Darum quietschen Freiburgs Straßenbahnen am Bertoldsbrunnen so laut

Simone Höhl

Wenn Straßenbahnen am Bertoldsbrunnen durch die neuen Gleise kurven, machen sie immer wieder ohrenbetäubende Quietsch-Geräusche. Die VAG weiß von dem Problem – lösen kann sie es nicht.



Eine Straßenbahn fährt über den wichtigsten Tramknoten der Stadt, sie kommt vom Martinstor, biegt zur Bertoldstraße ab und fängt dann an zu quietschen. Das passiert nicht bei jeder Tram, aber immer wieder – mal kurz, mal so langgezogen wie die Kurve. Zur Zeit ist es tags nicht mehr so schlimm, dafür abends öfter zu hören, sogar als Kreischen.




Das Quietschen ist ein komplexes Phänomen, erklärt die VAG. "Es ist der gleiche Effekt, wie wenn Kreide auf der Tafel quietscht", sagt Betriebsleiter Johannes Waibel. Bei seinen Straßenbahnen tritt der Effekt in Kurven auf. "Je enger der Gleisbogen, um so wahrscheinlicher ist das Quietschen", sagt Guido Haas. Er ist für die Infrastruktur zuständig, blättert im Ordner von einem Symposium über Kurvengeräusche in Köln und weiß, dass man ihnen nur schwer auf die Spur kommt.

Pflege und Anti-Dröhn-Matten

Quietschkurven gibt es nicht nur in Freiburg, und hier nicht nur am Bertoldsbrunnen, der vergangenes Jahr für sechs Millionen Euro saniert wurde. "In allen Wendeschleifen haben wir das Problem", sagt Haas. Kandidaten sind alle engen Kurven wie beispielsweise an der Schwabentorbrücke, vor Vauban oder die S-Kurve zwischen Habsburger- und Zähringer Straße: "Manchmal quietscht der eine, manchmal der andere Bogen, da sind die Leute immer gekniffen", sagt Haas. Wann es pfeift und wann nicht, ist nicht restlos zu klären. Laut VAG spielen viele Faktoren rein, etwa der Zustand von Rad und Schiene: Ältere sind eigentlich schlimmer, aber neue müssen sich einfahren, sagt Haas und ist mit Waibel einig, dass der Bertoldsbrunnen schon leiser sein müsste. Und das Wetter: Als Faustregel gilt, dass es bei trockener Wärme wenig quietscht und bei feuchter Kälte grauslig, weswegen es im Winter mehr Beschwerden gibt.

"Aber das stimmt halt auch nicht immer." Sicher ist: Nasse Schienen sind still. Eine Bewässerung, wie sie Köln mal getestet hat, kommt für die VAG nicht in Frage: zu gefährlich bei Frost, zu viel Wasserverbrauch, Kosten und Wartung. "Wir arbeiten an der Ursache", sagt Haas. Er lässt die Schienen ständig reinigen und schleifen. Alle VAG-Bahnen schmieren zur Lärmminderung die Radspurkränze, manche geben ein Mittel auf Schienen, der neue Tramtyp Urbos kann beides, erklärt Waibel: "Und er ist der erste, der zudem Anti-Dröhn-Matten im Radlaufkasten haben wird." Haas meint: "Es gibt eine Unmenge von Stellschrauben, ganz abstellen kann man’s nicht."

Zischeln und quietschen

Straßenbahnen zischeln in Kurven. So heißt es im Fachjargon, wenn die Nase des Tramrads – der Spurkranz – in der Schienenrille am Rand lang schleift. Dadurch wird die Bahn gelenkt. Auf der gegenüberliegenden Seite wird das Rad mit in die Kurve geschoben, seine Lauffläche rutscht dabei quer über die Schienenoberfläche – Stahl auf Stahl, das kann quietschen. Ursache ist der Stick-Slip-Effekt. Ist das Geräusch sehr laut, spricht man auch von kreischen.

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[Foto: Ingo Schneider, Video: Daniel Laufer]