Interview

Darum wollen Schülerinnen und Schüler am Sonntag für Europa demonstrieren

Christian Engel

Fridays for Future kooperiert mit Pulse of Europe: Mit einer Kundgebung wollen Freiburger Schüler ein Zeichen für Europa setzen. Über seine Motivation spricht Mitorganisator Kristoffer Jorns.

Ein positives Zeichen für Europa wollen Schülerinnen und Schüler setzen: mit einer Kundgebung am Sonntag auf dem Platz der alten Synagoge. Veranstaltet wird sie von Schülern von "Fridays for future" und des United World Colleges Freiburg, in Zusammenarbeit mit "Pulse of Europe". Einer der Organisatoren ist Kristoffer Jorns. Er unterhielt sich mit Christian Engel über Vielfalt, Antrieb und Vorbildfunktion.



BZ:
Am Freiburger United World College leben Sie mit Schülerinnen und Schülern aus 100 Nationen zusammen, Sie teilen sich ein Zimmer mit einem Mexikaner, einem Neuseeländer, einem Taiwanesen – da darf man Sie doch getrost als Vielfaltexperten bezeichnen oder?
Jorns: Vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ich verstehe, auf was Sie hinauswollen – und Sie haben wohl recht: Man lebt mit so vielen unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Nationen zusammen, und lernt daher im Alltag viel über sie. Da merkt man schon recht schnell, dass die Menschen auf dieser Welt doch ähnlicher sind, als viele behaupten. Der Mensch ist per se offen und interessiert, und egal woher er kommt, er hat gewisse Grundbedürfnisse. Ich glaube daher, dass es gar nicht so sehr um die Nationalität eines Menschen gehen sollte, sondern – ganz banal gesagt – um den Menschen selbst. Auf ihn sollten wir unseren Fokus legen, auf seine Persönlichkeit. Länderflaggen brauchen wir nicht.


BZ:
Ich kann mir gut vorstellen, wie wütend Sie werden können, wenn Sie fremdenfeindliche Parolen hören.
Jorns: Das können Sie mir glauben. Als Deutscher lernt man ungewöhnlich viel über die eigene Geschichte, vor allem über den Zweiten Weltkrieg. An all das Negative, was Menschen dort widerfahren ist, muss ich denken, wenn ich solch hasserfüllte Parolen höre. Ich habe ein bisschen Verständnis dafür, dass manch einer eben in einem Umfeld aufgewachsen ist, das ihn in die Richtung geprägt hat. Aber ich verspüre auch Angst, dass schon nach 70 Jahren so viel vergessen werden konnte. Erschreckend.


BZ:
... daher auch Ihr Einsatz für ein starkes Europa?
Jorns: Ich bin überzeugt von der europäischen Idee, aber genauso überzeugt davon, dass Europa ein positives Beispiel für andere Länder sein muss, wie Zusammenarbeit funktionieren kann. Wir müssen beweisen, dass es Sinn macht, gemeinsam etwas zu entwickeln, gemeinsam Ziele erreichen zu können, wie beispielsweise die Klimaziele. Dann motivieren wir auch andere Nationen, es uns gleichzutun.
Die Kundgebung

Die Kundgebung für ein positives Zeichen für Europa findet statt am Sonntag, 3. März, von 14 bis 15.30 Uhr auf dem Platz der alten Synagoge.

Zur Person

Kristoffer Jorns, 17, kam in Schweden zur Welt, hat dort sechs Jahre gelebt, bevor er in die Nähe von Kiel zog. Seit August 2018 besucht er das United World College in Freiburg. Nach dem IB-Diplom (internationales Abitur), das er 2020 in der Tasche haben will, möchte er in der Filmindustrie arbeiten.

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