Darum will ich Schauspieler werden

Frank Zimmermann

Wie kommt man auf die Bretter, die die Welt bedeuten? Schüler der Schauspielschule im E-Werk haben Frank Zimmermann erzählt, warum sie ihren Beruf gewählt haben.



1. Der Pirouettendreher

Falk Döhler ist 21 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Köln und ist Schauspielschüler im zweiten Semester.

„Als Schauspieler“, sagt Falk Döhler,  „kann ich Dinge erleben, die ich normalerweise nicht erleben kann. Einmal habe ich einen Behinderten im Rollstuhl erschossen – was ich so natürlich nicht mache.“ Falk Döhler erinnert sich: „Das war eine krasse Rolle.“ Für die Schauspielerei gab er sein Wirtschaftsingenieurstudium auf. „Ich wäre innerlich verdorrt“, sagt er. „Ich brauchte etwas Lebendiges.“ Am Anfang stand für ihn auf der Schauspielschule die Selbstfindung: In Übungen mit Stimme und Körper testete er aus, wie weit er Grenzen überschreiten kann. Auch Grenzen der Peinlichkeit. Eine war, sich im Spiegel dabei zu beobachten, wie er Pirouetten drehend den sterbenden Schwan spielte. Komisch sah das aus. Und unsicher. Mittlerweile hat Döhler das Vertrauen in seinen Körper gefunden.



2. Liebe zum Dramatischen

Veronika Sautter ist 25 Jahre alt, kommt aus Tübingen und ist Schauspielschülerin im dritten Semester.

Nach dem Abitur studierte Veronika Sautter an der Pädagogischen Hochschule Musik, Kunst und Deutsch. Dass sie dann doch auf die Schauspielerei umschwenkte, war für sie am Ende aber „kein mutiger Schritt“ mehr: Die Eltern hatten keine Einwände und sie selbst hatte das Gefühl, „endlich angekommen“ zu sein: „Als ich mich entschieden hatte, war das eher eine Erleichterung.“

Keine Frage also, dass sie das mit der Schauspielerei jetzt durchzieht. Anfangs dachte Veronika Sautter, dass der Film „nicht so mein Ding“ sei, seit einem Kamera-Acting-Kurs kann sie sich aber beides – Theater und Film –  gut vorstellen. Sich selbst sieht Sautter eher im dramatischen Fach, „aber mir machen auch Komödien Spaß.“ „Große Achtung“ – das Wort Vorbilder vermeidet sie – hat sie vor den Wiener Grandes Dames Christiane Hörbiger und Erika Pluhar.



3. Inneres Brennen

Heike Vollmer ist 32 Jahre alt und Mutter einer Tochter. Die Breisacherin ist Schauspielschülerin im siebten Semester.

Schauspielerin zu werden war ein Kindheitstraum von Heike Vollmer, schon als Fünfjährige stand sie auf der Bühne. Später hörte sie das Übliche: „Mach erstmal eine Ausbildung, dann hast du eine Grundlage.“ So wurde sie  Mediengestalterin in einer Werbeagentur. Mit der Zeit stellte sie fest, dass man dort acht Stunden lang seine kostbare Zeit am Computer vergeudet. „Ich hätte nie bis zur Rente so einen Job machen können.“ In ihrer Freizeit stand sie in Auerbachs Kellertheater in Staufen auf der Bühne.

„Es brannte immer mehr in mir“, erinnert sich die 32-Jährige. „Ich wollte nicht mehr warten, ich war ja nicht mehr die Jüngste.“ Bedenken hatte sie, ob sie als alleinerziehende Mutter ihre Tochter – mittlerweile ist sie acht – und sich versorgen kann. Dank Bafög und eines Nebenjobs kann sie.  „Das war genau der richtige Schritt.“



4. Gesundheitsprävention ade

Katja Wengert ist 30 Jahre alt. Die Sportwissenschaftlerin aus Freiburg ist Schauspielschülerin im dritten Semester.
Auch Katja Wengert hatte schon in einem anderen Beruf Fuß gefasst. Fast zwei Jahre lang arbeitete die Diplomsportwissenschaftlerin bei einer Krankenkasse in der Gesundheitsprävention. Nebenher besuchte sie Theaterworkshops –  den Beruf aufzugeben traute sie sich aber nicht. „Ich habe den Wunsch, Schauspielerin zu werden, immer unterdrückt.“ Doch die Alltagsroutine ödete sie an. Irgendwann wagte sie doch den Schritt. Sie war überrascht, wie positiv ihr Umfeld reagierte, obwohl es auch Freunde gab, die ihr sagten: „Das bringt doch nichts.“  Das sei ihr aber egal gewesen. Vollmer träumt von einem Engagement an einem städtischen Theater. Besonders liege ihr das Komödienhafte, Kabarettistische. Angst oder Zweifel hat sie keine mehr. Obwohl sie weiß, dass sie wegen der rasanten Entwicklungen kaum noch Chancen hat, wieder in ihrem alten Beruf Fuß zu fassen.



5. Der Körper als Instrument

Jakob Blessing ist 24 Jahre alt und stammt aus der Nähe von Tübingen. Er ist Schauspielschüler im siebten Semster.

In einem Kinder- und Jugendzirkus reifte in Jakob Blessing die Idee,   Schauspieler zu werden. In der Schauspielerei sah er mehr Möglichkeiten als in der Artistik.  „Ich wollte mich mit mir selbst auseinandersetzen“, beschreibt er die Phase, in der in ihm der Entschluss reifte, professioneller Schauspieler zu werden. Dass es mit dem Vorsprechen in Berlin, Essen, München und Stuttgart nicht klappte, darüber ist er im Nachhinein froh. Freiburg war für Blessing die richtige Wahl. Den eigenen Körper als Instrument zu nutzen, in immer wieder andere Charaktere zu schlüpfen, das ist für ihn das Spannende an der Schauspielerei. Ihn reizen tragische Figuren, Stücke „mit Inhalt“. „Auf der anderen Seite liebe ich es, wenn ich beim Publikum Lacher ernten kann.“ Was er später machen will?  „Das kann ich beim besten Willen noch nicht sagen. Ich würde gerne viel ausprobieren.“

FOTOS: Thomas Kunz

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