Darwinistischer als Darwin

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wer Alfred Russel Wallace war? Der britische Naturforscher, der nur studierten Biologen bekannt sein dürfte, reiste im 19. Jahrhundert viele Jahre lang durch Südamerika und Südostasien und beobachtete und sammelte Pflanzen und Tiere. Dabei kam er auf ein paar Gesetzmäßigkeiten, die wir heutzutage eher Charles Darwin zuschreiben.

In den 1850er Jahren bereiste er erst das Amazonasgebiet, danach für immerhin 6 Jahre die Malaiischen Inseln. Von dort brachte er über 125.000 Präparate der einheimischen Flora und Fauna mit. Er beobachtete die Varietät der einzelnen Arten und kam irgendwann auf die Idee, dass dahinter eine gesetzmäßige Entwicklung stehen müsse. Dies schrieb er auch in ein paar Aufsätzen auf, die er unter anderem seinem langjährigen Freund Charles Darwin zukommen ließ.


Dieser hatte inzwischen selbst mit seinem Buch The Origin of Species begonnen, in dem er seine Evolutionstheorie aus der Selektion von domestizierten Tieren herleitete. Das kam 1859 heraus, ein Jahr nachdem Wallace seine sehr ähnlich lautenden Thesen in einem eher unbeachteten Aufsatz dargelegt hatte, allerdings basierend auf Tieren in freier Wildbahn.

Wallace jedoch machte nie großes Aufhebens darum, dass er an der Entwicklung der Evolutionstheorie entscheidend und wenigstens gleichzeitig zu Darwin gearbeitet hatte. Er benutzte sogar heute eher anerkannte Formulierungen: Statt Darwins "Selektion" beschrieb er diesen Vorgang im "struggle for existance "mit "survival of the fittest", was später auch in die neueren Auflagen von Darwins bahnbrechenden Buch Einzug fand.

Später profitierte Wallace allerdings noch von seiner Freundschaft zu Darwin, der ihm Zutritt zu den höchsten wissenschaftlichen Zirkeln der größten Kanalinsel verschaffte.