Darf die Bundeskanzlerin als Fan auftreten?

Betül Yaman

Felix (20) aus Waltershofen schreibt: "Gestern fand ich es schon ein wenig übertrieben, wie Bundeskanzlerin Merkel den Fan hat raushängen lassen, dazu noch ihr Geplausche mit Schweinsteiger und Löw. Ziemt sich das für die höchste Repräsentantin des Landes? Und: darf Reinhold Beckmann sie salopp mit ,Frau Merkel' ansprechen?"



Hallo Felix, die Bundeskanzlerin weckt einige Sympathien, weil sie so menschlich und natürlich wirkt. Wie schlimm wäre es, wenn sie regungslos auf der Tribüne säße und emotionslos das Ganze betrachten würde? Würden wir nicht alle denken, dass sie mal wieder ihr Pflichtprogramm als Kanzlerin wahrnimmt? So ist sie zumindest scheinbar eine von uns und das gefällt mir sehr an ihr.


Ihr Dresscode signalisiert ganz klar, dass sie als Bundeskanzlerin erscheint. Sie hätte ja auch im Nationaltrikot inklusive Deutschlandmütze und Schal erscheinen können (was nebenbei ein Bild für die Götter gewesen wäre).

Sie lacht, zeigt Siegerposen und freut sich mit den Tribünen-Nachbarn über die Erfolge der Mannschaft. Trotzdem wahrt sie die Contenance und rastet zum Beispiel nicht aus, wenn eine gelbe Karte gezeigt wird oder ähnliches. Für mich eine vorbildliche Bundeskanzlerin!

Zu Herrn Beckmann: Korrekterweise müsste er unsere Bundeskanzlerin mit „Frau Bundeskanzlerin“ anreden. Doch gilt es zu berücksichtigen, dass die betitelten Personen sich auch selbst aussuchen dürfen, wie sie angesprochen werden möchten. Für uns gilt: immer direkt fragen, wenn wir unsicher sind, wie wir ansprechen dürfen.

Wenn dies auch Herr Beckmann vor dem Interview gemacht hat und Frau Merkel angeboten hat, den Nachnamen nennen zu dürfen, können eben solche Interviewanreden stattfinden.

Viele Grüße, Deine Betül