt damals als atypisches Lokal, weil wir Frühstück angeboten haben", erinnerte er sich. Als im Juli 1989 das Caféhaus öffnete, feierte er sein Gartenstraßen-Comeback. Der obere Teil der Straße war zur Fußgängerzone geworden, inklusive Bächle. Was früher noch ein Autoparkplatz gewesen war, diente nun als Außenterrasse. Zunächst durfte das Caféhaus jedoch die schöne große Freisitzfläche über das Bächle hinweg nicht bewirten – zu gefährlich, sagte die Gewerbeaufsicht. Später kam die Genehmigung. Norbert Bender stieg 1995 mit ein. Er war zunächst Geschäftsführer, dann bis heute Geschäftspartner.

Liegestühle, erst verboten, dann doch erlaubt

Mitte der 90er-Jahre bauten die Caféhaus-Wirte Liegestühle auf der Terrasse auf. Als Erste in Freiburg. Sie bekamen Post vom Ordnungsamt: Liegestühlen seien nicht erlaubt, weil es sich nicht um Stühle handle. Die Betreiber ketteten die verbotenen Liegestühle demonstrativ an einen Baum, versehen mit einem Hinweisschild. Das Amt untersagte auch dies, weil es sich nicht verspotten lassen wollte. "Wir ließen sogar von einem Experten von Vitra ein Stuhlgutachten erstellen", erinnert sich Gerhard Spiecker. Sämtliche Ratsfraktionen sprangen den Gastronomen bei. Das Amt knickte schließlich ein. Seither darf man im Caféhaus dank einer Sondergenehmigung auf Liegestühlen sitzen oder auf Sitzstühlen liegen.

Pionierarbeit leisteten die Gastronomen auch in einer anderen Sache. Das Caféhaus, die Nachbarlokale, die Anwohner und die Stadt schlossen einen Vertrag – dabei ging es um die Zahl der Sitzplätze und die Betriebsstunden auf den Außensitzflächen. "Es war die erste Regelung dieser Art in Freiburg und in ganz Baden-Württemberg", berichtet Norbert Bender. Abends endet der Betrieb um 22 Uhr, während sonst in der Stadt an Wochenenden bis 24 Uhr ausgeschenkt werden darf "Wir mögen unsere Nachbarn, aber das war ein klarer wirtschaftlicher Nachteil", sagen die Gastronomen. Das hätte 25 bis 30 Prozent Umsatz gekostet: "Viele Gäste kommen gleich erst gar nicht, weil sie wissen, dass um Zehn Schluss ist." Er findet auch, dass die Stadt durch den Verkauf des Breisacher Tors und die Ansiedlung eines neuen Lokals im Erdgeschoss den Bogen in der Straße überspannt habe.

Abuzer Yurdakul führt auch das Nachbarlokal "Erste Liebe"

Viel Herzblut stecke im Caféhaus drin, sagen die scheidenden Betreiber. Ihren Abschied von der Gartenstraße begründen sie auch mit dem immer mehr zunehmenden Aufwand, den man beim Führen eines Lokals betreiben müsse. Zwei Gastronomen, drei Objekte – das sei heute einfach schwierig. "Die Mitarbeiter wollen, dass der Chef vor Ort ist, die Gäste verlangen es auch", sagt Norbert Bender. Und der Wettbewerbsdruck in der Innenstadt habe zugenommen: "Mittagessen für 4,80 Euro – wie soll das unter normalen Bedingungen gehen?", kritisiert er die Dumpingpreise, die teils verlangt werden. Trotzdem gehe man nicht verbittert oder frustriert. Sie könnten sich nun besser um die beiden anderen Betriebe kümmern. Und es sei einfach Zeit für frische Ideen, frischen Elan fürs Caféhaus, sagt Gerhard Spiecker: "Vielleicht wird man nach 30 Jahren auch ein bisschen betriebsblind."

Der Mann, der neuen Schwung bringen soll, führt bereits mehrere Lokale, unter anderem das "Bolero City" im Bermuda-Dreieck oder die "Erste Liebe", die in der Gartenstraße praktischerweise direkt neben dem Caféhaus liegt. Abuzer Yurdakui wird der Nachfolger werden. Dem tüchtigen Gastronomen trauen Spiecker und Bender zu, dass er es gut hinbekommt. "Ich will nicht in drei Jahren in die Straße kommen und sehen, dass der Laden zu ist", sagt Spiecker. Der Stiftungsrat der Stiftungsverwaltung muss dem neuen Pachtvertrag noch zustimmen. Dann kann der neue Wirt loslegen.