Das Ascot von Südbaden? Das erste Mal auf der Galopprennbahn bei Baden-Baden

Dorothea Winter

XXL-Hüte, Glamour und Nervenkitzel. So stellt man sich ein Pferderennen vor. Doch muss man wirklich einen üppigen Hut tragen und tausende von Euro verwetten? fudder-Autorin Dorothea war am Donnerstag das erste Mal bei einem Pferderennen.

Crowd

Dem Klischee zufolge sind beim Pferderennen nur die Schönen und Reichen, die ihre Millionen verwetten und Champagner schlürfen. Das mag vielleicht für die englische Schickimicki-Rennbahn Ascot zutreffen, ist für das deutsche Pendant aber nicht wahr. An Fronleichnam beim Frühjahrsmeeting auf der Galopprennbahn Iffezheim ging es ganz leger zu. Das Publikum bestand zu 90 Prozent aus Normalos. Bloß 10 Prozent der Besucher trugen auffällige Hüte, schicke Kleider und saßen in einem Separee mit eigenem Catering.

Das Auffälligste

Ein Verhalten war oft zu sehen und höchst amüsant: Einige versuchten mit größter Mühe, als Teil der High Society angesehen zu werden. Und das, obwohl man ihnen schon von weitem ansah, dass sie offensichtlich ganz normale Durchschnittsverdiener waren. Sie kauften teuren Champagner und ließen diesen so knallen, dass wirklich jeder im Umkreis von zwei Kilometern es mitbekam. Sie stöckelten auf Deichmann-Stilettos über die Wiese und posierten vor jeder Wand für zahlreiche Fotos in den unterschiedlichsten Posen. Wirklich keine Gelegenheit für eine Inszenierung wurde ausgelassen. Ihr Erkennungsmerkmal waren Werbe-Strohhüte, die auf dem Gelände kostenlos an einem Stand einer großen deutschen Versicherung angeboten wurden.

Dresscode

Der Dresscode lautet "Erlaubt ist, was gefällt". Vom Alltagsoutfit in C&A-Jeans und T-Shirt bis zum Cocktail-Kleid und Valentinos war alles zu sehen. Schief angeschaut wurde niemand. Da der Großteil des Feldes Wiese ist, empfehlen sich flache und bequeme Schuhe. Der Veranstalter empfiehlt für die exklusiven Bereiche ein Jacket – feste Vorgaben gibt es jedoch nicht.

Preis

Anders als man vermuten würde, sind die Tickets für die Pferderennbahn erschwinglich. Stehplätze für die Wiese fangen bei sechs Euro an. Viele Gäste brachten Klappstühle und Picknick-Decken mit. Ansonsten kann man auch stehen – die Rennen an sich gehen schließlich nur einige Minuten. Sitzplätze kosten zwischen 10 und 20 Euro. Exklusiver wird es erst bei den Restaurantplätzen inklusive Catering, die ab 149 Euro beginnen. Parken kostet 4 Euro, für einen reservierten Parkplatz zahlt man 20 Euro. Die Tickets gelten für alle Rennen an dem jeweiligen Tag.

Spaßfaktor

Auf der Pferderennbahn kann man auf jeden Fall einen ganzen Tag verbringen und das mit der ganzen Familie. Neben dem Rennen selbst gibt es für Kinder Ponyreiten und fürs Essen sorgen zahlreiche Imbisse – von Kuchen über Currywurst und Wraps. Wer weniger Volksfest-Flair und mehr Schickimicki möchte, kann sich auch in das Restaurant oder die Getränkebar setzen und das Treiben aus der Entfernung betrachten.

Stimmung

Die Stimmung war durchweg ausgelassen und fröhlich. Beim Rennen wird lautstark mitgefiebert und viele Zuschauer springen von ihren Sitzplätzen auf und gestikulieren wild. Pro Tag gibt es etwa acht Rennen. Zwischen den Rennen ist jeweils eine halbe Stunde Pause, in der die meisten Besucher Biernachschub holen. Auch vor und nach den Rennen wird ausgiebig gegessen und getrunken.

Wetten

Bei den ersten beiden Rennen am Donnerstag gewannen die favorisierten Pferde, das heißt natürlich keine hohen Gewinnquoten, aber auch keine unerwarteten Verluste. Ob 10 Euro oder 500 000 Euro – man kann so viel setzen, wie man möchte. Und ich muss zugeben, dass das Wetten wirklich seinen Reiz hat. Ich hatte nur 20 Euro gesetzt und 40 Euro gewonnen, aber die Freude und der Nervenkitzel war unbezahlbar.



Rennen

Vor dem Rennen müssen sich alle Jockeys wiegen lassen – und das in Sattel und Satteldecke. Nach dem Wiegen erscheint ein rotes Signal und ab diesem Zeitpunkt werden Wetten angenommen. Gleichzeitig führen die Stallangestellten die Pferde durch den Führring. Das Publikum kann sich so die verschiedenen Pferde anschauen. Geübte Blicke können so angeblich den Formzustand der Pferde abschätzen und ihre Wetten anpassen.

Anschließend finden sich alle Beteiligte am Startort ein und die Rennleitung gibt bekannt, dass sich die Pferde "Unter Starters Oder" befinden. Die Pferde stehen in Boxen. Sobald sich die Türen öffnen, kann gestartet werden. Das Rennen selbst geht nur wenige Minuten – die sind dafür intensiv!

Im Ziel wird ein Zielfoto bzw. Zielfilm erstellt und je nach dem, ob der Gewinner umstritten ist oder nicht, wird der Sieger sogleich bekannt gegeben oder erst nach Prüfung der Bilder. Eigentlich ähnlich dem Videoassistenten im Fußball.

Fazit

Der Tag auf der Galopp-Rennbahn Iffezheim war wirklich rundum gelungen. Ob Junggesellenabschied, Familienausflug oder einmal Reich fühlen – die Rennbahn bietet für viele Geschmäcker etwas. Allerdings sollte man sich davor wirklich gut über die Regeln informieren, wer ohne Ahnung hingeht, versteht nicht viel.
Nächster Termin: Samstag, 2. Juni, 1. Start 13.30 Uhr und letzter Start 18.45 Uhr
Adresse: Rennbahnstraße 16, 76473 Iffezheim
Facebook: Baden Racing – Galopprennbahn Iffezheim
Website: Baden Racing

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